Powell zweifelt an Saddams Massenvernichtungswaffen

- Washington/Bagdad - Der US-Chefwaffeninspekteur im Irak, David Kay, ist nach monatelanger ergebnisloser Suche nach vermuteten Massenvernichtungswaffen zurückgetreten. Als seinen Nachfolger benannte der amerikanische Geheimdienst CIA den früheren UN-Waffeninspekteur Charles Duelfer. Dieser hatte sich erst kürzlich äußerst skeptisch zu den Erfolgschancen der Suche geäußert.

Kay soll nach US-Medienberichten inzwischen nicht mehr an Waffenfunde glauben. Er vermutet Bestandteile eines irakischen Programms für Massenvernichtungswaffen in Syrien. Kay sagte in einem Interview, er habe Beweise, dass nicht näher identifizierte Materialien kurz vor dem Krieg nach Syrien geschafft worden seien. Um was es sich genau gehandelt habe und was in Syrien damit geschehen sei, müsse noch geklärt werden.

Weiter sagte Kay, sein 1400 Mann starkes Team an Inspekteuren habe keine chemischen oder biologischen Waffen gefunden. Man habe aber "substanzielle Beweise, dass Saddam die Programme zu Massenvernichtungswaffen irgendwann in der Zukunft wieder aufnehmen wollte". Es sei an einer Rakete gearbeitet worden, die Nervengift habe tragen sollen und die Südeuropa hätte erreichen können.

US-Außenminister Powell hat erstmals öffentlich die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak bezweifelt. Es sei möglich, dass der Irak vor Beginn des Krieges im vergangenen Jahr keine solchen Waffen gehabt habe. Das vermutete Arsenal gefährlicher Waffen war für die USA der Hauptgrund für den Krieg zum Sturz des Diktators Saddam Hussein gewesen.

Die US-Streitkräfte haben unterdessen mit Razzien und Dutzenden Festnahmen auf eine Reihe von Anschlägen im Irak reagiert, bei denen fünf US-Soldaten und vier Iraker getötet wurden. Ein weiterer Soldat erlag am Sonntag seinen Verletzungen.

Die irakischen Schiiten bekräftigten ihre Ablehnung des US-Zeitplans zur Machtübergabe. "Das ist in seiner gegenwärtigen Form inakzeptabel", sagte der führende Geistliche und Chef des Obersten Rates für die Islamische Revolution, el Hakim.

Etwa 7000 kurdische Studenten demonstrierten in Suleimanijah für einen föderalistisch organisierten Staat. Mit ihrer Forderung stoßen sie auf Widerstand der irakischen Araber, die fürchten, dass eine föderalistische Verfassung den kurdischen Separatismus stärken könnte. Im Nordirak tauchten politische Plakate auf. Darauf wurden die Menschen aufgefordert, eine Petition für ein Referendum über die Zukunft des kurdischen Gebiets zu unterzeichnen.

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