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Eine Markttasche, eine Richterrobe und eine Grillschürze werden für den JVA-Shop von Gefangenen produziert.

Produkte aus dem Knast boomen

Hannover - Tütenkleben ist passé in deutschen Gefängnissen, seit vor zehn Jahren der erste Online-Knast-Shop im Internet startete. Produkte wie das original “Santa Fu“-Knast-Unterhemd aus Hamburg genießen Kultstatus.

Knackis nähen im Gefängnis Roben für Richter - und verdienen Geld damit. Vor zehn Jahren startete in Niedersachsen der bundesweit erste JVA-Online-Shop, der Waren verkauft, die Gefangene in den Justizvollzugsanstalten herstellen. Inzwischen haben Gefängnisse in ganz Deutschland das niedersächsische Modell erfolgreich kopiert. Produkte wie das original “Santa Fu“-Knast- Unterhemd aus Hamburg genießen Kultstatus. Und der Umsatz der JVA- Online-Shops wächst stetig - in Niedersachsen verzehnfachte er sich seit dem Start. “Für die Roben bekommen wir Bestellungen aus ganz Deutschland“, sagt Diplom-Kaufmann Hartmut Clasen, der den niedersächsischen Shop betreut. Für einen Preis von 180 Euro aufwärts gibt es Maßarbeit mit Samtbesatz, auch Sonderwünsche werden von den Gefangenen erfüllt - “selbst in überheizten Gerichtssälen bietet die Robe einen hohen Tragekomfort“, so die Eigenwerbung für das Handgenähte auf der Homepage.

Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) ist denn auch zufrieden mit der Bilanz. “Der JVA-Shop ist ein großer Erfolg, er hat sich als wirksames Instrument zur Gefangenenbeschäftigung erwiesen.“ Jährlich zweistellige Umsatzsteigerungen und eine hohe Zahl an Privatkunden belegen das, betont der Minister. In Niedersachsen arbeiten rund drei Viertel aller Gefängnisinsassen, aber längst nicht alle davon für den Online-Shop. Die Höhe des Lohns ist gesetzlich geregelt und alles andere als üppig. “Im Schnitt verdient ein Häftling knapp elf Euro am Tag“, erläutert Clasen. Die allermeisten Knackis wie Axel Geidies haben Spaß an der Arbeit.

Geidies arbeitet schon seit Jahren in der Schneiderei der JVA Celle, er produziert dort unter anderem Grillschürzen. Es wird auch noch dauern, bis er wieder in Freiheit leben darf - warum das so ist, da zeigt sich der freundliche Mann zugeknöpft. Geidies geht es wie vielen Insassen: Arbeiten kann auch ein Privileg sein, ohne diese Abwechslung wäre es hinter den Gefängnismauern noch öder. Viele JVA-Online-Shops wie “Santa Fu“ aus Hamburg spielen ironisch mit dem Leben hinter Gittern und werben mit Labels wie “Made in Jail“ oder “Heiße Ware aus dem Knast“. Dort gibt es Shirts mit Aufdrucken wie “Auf Bewährung“ oder “Freigänger“ und das große “Bleib sauber“- Set mit Original-Seife und Zahnpasta aus dem Knast (“Dieselben ehrlichen Produkte, die auch die Gefangenen benutzen“).

In Niedersachsen versuchten die Shop-Macher dagegen mehr auf Seriosität zu setzen - herausgekommen ist ein buntes Sammelsurium aus den JVA-Werkstätten aus dem ganzen Land. Vertrieben werden Sanddornprodukte aus dem Frauenknast in Vechta, Aktengurte und Roben aus der JVA Celle oder Kamelienpflanzen aus dem Gefängnis Lingen. “Die Kamelien sind ein absoluter Geheimtipp, sie werden auch in Fachzeitschriften gelobt“, sagt der Shop-Verantwortliche Hartmut Clasen. Angeboten werden die Kamelien, weil es in der JVA Lingen seit Jahren eine Baumschule mit einem Gärtnermeister gibt, der passionierter Kamelienzüchter ist. Die Renner in Niedersachsen sind aber hochwertige Grills - damit macht der Shop 80 Prozent seines Gesamtumsatzes. Nachgefragt werden die Grills sogar von Bundeswehreinheiten im Auslandseinsatz. Die Auslieferung der Produkte sei allerdings streng geregelt, sagt Clasen. “Das dürfen natürlich nur ein paar Auserwählte.“

dpa

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