Prozess gegen Attentäter erst im nächsten Jahr

Oslo - Fast eine Woche nach dem Norwegen-Blutbad wurde jetzt die Suche nach weiteren Opfern eingestellt. Die Justiz richtet sich auf ein langes Verfahren ein: Attentäter Anders Behring Breivik kommt vermutlich erst 2012 vor Gericht.

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Der geständige Attentäter Anders Behring Breivik wird vermutlich erst im nächsten Jahr vor ein norwegisches Gericht kommen. Der 32-jährige Rechtsradikale solle sich dann für alle 76 Morde einzeln verantworten, kündigte Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch am Donnerstag an. Fast eine Woche nach dem Doppelanschlag wurde die Suche nach möglichen weiteren Opfern im Tyrifjord um die Insel Utøya fortgesetzt. Ob und wie viele Vermisste es noch gibt, wollte die Polizei jedoch nicht mitteilen. Nach Medienberichten wird noch eine Person vermisst.

Breivik hatte auf der Insel Utøya am vergangenen Freitag mindestens 68 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Sommerlagers für Jugendliche erschossen. Man sei sich völlig sicher, dass auf der Insel keine weiteren Opfer des Massakers seien, teilte die Polizei mit.

Vor den Schüssen auf die Jugendlichen hatte Breivik eine Bombe vor einem Hochhaus der norwegischen Regierung in Oslo gezündet. Dabei wurden acht Menschen getötet. Viele Angehörige - vor allem die Eltern der getöteten Teenager - hatten darauf gehofft, dass der Prozess noch im Herbst beginnt.

Norwegens Chef-Ankläger begründete den späteren Prozessbeginn mit der Dimension der Tat. Der Fall sei so umfangreich, dass die Ausarbeitung der Anklageschrift viel Zeit in Anspruch nehmen werde. “Aus Respekt vor den Toten und den Angehörigen muss der Täter für jede einzelne Tötung Rechenschaft ablegen“, sagte Busch im Radiosender NRK. Das stelle entsprechende Anforderungen an die Beweisführung. “Ich hoffe, die Leute haben Verständnis dafür.“

Busch bestätigte Überlegungen, dass Breivik möglicherweise wegen “Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt wird. Das würde eine Verurteilung zu 30 Jahren Haft ermöglichen. Andernfalls wäre nur eine Verurteilung zu maximal 21 Jahren Haft möglich. Konkrete Hinweise auf Komplizen gab es weiterhin nicht.

Breivik, der in einer Sieben-Quadratmeter-Zelle nahe Oslo in Untersuchungshaft sitzt, soll am Freitag erneut verhört werden. Der Diplomatensohn wird rund um die Uhr überwacht, um einen Selbstmord auszuschließen. Die ersten vier Wochen der Untersuchungshaft muss er mit fast kompletter Kontaktsperre verbringen.

Schockbilder: Blutbad in Norwegen

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Nach einem Bericht der norwegischen Nachrichtenagentur NTB sollte Breivik, der sich widerstandslos festnehmen ließ, eigentlich niedergeschossen werden. Angehörige einer Eliteeinheit hätten bereits auf ihn gezielt. Als sicher gewesen sei, dass er keinen Sprengstoff am Körper getragen habe, sei der Schießbefehl jedoch in letzter Sekunde zurückgenommen worden.

Die Zeitung “Aftenposten“ berichtete, dass die Polizei den 32-Jährigen auf Überwachungskameras im Regierungsviertel schon vor Beginn des Massakers auf Utøya als Täter identifizieren konnte. In Oslo hatte er einen gemieteten Kleintransporter mit 500 Kilogramm Sprengstoff geparkt, ehe er in einem anderen Mietwagen zu der 40 Kilometer entfernten Insel weiterfuhr.

Nach Einschätzung des Sprengstoff-Experten Per Neergaard wurde der Einsturz des Regierungshochhauses möglicherweise nur durch einen glücklichen Zufall verhindert. Neergaard verwies in der Zeitung “Verdens Gang“ darauf, dass Breivik das Sprengstoff-Auto direkt über einem Keller geparkt habe. Dies habe “sehr viel Sprengkraft nach unten gelenkt“. “Das hat viele Menschenleben gerettet und noch größere Schäden am Hochhaus verhindert.“

Als Lehre aus dem Doppel-Anschlag von Norwegen wollen die 27 EU-Staaten den Zugang zu Chemikalien beschränken, aus denen Bomben gebaut werden könnten. Auch über striktere Regeln für den Waffenkauf wird diskutiert. Zudem soll ein europaweites Netzwerk an Psychologen und Fahndern künftig Einzeltäter wie den Attentäter von Oslo möglichst früher aufspüren, teilten EU-Diplomaten nach einem Treffen von Anti-Terrorexperten am Donnerstag in Brüssel mit.

Die rechte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) schloss unterdessen den Abgeordneten Werner Königshofer wegen heftig kritisierter Aussagen zu den Anschlägen von Norwegen aus.

dpa

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