+
Um seinen Punktestand online zu erfahren, braucht man ein Kartenlesegerät. Foto: Jens Büttner

Neuer Service

Autofahrer können ihre Punkte in Flensburg online einsehen

Zu schnell oder über Rot gefahren? Verkehrssünder können ihren Punktestand beim Kraftfahrt-Bundesamt jetzt auch online abrufen. Doch die bürokratischen Hürden sind hoch.

Flensburg (dpa) - Autofahrer mit einem neuen Personalausweis können ihre Punkte im Fahreignungsregister von nun an auch im Internet abrufen. "Es ist ein Service, den Sie nutzen können, wenn Sie die Voraussetzungen dafür erfüllen", sagte ein Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg.

Zuvor hatte die Funke-Mediengruppe über die Neuerung berichtet.

Für das Abrufen der Punkte auf der Seite "kba.de" wird nach Angaben der Behörde ein Personalausweis im Scheckkartenformat mit Online-Ausweisfunktion, ein Kartenlesegerät sowie eine AusweisApp mit Pin auf dem Computer benötigt. "Das sind datenschutzrechtliche Vorgaben, die einzuhalten sind", sagte der Sprecher mit Verweis auf den gesetzlich geforderten Identitätsnachweis. "Ich kann doch auch bei einer Bank nicht mit einer E-Mail-Adresse Geld abheben."

Bereits seit 2011 konnten entsprechend ausgerüstete Verkehrssünder so ihren Punktestand online beantragen, das Ergebnis kam aber weiterhin per Post. Nun können Autofahrer ihre Einträge nach Überprüfung der Identität direkt in einer PDF-Datei erhalten. "Das geht von jetzt auf gleich", sagte der KBA-Sprecher zur Erweiterung des Online-Angebots. "Wir digitalisieren die Verwaltung", hatte zuvor auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt. "Das spart Zeit und Geld."

Wie viele Autofahrer künftig tatsächlich ihren Punktestand online abrufen, ist offen. Von den 312 000 zwischen Januar und Oktober 2016 erteilten Auskünften des KBA waren nach Behördenangaben aber gerade mal etwa 7000 Anträge online gestellt worden.

Ob das neue Angebot besser angenommen wird? "Das Nutzungsverhalten ist schwer einzuschätzen", sagte der KBA-Sprecher. Es gebe Menschen, die für einen künftigen Arbeitgeber sehr schnell ein punktefreies Konto nachweisen müssten. Für sie kann die Online-Funktion nun ein Vorteil gegenüber der Post sein - sofern sie zu den Deutschen gehören, die bereits den digitalen Personalausweis haben und nutzen.

Nur ein Bruchteil der Deutschen macht einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS (früher TNS Infratest) zufolge hiervon allerdings Gebrauch. Nur rund 13 Prozent aller Deutschen hätten die Online-Ausweisfunktion überhaupt aktiviert. Noch weniger (vier Prozent) haben demnach das auch für die Punkte-Abfrage beim KBA benötigte Kartenlesegerät, heißt es im E-Government-Monitor 2016. Dabei besitzen laut Bundesinnenministerium bereits 45 Millionen Deutsche den neuen Ausweis im Scheckkartenformat.

Anforderung an den Identitätsnachweis im Straßenverkehrsgesetz (§30 Abs. 8)

Anforderung an den Identitätsnachweis in der Fahrerlaubnisverordnung (§64 Abs. 4)

Kraft

Kraftfahrt-Bundesamt: Online-Abfrage des Punktekontos

Kantar TNS: E-Government-Monitor 2016

Wissenswertes zu Punkten in Flensburg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrer wenden in Rettungsgasse auf Autobahn
Oldenburg (dpa) - In der Rettungsgasse eines Staus haben mehrere Auto- und Lastwagenfahrer nach einem schweren Unfall auf der Autobahn 29 in Oldenburg gewendet. Danach …
Autofahrer wenden in Rettungsgasse auf Autobahn
Mehr als 600 Überreste menschlicher Knochen entdeckt
Im mexikanischen Drogenkrieg wurden seit 2006 mehr als 186.000 Menschen getötet, etwa 30.000 weitere gelten landesweit als vermisst. Nun wurden in einem Massengrab mehr …
Mehr als 600 Überreste menschlicher Knochen entdeckt
Streit um Zahl der Fipronil-Eier geht weiter
Hannover (dpa) - Im Fipronil-Skandal um belastete Eier hat der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) seine Attacken gegen …
Streit um Zahl der Fipronil-Eier geht weiter
Apotheker aus Bottrop lieferte Krebspräparate in sechs Bundesländern
Ein Apotheker aus Bottrop soll von Januar 2012 bis zu seiner Festnahme im November 2016 in 61.980 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. Nach Erkenntnissen …
Apotheker aus Bottrop lieferte Krebspräparate in sechs Bundesländern

Kommentare