+
Alle Angeklagten hätten die Flammen nahe dem Kopf des Obdachlosen gesehen, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Hauptangeklagter weiter in Haft

Prozess um Feuerattacke auf Obdachlosen: Fünf Angeklagte frei

Der Obdachlose schlief, als neben seinem Kopf Flammen aufloderten. Junge Männer zogen sich Kapuzen über den Kopf und gingen. Der Ankläger vermutet Mordversuch, das Gericht ist anderer Auffassung.

Berlin - Im Prozess um eine Feuerattacke auf einen schlafenden Obdachlosen hat das Berliner Landgericht die Haftbefehle gegen fünf Tatverdächtige im Alter von 16 bis 19 Jahren aufgehoben. Damit gab es am Freitag Anträgen der Verteidiger statt. Bislang saßen sechs mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Sie kommen jetzt zunächst auf freien Fuß, der Prozess gegen sie geht aber weiter.

Eingreifen von Passanten verhinderte Schlimmeres

Die jungen Männer - Flüchtlinge aus Syrien und Libyen - sollen in der Weihnachtsnacht versucht haben, den 37-jährigen Obdachlosen im Kreuzberger U-Bahnhof Schönleinstraße anzuzünden. Nur durch das Eingreifen von Fahrgästen konnte laut Staatsanwaltschaft Schlimmeres verhindert werden. Sie löschten die Flammen, der ahnungslose Mann aus Polen blieb unverletzt. Der Angriff hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst.

Der Haftbefehl gegen den 21-jährigen Hauptverdächtigen bleibe bestehen, hieß es. Er sitzt weiter im Gefängnis. Alle sechs sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Mit einem Urteil wird am 13. Juni gerechnet.

Am siebten Prozesstag wiesen die Richter darauf hin, dass auch eine Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu in Betracht komme. Der Staatsanwalt hielt dagegen an seiner Anklage fest.

Hauptangeklagter weiterhin in Haft

Im Falle des Hauptangeklagten plädierte er auf vier Jahre Gefängnis wegen versuchten Mordes. Gegen zwei 17- und 18-Jährige forderte der Ankläger eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, ein weiterer 18-Jähriger soll aus Sicht des Anklägers zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt werden. Für zwei Angeklagte wurden wegen Beihilfe Bewährungsstrafen verlangt.

Alle Angeklagten hätten die Flammen nahe dem Kopf des Obdachlosen gesehen, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Keiner der jungen Männer habe eingegriffen. „Sie hatten sich zumindest damit abgefunden, dass der Schlafende ersticken oder verbrennen könnte.“ Es sei eine menschenverachtende Tat gewesen. Warum das Gericht entgegen früherer Beschlüsse offensichtlich nicht mehr von einem Mordversuch ausgehe, könne er nicht nachvollziehen.

“Nur durch ein kleines Feuerchen aufwecken“

Die Angeklagten hatten einen Tötungsversuch zurückgewiesen. Der 21-Jährige gab zu, ein Taschentuch in Brand gesteckt zu haben, er habe den Mann aber „nur durch ein kleines Feuerchen aufschrecken wollen“. Zu keinem Zeitpunkt habe er mögliche tödliche Folgen in Kauf genommen. Die Mitangeklagten erklärten, sie hätten mit der Tat des 21-Jährigen nichts zu tun.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Sektenführer und Mörder Charles Manson gestorben
Auch Jahrzehnte nach seinen Taten gilt Sektenführer Charles Manson als einer der berüchtigtsten Mörder der USA. Seine Anhänger töteten unter anderem die hochschwangere …
US-Sektenführer und Mörder Charles Manson gestorben
Retter empfangen Geräusche: Ist es das vermisste U-Boot?
Rettungsschiffe haben Geräusche empfangen, die von dem seit Mittwoch verschollenen argentinischen U-Boot abgegeben worden sein könnten.
Retter empfangen Geräusche: Ist es das vermisste U-Boot?
Mann setzt Auto gegen Baum, sein Verhalten danach ist unfassbar 
Ein junger Mann hat sich nach einem selbstverschuldeten Unfall vollkommen unverantwortlich verhalten. Zunächst setzte er sein Auto gegen einen Baum, über das Verhalten …
Mann setzt Auto gegen Baum, sein Verhalten danach ist unfassbar 
Vater ermordete Baby: Neuer Prozess gegen Mutter
Ein Vater quält seinen Sohn über Stunden und ermordet ihn. Die Mutter soll nebenan im Schlafzimmer die Schreie gehört und nichts unternommen haben. Der Prozess gegen sie …
Vater ermordete Baby: Neuer Prozess gegen Mutter

Kommentare