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Psychologe: Kinder brauchen Monate für Verarbeitung der Schießerei

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- Bielefeld - Die Kinder und Jugendlichen der Realschule in Emsdetten werden voraussichtlich viele Monate mit der Verarbeitung der Schießerei beschäftigt sein. «Erfahrungsgemäß bleibt das Thema von der psychischen Belastung her ein halbes Jahr vorhanden, weil dieser Zeitraum der Verarbeitung einfach notwendig ist», sagte der Bielefelder Notfallpsychologe Werner W. Wilk in einem Gespräch mit der dpa.

Am besten verarbeiteten die Betroffenen die Erlebnisse in der Gruppe. «Für die Jugendlichen selbst ist die Gruppe das beste Korrektiv - da kennen sich alle untereinander und können am ehesten sagen, wem es schlecht geht», sagte der Psychotherapeut. Derzeit stünden viele Kinder sicher unter Schock. «Erst in den folgenden Tagen wird sichtbar, ob die seelische Erschütterung weitere Folgestörungen mit sich bringt.»

Kinder reagierten auf traumatische Erlebnisse häufig mit Schlafstörungen, Albträumen oder Ängstlichkeit. «Eltern sollten auf alle Verhaltensauffälligkeiten achten. Manche Kinder werden auch aggressiv und wütend - das ist aber eine ganz natürliche Reaktion.» Die Kinder sollten sich mit Freunden treffen können und immer wieder über das Erlebte reden dürfen. «Auf keinen Fall sollte man sagen "Nun vergiss das mal alles ganz schnell"», sagte Wilk. Jedoch sollten Eltern ihren Kindern auch gestatten, sich zurückzuziehen.

Betroffene Teenager blieben oft nachts lange wach oder gingen zu Freunden. «Häufig ist auch der Alkohol- und Drogenkonsum erhöht», sagte Wilk. «Oft treten psychosomatische Symptome wie Übelkeit und Kopfschmerzen auf.» Manchmal könnten dramatische Ereignisse unterschwellige Störungen verstärken. «Latent depressive Reaktionen, wie sie in der Pubertät häufig vorkommen, können bei solchen Ereignissen zu einer Depression werden», sagte Wilk.

Psychologen und Therapeuten könnten bei der Verarbeitung des Erlebten helfen. Letztlich würden die Ereignisse für alle Beteiligten zum Teil der Lebensgeschichte. «Jedes Ereignis solcher Art prägt; aber es ist nicht zwangsläufig so, dass man sein Leben lang darunter leidet.»

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