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Die Studienautoren fordern strengere Gesetze. Foto: Oliver Krato/Archiv

Radler mit Helm haben weniger schwere Kopfverletzungen

Macht ein Radhelm Sinn? Die Debatte wird in Deutschland seit langem geführt. Neue Zahlen aus den USA zeigen: Im Falle eines Unfalls mit Kopfverletzung kommen Helmträger deutlich besser weg.

Chicago (dpa) - Radfahrer mit Helm kommen bei Unfällen vergleichsweise glimpflich davon: Sie erleiden deutlich weniger schwere Kopfverletzungen als helmlose Radler.

Entsprechende Zahlen legten US-Forscher der Universität Arizona am Donnerstag auf einem Chirurgenkongress in Chicago vor. Ihre Auswertung der Daten von mehr als 6200 Patienten, die nach einem Fahrradunfall ein Gehirntrauma erlitten, zeigt: Bei den Helmträgern ist das Risiko für schwere Hirntraumata und auch für einen tödlichen Ausgang des Unfalls um etwa 60 Prozent geringer.

Das gleiche gilt für schwere Verletzungen, die wegen einer Hirnschwellung die Öffnung des Schädelknochens (Kraniotomie) erforderlich machen. Um immer noch ein Viertel niedriger ist bei Helmträgern das Risiko für Wunden im oberen Teil des Gesichts.

"Wir wissen sicher, dass Helme Verletzungen bei Radunfällen vorbeugen können. Aber die wichtige Frage war: Wenn es trotzdem zu einer Kopfverletzung kommt, inwieweit schützt der Helm dann?", betonte Co-Autor Ansab Haider. Dies konnten die Zahlen nun zeigen. "Wenn man die Gruppe derjenigen mit Hirnverletzung betrachtet, dann machte der Helm wirklich den Unterschied", ergänzte Autor Bellal Joseph.

Insgesamt war nur ein Viertel der verunglückten Radler mit Helm unterwegs. Besonders wenige Helmträger gab es unter den 10- bis 20-Jährigen. "Dann ging es mit jedem Jahrzehnt weiter nach oben", sagte Haider. Die Studienautoren fordern nun "strengere Gesetze", die das Radhelmtragen unterstützen.

In Deutschland wird seit langem über eine Radhelmpflicht diskutiert. Um sich vor schweren Kopfverletzungen zu schützen, ist nach Meinung der Deutschen Verkehrswacht und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ein Helm sinnvoll. Zugleich ist der ADFC aber gegen eine Helmpflicht, weil sie "weder durchzusetzen noch zu kontrollieren" sei. Er befürchtete, dass dann das Radfahren ab- und der Autoverkehr zunehmen würde, was der Umwelt und der Gesundheit schade. Zugleich betont der Verband: "Selbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn sich Radfahrer individuell mit einem Helm schützen."

Die Hannelore Kohl Stiftung sammelte Zahlen, wonach sich 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen mit Helmen verhindern lassen. Ein weiterer Vorteil: Reflektoren oder Rücklichter am Helm erhöhen die Sichtbarkeit.

Andere halten dagegen, dass Helme Unfälle nicht wirklich verhindern. Der ADFC fordert seit Jahren, das Radfahren in den Städten sicherer zu machen, mit einem Tempolimit für Autofahrer und besseren Radwegen. In den Niederlanden sind Radhelme kaum verbreitet, doch die Unfallzahlen wegen der besseren Infrastruktur niedriger. Die deutsche Regierung plant derzeit keine Helmpflicht.

PM zur Studie

Chirurgenkongress des American College of Surgeons

ADFC zu Fahrradhelmen

Hannelore Kohl Stiftung - Fahrradhelm macht Schule

Deutsche Verkehrswacht

Infos zu einer Radhelm-CD

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