Prozess: Sohn kassiert Rente der toten Mutter

Berlin - Ein 39-jähriger Berliner hat im Prozess um die Ermordung seiner Mutter die Tat bestritten. Er kassierte aber mehr als ein Jahr lang die Rente der Toten.

Er hat die Leiche seiner Mutter versteckt und ihre Rente kassiert - doch im Mord-Prozess hat ein 39-jähriger Berliner bestritten, aus seine Mutter aus Habgieer ermordet zu haben. „Sie ist eines natürlichen Todes gestorben“, sagte der Sohn am Montag vor dem Berliner Landgericht. Er gab jedoch zu, von Mai 2011 bis Anfang 2013 die Rente der 76-jährigen Frau weiter kassiert zu haben. „Ich wusste nicht, wovon ich leben sollte.“ Er habe zudem Schulden begleichen müssen, die er und seine Mutter angehäuft hätten. Auch habe er Geld für seine zehn Katzen gebraucht. „Das hätte ich von Hartz IV nicht bezahlen können“, sagte der arbeitslose Mann aus Spandau.

Die Staatsanwaltschaft geht jedoch von einem Mord aus Habgier aus. Der Sohn habe seine Mutter am 2. Mai 2011 erstickt, „um in der Folgezeit die Rente der Getöteten allein für sich zu verwenden“, verlas die Anklägerin. Der Mann habe Unterschriften gefälscht, um verschiedene Behörden zu täuschen. Zudem habe er Sozialleistungen beim zuständigen Jobcenter für sich beantragt und seit April 2012 Gelder in Höhe von mehr als 7000 Euro erschlichen.

Der Angeklagte wies den Hauptvorwurf vehement zurück. „Sie lag tot auf dem Bett, als ich nach Hause kam“, sagte er. Er sei völlig entsetzt gewesen und habe keinen klaren Gedanken fassen können. Seine Mutter habe zuvor kaum über ihren Gesundheitszustand gesprochen: „Sie hatte sich in den letzten Jahren sehr zurückgezogen und war verschlossen.“ Seit ihrer Scheidung im Jahr 1999 habe er bei ihr gelebt. In den letzten Jahren habe sie sich „mehr mit dem jenseitigem Leben“ befasst.

Nach Darstellung ihres Sohnes soll die Rentnerin zwei bis drei Tage vor ihrem Tod einen epileptischen Anfall erlitten haben. Für ihn sei das nicht neu gewesen, sagte der Mann. „Wie bei früheren Anfällen hielt ich sie fest, sie fiel dann in einen komaähnlichen Schlaf“, sagte der Angeklagte. Als er sie „eiskalt“ im Bett fand, sei er nicht auf die Idee gekommen, einen Arzt zu holen. Seine Mutter sei auch nicht mehr krankenversichert gewesen und habe Hilfe durch Mediziner abgelehnt.

Die Polizei war dem Sohn durch einen Hinweis einer Bekannten auf die Spur gekommen. Gegenüber der 53-Jährigen soll er die Tat angedeutet haben. Sie sei nach Gesprächen mit ihm davon ausgegangen, dass er seiner Mutter „beim Sterben geholfen hat“, sagte die Zeugin im Prozess. Der Prozess wird am 9. August fortgesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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