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Mit so einer Maske war das Pussy-Riot-Mitglied "Kater" beim ARD-Interview vermummt

„Aktion war richtig“

Pussy-Riot: Erstes deutsches TV-Interview 

Mainz - Ein maskiertes Mitglied von Pussy Riot hat im ersten Interview der Kreml-kritischen russischen Band im deutschen Fernsehen das sogenannte Punk-Gebet in einer Moskauer Kirche verteidigt.

Sie denke, dass die Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale „zu Irritationen führte“, aber sie glaube nicht, dass sie „falsch gehandelt haben“, sagte die junge Frau am Donnerstag im „ARD“-Morgenmagazin. Wenn sie die Wahl hätte, würde die es wieder machen, vielleicht sogar etwas „Radikaleres“, sagte die Frau, die an dem kurzen Auftritt teilgenommen hatte.

Die Situation in Russland, vor allem die Verknüpfung von Politik und Religion, sei so schlimm, dass man „so viel wie möglich darüber reden muss, um etwas verändern zu können“, sagte die Aktivistin. Zum ersten Mal gab mit ihr ein Mitglied der 15 Mitglieder umfassenden Band ein Interview im deutschen Fernsehen. Aus Sicherheitsgründen war die sich nur „Kater“ nennende Frau mit einer Sturmhaube - dem Markenzeichen der Band - maskiert. Auch ihre Stimme wurde verfälscht.

Sie sorge sich natürlich um die beiden inhaftierten Kolleginnen, sagte die Frau. Ihre Anwesenheit in Deutschland solle die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit darauf lenken, dass die anderen Mädchen im Straflager sind. Drei Bandmitglieder waren im August wegen einer Performance gegen Putin in der Kathedrale zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Eine Angeklagte wurde später die Gefängnisstrafe erlassen, die beiden anderen Musikerinnen kamen in Straflager.

Momentan keine weiteren Aktionen geplant

Sie selbst habe auch Angst, sagte die Aktivistin. „Aber weil ich die Interessen der Gruppe vertrete, möchte ich natürlich auch die politische Tätigkeit weiterverfolgen.“ Deswegen stelle sie die persönliche Sicherheit hinten an. Weitere Aktionen von Pussy Riot werde es zur Zeit aber nicht geben, sagte die Frau. „Momentan müssen wir versuchen, vor einem internationalen Gerichtshof in Berufung zu gehen, um die Mädchen herauszubekommen.“ Zurzeit versuche die Gruppe, dazu das Interesse der Medien hochzuhalten und weiter über die Probleme in Russland und auch insgesamt in der Welt aufzuklären.

Zwei Aktivistinnen der Band erhalten am Donnerstagabend vom WDR-Jugendsender 1Live für ihr Engagement einen Sonderpreis. 1Live-Programmchef Jochen Rausch hatte die Ehrung zuvor damit begründet, dass die Gruppe sich „mutig gegen staatliche Bevormundung und für das Recht auf freie Meinungsäußerung in Russland“ eingesetzt habe und nun „dafür einen hohen Preis bezahlen“ müsste.

dapd

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