Prozess um Foltertod in Siegburger Gefängnis

Bonn - Vor dem Landgericht Bonn hat am Mittwoch der Prozess wegen des Foltertodes eines 20-jährigen im Jugendgefängnis Siegburg begonnen. Angeklagt sind die drei Zellengenossen des Opfers.

Den zur Tatzeit am 11. November des vergangenen Jahres 17 bis 20 Jahre alten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, den 20- Jährigen auf grausame Weise, aus Mordlust und zur Verdeckung von Straftaten getötet zu haben. Das Martyrium des jungen Mannes zog sich von den Aufsehern unbemerkt fast elf Stunden lang hin. Am Ende hängten ihn seine Mithäftlinge der Anklage zufolge an Bettlakenstreifen im Bad der Zelle auf. Erst am nächsten Morgen verständigten sie die Justizvollzugsbeamten.

Die Tat hatte Auswirkungen auf die Behandlung von jugendlichen Straftätern in Nordrhein-Westfalen. In den Jugendgefängnissen werden die Zellen nur noch mit maximal zwei Personen belegt. Eine Gesetzesnovelle sieht den Anspruch auf Einzelunterbringung vor. Daher soll in Wuppertal bis 2009 ein neues Gefängnis gebaut werden. Die zunächst eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen JVA-Mitarbeiter wurden eingestellt.

Der Foltertod hätte nach Einschätzung des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) nicht verhindert werden können. «Der BSBD ist weiterhin der Auffassung, dass dieses schreckliche Vorkommnis am Tattag nicht hätte verhindert werden können», erklärte der Verband. Nach Einschätzung des BSBD sind Übergriffe von Gefangenen untereinander und auch gegen Bedienstete nie ganz auszuschließen.

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