Proteste gegen Mohammed-Karikaturen

- Kopenhagen/Paris/Berlin/Kairo - Der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen hat sich am Mittwoch ungeachtet einer Entschuldigung aus Kopenhagen ausgeweitet. Mit dem Verweis auf die Pressefreiheit veröffentlichten mehrere europäische Zeitungen, darunter die "Die Welt" und die französische Boulevardzeitung "France-Soir", die umstrittenen Zeichnungen. In islamischen Ländern gab es wieder massive Proteste gegen die ursprünglich in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" gedruckten Karikaturen. Im Islam gilt ein Abbildungsverbot für den Propheten.

Der Chefredakteur der Zeitung "Die Welt", Roger Köppel, bezeichnete den Nachdruck als "eine journalistische Pflicht". Die Zeitung hatte am Mittwoch auf ihrer Titelseite eine der Zeichnungen veröffentlicht, die Mohammed mit einer Bombe im Turban zeigt. In Paris begründete "France-Soir" den Abdruck der zwölf Karikaturen auf der Titelseite mit dem Satz: "Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren."

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, verteidigte den Nachdruck der Karikaturen als "notwendigen Beitrag zur Meinungsbildung". Damit widersprach er seinem Sprecher, der der "Netzeitung" gesagt hatte, dass die Veröffentlichungen mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren seien. Ziel des Nachdrucks der zuvor in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen sei nicht die Verletzung religiöser Gefühle gewesen, betonte Konken.

Nach dänischen Angaben wurden die Mohammed-Karikaturen auch von Zeitungen in Spanien, Italien, den Niederlanden und Island komplett oder teilweise veröffentlicht. In den Niederlanden legte der islamkritische Parlamentsabgeordnete Geert Wilders die MohammedKarikaturen auf seiner Internet-Seite aus.

Der Präsident des französischen Muslimrates, Dalil Boubakeur, kritisierte den Abdruck durch die Zeitung "France-Soir" heftig. Dies sei abscheulich und "eine wahre Provokation der Millionen Muslime in Frankreich", sagte der Leiter des muslimischen Dachverbandes CFCM und Rektor der Großen Moschee in Paris. Die Verantwortung für das Nachdrucken liege bei der Zeitung, hielt das französische Außenministerium fest. Die Freiheit der Presse werde nicht in Frage gestellt, jedoch müsse diese "im Geiste der Toleranz und des Respekts vor den Glaubensüberzeugungen und Religionen" ausgeübt werden.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrierten 80 000 bis 150 000 Frauen gegen die Zeitung "Jyllands-Posten", in der die Zeichnungen vor vier Monaten zuerst erschienen waren. Wütende Studentinnen verbrannten dänische Fahnen und forderten den Boykott dänischer Produkte.

Erstmals verurteilte auch die Regierung in Indonesien, dem größten islamischen Land der Welt, die Veröffentlichung der Karikaturen. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau hieß es aus dem Außenministerium in Jakarta, die Berufung auf die Meinungsfreiheit könne nie die Kränkung religiöser Gefühle rechtfertigen. Syrien berief am selben Tag seinen Botschafter aus Kopenhagen ab und folgte damit dem Beispiel von Saudi-Arabien, Kuwait und Libyen.

Der Chefredakteur von "Jyllands-Posten", Carsten Juste, sagte zu den massiven Protesten in arabischen Ländern: "Ich muss zutiefst beschämt zugeben, dass die anderen gewonnen haben." Er hätte vor vier Monaten niemals die Zustimmung zum Abdruck der Zeichnungen gegeben, wenn ihm die Folgen damals schon klar gewesen wären. Das Blatt wollte nach eigenen Angaben mit den Zeichnungen ein Zeichen gegen zunehmende Selbstzensur aus Angst vor islamistischem Druck setzen.

Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen meinte, sein Land müsse es nun "mit nicht steuerbaren Kräften" aufnehmen. "Es erfordert einen ganz besonderen Einsatz, um diese wieder dämpfen zu können", sagte Rasmussen weiter. Er warnte vor allen Aktionen gegen muslimische Zuwanderer in Dänemark. Das Fernsehen berichtete von per SMS verbreiteten Boykottaufrufen gegen islamische Geschäfte in Dänemark, hinter die sich auch zwei prominente Abgeordnete der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DVP) stellten. Diese agiert parlamentarisch als Mehrheitsbeschaffer für die Minderheitsregierung von Rasmussen.

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