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Die Thailänderin Pattaramon Chanbua wirft einem australischen Paar vor, Baby Gammy mit Down Syndrom im Stich gelassen und nur dessen gesunde Zwillingsschwester mitgenommen zu haben.

Razzia in Bangkok

Polizei nimmt Babys von Leihmüttern in Obhut

Bangkok - Die Polizei hat in Thailand nach Angaben eines Informanten neun Babys in Obhut genommen, die offenbar von Leihmüttern geboren wurden und demnächst an ihre Eltern übergeben werden sollten.

Im tragischen Fall des behinderten Babys Gammy beschuldigen sich die biologischen Eltern aus Australien und die thailändische Leihmutter gegenseitig der Lüge. David und Wendy Farnell aus Westaustralien widersprachen dem Vorwurf der Thailänderin, sie hätten den Säugling wegen seiner Behinderung zurückgelassen. Gammys gesunde Zwillingsschwester nahmen sie mit zu sich nach Bunbury bei Perth. Am Dienstag wurde außerdem bekannt, dass der Vater in den 90er Jahren wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis gesessen hat.

Die Zeitung „Australian“ berichtete nach Gerichtsunterlagen, dass der Vater drei Jahre im Gefängnis war. Er habe zwei Mädchen unter 10 Jahren belästigt und ein 13-jähriges Kind. Die Frau des Mannes bestätigte die Vorwürfe, wie der Sender „Channel Nine News“ meldete: „Menschen machen Fehler, das heißt nicht, dass sie für immer schlecht sind“, zitierte der Sender die Frau.

Unterdessen soll die Polizei in Thailand neun Babys in Obhut genommen haben, die offenbar von Leihmüttern geboren wurden und demnächst an ihre Eltern übergeben werden sollten. Die Beamten hätten einen Tipp erhalten, berichtete ein Informant der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Die Polizei bestätigte lediglich, dass es im Zusammenhang mit der jüngsten Kontroverse um Leihmutterschaften „eine Razzia“ gegeben hat.

Gammy war im Dezember mit Down Syndrom (Trisomie 21) und einem Herzfehler geboren worden. Es sei den Farnells versichert worden, dass Gammy sehr krank sei. „Den biologischen Eltern wurde gesagt, dass er allenfalls einen Tag leben werde“, sagte eine Freundin im Auftrag der Farnells der Lokalzeitung „Bunbury Mail“ am Dienstag. Das Arrangement mit der Leihmutter und ihre Erfahrungen hätten sie schwer traumatisiert, ließen die Farnells weiter mitteilen.

Nach Angaben der 21 Jahre alten Leihmutter nahmen die beiden Australier als Auftraggeber nur das Mädchen mit und ließen den Jungen bei ihr zurück. Der Vater hatte australischen Reportern am Montag gesagt, die Leihmutter-Agentur habe ihm und seiner Frau von dem Jungen nichts erzählt. Die Leihmutter bestreitet das.

Die Freundin der Eltern sagte weiter, die Leihmutter habe den kranken Jungen behalten wollen, um ihn nach buddhistischer Tradition beerdigen zu können. Sie wies auch den Vorwurf zurück, die Farnells hätten eine Abtreibung verlangt, als Gammys Behinderung Trisomie 21 während der Schwangerschaft festgestellt wurde.

Die 21-Jährige, die schon Kinder im Alter von drei und sechs Jahren hat, hatte in die Leihmutterschaft eingewilligt, um eigenen Angaben zufolge Schulden abzuzahlen. Sie habe dafür etwa 10.000 Euro bekommen. Sie war nach Medienberichten entsetzt über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Vater. Sie wolle nun auch um die Rückgabe des Mädchens kämpfen, hieß es. Nach thailändischem Gesetz gilt sie als Mutter der Kinder, nicht die Ei-Spenderin. Die Thailänderin dürfte aber Papiere unterschrieben haben, die das alleinige Sorgerecht dem Vater zusprachen, sonst hätte er mit dem Mädchen nicht aus Thailand ausreisen können.

Die Leihmutter sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Krankenhaus, dem Jungen gehe es besser. Weitere Angaben machte sie nicht. Sie dankte Medien und Wohltätigkeitsorganisationen, die mehr als 200.000 australische Dollar (rund 139.000 Euro) für die medizinische Behandlung von Gammy gesammelt hätten.

Sowohl die thailändische als auch die australische Regierung wollen den Fall „genau“ beobachten. Australiens Generalstaatsanwaltschaft sei beauftragt worden, den Fall zu prüfen, hieß es aus Canberra.

Die bei der Razzia gefundenen Babys im Alter zwischen ein paar Tagen und acht Monaten sind den Informationen zufolge jeweils von einem eigenen Kindermädchen betreut worden. Nach Angaben der Betreuerinnen liefen DNA-Tests, um die Elternschaft nachzuweisen. Die Kinder sollten dann von ihren biologischen Eltern abgeholt werden. Die Polizei habe die Babys Sozialdiensten übergeben.

Das Geschäft mit Leihmüttern findet in Thailand in einer Grauzone statt. Die Leihmutter gilt zwar vor dem Gesetz als Mutter mit Sorgerecht, doch kann sie ihre Ansprüche aufgeben. Ausländische Väter können dann Pässe für die Kinder bekommen und sie mit nach Hause nehmen. Manche Botschaften verlangen DNA-Nachweise über die Vaterschaft.

Thailands Gesundheitsbehörden kündigten ein hartes Durchgreifen gegen Kliniken an, die künstliche Befruchtung anbieten. Fünf der zwölf Kliniken, in denen künstliche Befruchtung möglich ist, drohe die Schließung, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Die Kliniken hätten offenbar nicht die nötigen Genehmigungen, um diesen Service anzubieten.

dpa

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