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Auf dem Plakat der kleinen Demonstrantin in Ferguson steht "Meine Hautfarbe ist kein Verbrechen".

Äußerung zu Protesten

"Notschlachten": Ferguson-Polizist entlassen

Glendale - Weil er sich menschenverachtend über die  äußerte, die in Ferguson nach dem Tod eines schwarzen Jungen durch einen weißen Polizisten protestierten, hat ein US-Cop seinen Job verloren.

Wie die Polizeidirektion in Glendale am Samstag mitteilte, erfolgte die Suspendierung von Matthew Pappert wegen dessen Bemerkungen über die Demonstranten auf seiner Facebook-Seite. Der Polizist hatte unter anderem geschrieben: "Ich habe diese Protestierer satt. Ihr seid eine Belastung für die Gesellschaft und eine Plage für die Gemeinschaft." Pappert fügte außerdem hinzu: "Diese Protestierer hätten man in der ersten Nacht wie tollwütige Hunde notschlachten sollen."

Pressefotografen erkannten Pappert als einen von hunderten Polizisten, die zur Verstärkung gegen die Demonstranten nach Ferguson entsandt worden waren. Einer der Fotografen sagte, der Polizist sei kurz davor gewesen, mit seinem Knüppel auf die Reporter einzuschlagen.

Die Polizeidirektion kündigte eine Untersuchung an und erklärte, sie und die Stadtverwaltung teilten Papperts Ansichten "absolut" nicht.

Auslöser der Unruhen waren die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den 18-jährigen unbewaffneten Afroamerikaner Michael Brown am 9. August gewesen.

Glendale, eine zu 97 Prozent von Weißen bewohnte 6000-Einwohner-Gemeinde, gehört wie Ferguson zum Einzugsbereich der Großstadt St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Die Bevölkerung in Ferguson ist zum größten Teil schwarz, die dortige Polizei setzt sich aber ganz überwiegend aus Weißen zusammen.

Nach Abzug der Nationalgarde weitere ruhige Nacht in Ferguson

In der US-Kleinstadt ist es die zweite Nacht in Folge ruhig geblieben. Einige Dutzend Demonstranten gingen in der Nacht zum Freitag laut dem Sender CNN friedlich die Hauptstraße auf und ab. Die Polizei schritt nicht ein.

Nach der Beruhigung der Lage in Ferguson hatte Missouris Gouverneur Jay Nixon am Donnerstag die Nationalgarde aus dem Vorort von St. Louis abgezogen. Er hatte die Soldaten am Montag nach mehreren Nächten gewaltsamer Zusammenstöße von Polizisten und Demonstranten als Unterstützung angefordert.

235.000 Dollar Spenden für Todesschützen in Uniform

Unterdessen hat eine Internet-Spendenaktion für den Todesschützen von Ferguson innerhalb von nur fünf Tagen rund 235.000 Dollar (knapp 180.000 Euro) erbracht. Demnach gaben fast 6000 Einzelpersonen oder auch Gruppen Geld zur Unterstützung des Polizisten Darren Wilson, der vor zwei Wochen in der Kleinstadt im US-Staat Missouri den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hatte. Die Sammelaktion wird inzwischen von einer Wohltätigkeitsorganisation fortgesetzt.

Eine Grand Jury (Anklagekammer) prüft zurzeit, ob Wilson vor Gericht gestellt werden soll. Diese Prozedur könne bis zu zwei Monate dauern, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf einen Rechtsexperten. Wie es weiter hieß, hat der Polizist nach dem Vorfall mehrere Todesdrohungen erhalten und hält sich an einem unbekannten Ort auf. Er ist vorläufig vom Dienst befreit und bezieht weiter sein Gehalt. Im Falle einer Anklage kämen aber vermutlich hohe Kosten auf ihn zu.

Michael Brown soll am Montag beigesetzt werden. Die Trauerfeier mit dem Bürgerrechtler Al Sharpton als Hauptredner ist öffentlich. Die Familie des Toten und die Organisatoren erwarten eine große Menschenmenge.

AFP/dpa

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