In San Juan auf Peurto Rico orndet ein Frau Schuhpaare, die an die Opfer des Hurrikans "Maria" erinnern sollen. Foto: Ramon Espinosa/AP
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In San Juan auf Peurto Rico orndet ein Frau Schuhpaare, die an die Opfer des Hurrikans "Maria" erinnern sollen. Foto: Ramon Espinosa/AP

Weit mehr Opfer

Puerto Rico: 2975 Toten nach Hurrikan "Maria"

Die Zweifel waren groß: Die offiziell angegebenen 64 Toten nach dem Hurrikan "Maria" in Puerto Rico konnten viele Augenzeugen nicht glauben. Jetzt erhöht die Regionalregierung die Zahlen drastisch - und der Gouverneur räumt Fehler ein.

Washington (dpa) - Die Regionalregierung des US-Außengebietes Puerto Rico hat die offizielle Zahl der Todesopfer nach dem Hurrikan "Maria" im vergangenen Jahr von bisher 64 auf 2975 hochgesetzt.

Gouverneur Ricardo Rosello erteilte den Behörden eine entsprechende Anweisung, nachdem eine Studie mit der neuen Opferzahl der George-Washington- Universität bekannt geworden war.

Nach der Untersuchung der Wissenschaftler - die von der Regionalregierung in Puerto Rico mit initiiert worden war - starben in den sechs Monaten, nachdem "Maria" auf Land getroffen war, 2975 Menschen, deren Tod in Zusammenhang mit der Katastrophe in dem US-Außengebiet gebracht werden kann. Es handelt sich also nicht nur um Todesfälle, die der Sturm unmittelbar verursacht hatte.

Die Studie vergleicht die Sterblichkeit in Puerto Rico in den sechs Monaten nach dem Hurrikan mit der in Jahren, in denen kein Wirbelsturm gewütet hatte. Sie bezog auch die Sterblichkeit unter den Menschen mit ein, die die Insel wegen des Sturmes hatten verlassen müssen. Es handelt sich um eine rein statistische Studie - die genauen Todesursachen wurden nicht untersucht.

Der US-Bundesregierung von Donald Trump war seit langer Zeit vorgeworfen worden, die Unwetterfolgen im von Latinos bevölkerten, spanischsprachigen Puerto Rico - anders als etwa in ebenfalls betroffenen US-Bundesstaaten wie Florida oder Texas - nicht ausreichend bekämpft zu haben.

Unter anderem litten die Menschen in Puerto Rico monatelang unter dem Ausfall von Strom. Dies wiederum behinderte die Bergungs- und Aufräumarbeiten. Auch die Versorgung mit Trinkwasser war teilweise unterbrochen. Fast ein Jahr nach dem Sturm ist die Stromversorgung noch immer nicht vollständig wiederhergestellt. Die Studie fand heraus, dass insbesondere in armen Gebieten mit schlechter Infrastruktur die Sterblichkeit besonders stark nach oben ging.

Das Weiße Haus verteidigte seine Linie. Die Bundesregierung habe 12.000 Mann starke Hilfsmannschaften nach Puerto Rico geschickt und jede mögliche Hilfe erteilt. Trump habe angeordnet, die Notfallkosten für Puerto Rico für ein volles Jahr zu 100 Prozent über den Bund zu tragen - dies habe es niemals zuvor gegeben. Die Bundesregierung werde Puerto Rico noch auf Jahre helfen, teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders mit. Der Fokus liege jetzt auch bereits auf der Vorbereitung für mögliche neue Hurrikane.

Gouverneur Rosello räumte im US-Sender CBS Fehler ein. Die Verantwortung für die hohe Opferzahl liege auf vielen Seiten, sagte er. "Und ich habe meinen Teil an Verantwortung." Puerto Rico sei auf eine solche Katastrophe unzureichend vorbereitet gewesen. "Die vorhandenen Pläne waren tatsächlich für ein Ereignis von viel geringerem Ausmaß erstellt worden."

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