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Alarm bei Pressefreiheit: Deutschland nun hinter Jamaika und den Seychellen – auch Österreich stürzt ab

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Von: Laura May

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Die „Rangliste der Pressefreiheit 2022“ von Reporter ohne Grenzen offenbart eine bedenkliche Tendenz – auch in Deutschland und Österreich.

München – Vor allem Corona hat das Vertrauen in die Medien in Deutschland bei vielen Menschen erschüttert. Die Seite der Skeptiker witterte komplett gleichgeschaltete Berichterstattung, die direkt von der Regierung diktiert wird. Die Medien hingegen reagierten auf Kritik oft schnell mit dem Vorwurf von Verschwörungstheorien und antidemokratischem Verhalten.

Die Fronten bleiben verhärtet. Länder wie Deutschland und Österreich, in denen die Pressefreiheit eigentlich zum gesellschaftlichen Selbstverständnis gehören, rutschen in der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen ab: Deutschland von Platz 13 auf Platz 16, Österreich sogar von Platz 17 auf Platz 31.

Pressefreiheit 2022: Immer mehr gewaltsame Angriffe auf Journalisten in Deutschland

Reporter ohne Grenzen zählte im vergangenen Jahr 80 gewaltsame Angriffe in Deutschland und damit so viele wie noch nie seit Beginn der Dokumentation im Jahr 2013. Bereits 2020 war mit 65 Fällen ein Negativrekord erreicht worden. Erneut hätten sich die meisten der Angriffe (52 von 80) bei Protesten des „Querdenken“-Spektrums gegen Corona-Maßnahmen ereignet. Zudem wurden zwölf Angriffe der Polizei auf die Presse dokumentiert. Die Organisation geht zudem von einer hohen Dunkelziffer an Fällen von Gewalt gegen Medienschaffende aus.

„In Deutschland verging in den vergangenen zwei Jahren kaum eine Woche, an dem es keine Beleidigungen von Medienschaffenden, keine Schläge oder Schubsereien, keine veröffentlichten Klarnamen und Adressen von Medienvertretern gegeben hätte“, betonte Christopher Resch von Reporter ohne Grenzen in einem Gastbeitrag für den KNA Mediendienst.

Die bloße Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen - etwa der Presse - reicht nicht aus, um eine Auskunftssperre eintragen lassen zu können.
Die Unabhängigkeit und Freiheit der Presse wird auch in Deutschland immer öfter infrage gestellt. © imago/Waldmüller

Pressefreiheit: Nordkorea weiterhin Schlusslicht, Norwegen an der Spitze

Auf den hintersten Plätzen landeten in der Rangliste China, Myanmar und Iran sowie erneut Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea (Platz 180). Die Top-Platzierungen machen wie zuvor die skandinavischen Länder weitgehend unter sich aus: Norwegen kommt zum sechsten Mal in Folge auf Platz 1. Es folgen Dänemark und Schweden. Die ganze Rangliste der Pressefreiheit finden Sie hier.

Dennoch ist der Blick auf die hinteren Ränge für die Menschenrechtsorganisation zum Gedenktag wichtiger: „Morde und Entführungen, Verhaftungen und körperliche Angriffe sind bloß unterschiedliche Ausprägungen desselben Problems: Regierungen, Interessengruppen und Einzelpersonen wollen Medienschaffende mit Gewalt daran hindern, unabhängig zu berichten“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.

Journalisten in Europa immer noch vergleichsweise frei

Das Phänomen beobachte man in allen Teilen der Welt, ob in Russland, Myanmar oder Afghanistan – oder eben „selbst in Deutschland, wo die Aggressivität gegenüber Journalistinnen und Journalisten auf ein Rekordhoch gestiegen ist“.

Europa ist laut der Rangliste nach wie vor die Weltregion, in der Journalisten im Vergleich am freiesten arbeiten können. Allerdings habe es auch hier zwei Morde an Journalisten gegeben. In Griechenland (Rang 108), dem am schlechtesten platzierten Land der EU, starb Giorgos Karaivaz, in den Niederlanden (Rang 28) Peter de Vries.

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