Politische Krise im Irak

- Bagdad/Washington - Fast genau zwei Monate nach den als historisch bezeichneten Parlamentswahlen im Irak steckt das Land in einer tiefen politischen Krise. Auch am Dienstag konnten sich die Abgeordneten bei ihrer zweiten Sitzung nicht auf einen Parlamentspräsidenten einigen. Damit verzögerte sich die Regierungsbildung erneut.

Unterdessen wurden drei rumänische Journalisten im Irak verschleppt, darunter die Fernsehreporterin Marie-Jeanne Ion (33) vom Sender "Prima TV".

US-Präsident George W. Bush äußerte sich in Washington indes zuversichtlich zur demokratischen Zukunft des Iraks. Eine Demokratie zeige sich allerdings nicht nur in freien Wahlen und einer demokratisch gewählten Regierung, sondern auch in freien Institutionen, im Kampf gegen Korruption und im Respekt vor den Rechten der Minderheiten, sagte Bush nach einem Treffen mit irakischen Repräsentanten.

Der bisherige irakische Übergangsstaatschef Ghasi al-Jawar, der als Parlamentspräsident vorgesehen war, hatte das Amt, das mit einem Sunniten besetzt werden soll, zuvor abgelehnt. Die Abgeordneten wollen sich nun bis Sonntag auf einen neuen sunnitischen Konsenskandidaten einigen. Bei den ersten Wahlen seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein hatten am 30. Januar eine Allianz schiitischer Parteien und ein kurdisches Bündnis am besten abgeschnitten. Die Parteien konnten sich bisher aber nicht auf die Verteilung der Kabinettsposten verständigen. Obwohl die Mehrheit der Sunniten die Wahlen boykottiert hatte, wollen die Wahlsieger die sunnitischen Araber in den politischen Prozess einbinden.

Die verschleppte Reporterin Ion hatte während der Entführung noch mit ihrer Redaktion telefoniert, hieß es in Bukarest. Dabei habe sie gerufen: "Es ist kein Witz. Wir sind entführt worden." Nach Angaben des französischen Premierministers Jean-Pierre Raffarin soll es Kontakte zu den Entführern der französischen Journalistin Florence Aubenas geben, die am 5. Januar verschleppt worden war.

Bei neuer Gewalt wurden unterdessen in der Nähe der nördlichen Stadt Kirkuk 17 Menschen bei einem Autobombenanschlag verletzt. Nach Angaben der Polizei galt der Anschlag einem Konvoi mit Beamten der Stadtverwaltung. Am Montag tötete ein Sprengsatz, der in einem Schiitenschrein in der Stadt Bakuba explodierte, zwei Menschen. Nach Klinikangaben wurden in der Stadt außerdem zwei Fußgänger von Unbekannten auf offener Straße erschossen.

Auch interessant

Kommentare