Angeklagter mit Handschellen hinter Panzerglas

Geiselnahme in ICE: Täter hatte politisches Motiv

Berlin - Im ICE von Berlin nach Hamburg soll er den Zugchef mit vorgehaltener Schreckschusspistole bedroht haben. Vor Gericht räumt der Angeklagte die Tat ein - und legt nach.

Im Prozess um eine Geiselnahme in einem ICE hat der Angeklagte die Tat gestanden und sich zugleich verteidigt. Er habe zwar sein Ziel nicht erreicht, ein politisches Zeichen zu setzen, aber er halte die Tat für gerechtfertigt, sagte der 24-Jährige am Freitag vor dem Kammergericht Berlin.

Die Anklage wirft dem Mann aus Baden-Württemberg vor, im November 2014 im ICE von Berlin nach Hamburg den Zugchef mit vorgehaltener Schreckschusspistole gezwungen zu haben, ein Schreiben mit politischen Forderungen an die Bahnführung telefonisch weiterzugeben. Der Mann gab zu, mit der Waffe auch in einen Sitz geschossen und eine halbe Million Euro gefordert zu haben. Passagiere überwältigten ihn schließlich.

Der bereits Vorbestrafte gilt nach einem bisherigen Gutachten als voll schuldfähig. Er wird aber seit Jahren psychiatrisch behandelt. Ob doch eine verminderte Schuldfähigkeit infrage kommt, blieb zunächst offen.

Das Kammergericht ist als Oberlandesgericht das höchste Berliner Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Der Prozess vor dem Staatsschutzsenat begann unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte saß anfangs mit Handschellen hinter Panzerglas. Das Potsdamer Landgericht hatte den Fall nach Berlin abgegeben.

Auch der Verdacht der Nötigung des Bundespräsidenten steht im Raum. In dem Schreiben des Geiselnehmers wurde gefordert, dass Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat verurteilen. Er fühle sich Israel emotional eng verbunden, sagte der Angeklagte.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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