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Karl-Heinz Meier im Vorführsaal seines Kinos in Quernheim. Bundesweit boykottieren 686 Kinos in 193 Orten den neuen Disney-Film "Avengers: Age of Ultron". Foto: Ingo Wagner

Disney-Blockbuster

686 Kinos boykottieren "Avengers"-Fortsetzung

Quernheim - Knapp 700 Kinos in ganz Deutschland weigern sich, den neuen "Avengers"-Film des Disney-Konzerns zu zeigen. Die Filmmiete ist ihnen zu hoch. Mit dem Boykott wollen sie auf ihre wirtschaftlich schwierige Situation hinweisen.

686 Kinos in 193 Orten Deutschlands haben nach Angaben von Kinobetreibern am Donnerstag den neuen Film des Disney-Konzern, "Avengers: Age of Ultron" boykottiert.

Sie wehren sich mit der Aktion gegen eine Preiserhöhung des Filmverleihs, der für die Kinos völlig unerwartet 53 Prozent des Eintrittspreises gefordert hat. Für Kleinstadtkinos waren bislang 47,7 Prozent üblich.

"Bis 50 Prozent wären wir gegangen", sagte Karl-Heinz Meier, der in Quernheim bei Diepholz die Lichtburg betreibt und Sprecher der "I.G. Nord" ist, einem Zusammenschluss norddeutscher Kinobetreiber. Aber Disney habe sich diesem Kompromissangebot verweigert. Disney Germany selber gibt keine Stellungnahme zu diesem Streit ab.

Die Statistik der Filmförderungsanstalt unterscheidet zwischen Kinostandorten, Spielstätten und Kinosälen. Die Zahl 686 beziehe sich auf Kinosäle, sagte Meier. Es gebe auch in Städten bis 50 000 Einwohnern viele Orte mit mehreren Spielstätten. Das erkläre den großen zahlenmäßigen Unterschied zwischen den Orten und den Kinos. "Disney muss auf 686 Leinwände verzichten, auf denen sonst der Film gezeigt worden wäre", sagte Meier. Bundesweit gab es 2014 4637 Leinwände und 1630 Spielstätten.

Damit verzichten die Kinobetreiber auf ein gutes Geschäft, denn die Nachfrage der Fans nach dem Action-Film mit Robert Downey Jr., Chris Evans oder Scarlett Johansson dürfte groß sein. Nach Ansicht des Chefredakteurs der Zeitschrift "Cinema", Artur Jung, wird Disney den Boykott womöglich nicht sonderlich bemerken. "Auf dem Land wird nicht der große Umsatz gemacht für die Verleiher", sagt er.

Aber die Kinobetreiber fürchten, dass auch andere Verleiher nachziehen und die Kosten weiter steigen. In jüngster Zeit hätten die Kinobetreiber schon die Umrüstung auf digitale Projektionstechnik schultern müssen und den Mindestlohn, sagte Meier. Er und seine Kollegen fürchten ein Kinosterben auf dem Land.

Die Rückmeldung von den Kino-Besuchern sei positiv gewesen, sagte Meier: "Die Menschen zeigen Verständnis. Etwas Negatives habe ich nicht gehört."

Zwei Faktoren haben erst in jüngster Zeit die Kosten für die Kinos in die Höhe getrieben: Einerseits die Umstellung auf die Digitaltechnik, die nach Angaben des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF) Investitionen von 70 000 bis 110 000 Euro pro Leinwand notwendig gemacht hat. Auch die Einführung des Mindestlohnes belaste die Kinos deutlich, sagte Andreas Kramer vom HDF: "Die Luft für Preiserhöhungen ist jetzt erst einmal raus." Gerade auf dem Land seien die Kinokunden sehr sensibel für Preiserhöhungen. Der durschnittliche Kinoeintrittspreis lag im vergangenen Jahr bei 8,05 Euro, im jahr 2009 waren es noch 6,67 Euro.

dpa

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