Privattransporter "Dragon" dockt an ISS an

Washington - Der „Drache“ ist gefangen: Zum ersten Mal hat ein privater Raumtransporter die Internationale Raumstation erreicht.

Der “Drache“ ist gefangen: Erstmals in der Geschichte hat am Freitag ein privater Transporter an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Zwei Astronauten an Bord der ISS war es zuvor gelungen, die anfliegende Kapsel “Dragon“ mit einem Roboterarm der Station zu packen. “Das Einfangen ist erledigt“, jubelte die Sprecherin des US-Unternehmens SpaceX, das die Kapsel gebaut hat, in einer E-Mail. Zwei Stunden später, um kurz nach 18 Uhr MESZ, war das historische Andockmanöver vollendet und “Dragon“ (übersetzt: Drache) fest am ISS-Modul “Harmony“ geparkt.

“Mir fehlen die Worte, um das Hochgefühl und die Erleichterung zu beschreiben, die wir alle hier bei SpaceX empfinden“, sagte Firmenchef Elon Musk wenig später im Hauptquartier des Unternehmens im kalifornischen Hawthorne. Jetzt seien hoffentlich Zweifel daran ausgeräumt, dass die private Industrie Aufgaben übernehme könne, die bisher nur staatliche Raumfahrtbehörden ausgeführt hätten.

Mike Suffredini, ISS-Programm-Manager der Nasa, stufte das erfolgreiche Andocken auf einer Pressekonferenz als ein “Spitzenereignis“ in der Raumfahrtgeschichte ein. Klappt weiter alles gut bei dieser Test-Mission, soll SpaceX im Auftrag der US-Behörde mit einer Serie von zwölf Gütertransport-Flügen zur Raumstation beginnen. Dafür hat die Nasa mit dem Unternehmen einen 1,6 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro) schweren Vertrag abgeschlossen.

Die US-Behörde hatte im Sommer vergangenen Jahres ihre eigene Shuttle-Flotte eingemottet und war seitdem bei Reisen zur ISS ganz auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Bei der Beförderung von Astronauten wird das auch auf längere Sicht noch so bleiben. SpaceX will zwar seine Kapsel so weiterentwickeln, dass sie auch Menschen transportieren kann. Aber bis dahin dürften noch Jahre vergehen.

Die Andock-Prozedur war kompliziert und langsam - und doch spannend wie ein Krimi. Meter für Meter schob sich der Frachter an den Außenposten im All heran, um dann wiederholt für Tests gestoppt zu werden: eine sorgfältig geplante Choreographie. So wurde etwa mehrere Male geprüft, ob die Kommunikation zwischen dem Besucher und der ISS klappt und ob alle Manövriersysteme der Kapsel funktionieren.

Für kurze Zeit verwirrte eine Reflexion von der ISS das Navigationssystem des “Drachen“, und die Kapsel erhielt das Kommando, sich ein wenig von der Station zurückzuziehen. Aber das Problem konnte schnell gelöst werden, und schließlich war es so weit: Die Nasa gab grünes Licht für die letzte Phase des Anflugs.

Geschnappt wurde der 4,4 Meter hohe und 3,7 Meter breite “Dragon“, als er sich der ISS bis auf etwa zehn Meter genähert hatte. Astronaut Don Pettit von der Nasa und Andre Kuipers von der Europäischen Raumfahrt-Agentur hatten die schwierige Aufgabe, den Roboterarm zu steuern, dessen Spitze dann im Zeitlupentempo in eine Ausbuchtung der Kapsel gebracht wurde. “Es sieht aus, als hätten wir einen Drachen beim Schwanz erwischt“, freute sich Pettit über die gelungene Operation. In der SpaceX-Zentrale und im Nasa-Kontrollzentrum in Houston (Texas) brandete Beifall auf.

Kuipers war schon ins Schwärmen geraten, als die Kapsel am Freitagmorgen in Sicht kam: “Es ist toll, sie zu sehen.“

An diesem Samstag sollen die ISS-Dauerbewohner mit dem Auspacken beginnen. Der Frachter ist mit gut 500 Kilogramm an Versorgungsgütern beladen. Abdocken soll die Kapsel am 31. Mai, dann bepackt mit Müll zur Entsorgung auf der Erde. Bei der Heimkehr wird es für den “Drachen“ aber zunächst feucht werden: Er soll im Pazifik vor der kalifornischen Küste landen, um dann von einem Schiff aufgelesen zu werden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Los Angeles: 17-Jähriger Schüler droht Schießerei an Schule an
In Los Angeles ist durch die Festnahme eines 17-Jährigen möglicherweise eine Schießerei verhindert worden. Er soll damit gedroht haben, an seiner Schule das Feuer zu …
Los Angeles: 17-Jähriger Schüler droht Schießerei an Schule an
Bus in Brand geraten
Oberreute (dpa) - Bei einer Ausflugsfahrt von Schulkindern ist der Reisebus auf der Bundesstraße 308 bei Oberreute (Landkreis Lindau) in Brand geraten. Das Feuer sei vom …
Bus in Brand geraten
Schulbus auf dem Weg zum Schwimmen verunglückt
Auf dem Weg zum Schwimmunterricht verunglückt ein Schulbus mit 40 Kindern. Das Fahrzeug stößt mit mehreren Autos zusammen und kracht gegen eine Hauswand. Ein Kleinkind …
Schulbus auf dem Weg zum Schwimmen verunglückt
Lotto am 21.02.2018: Das sind die aktuellen Gewinnzahlen vom Mittwoch
Lotto am Mittwoch vom 21.02.2018: Hier finden Sie heute die aktuellen Lottozahlen vom Mittwoch. Fünf Millionen Euro liegen im Jackpot.
Lotto am 21.02.2018: Das sind die aktuellen Gewinnzahlen vom Mittwoch

Kommentare