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Die akribische Suche: Im Ambiente des prunkvollen „Saal der Fünfhundert“ suchen Kunsthistoriker Maurizio Seracini (li.)und seine Experten mit hochauflösenden Kameras den Leerraum hinter Giorgio Vasaris Wandgemälde nach Farbpigmenten ab, die anderen Werken Da Vincis entsprechen

Rätsel um geheimen Da Vinci-Code

Florenz - Wenn es wahr ist, was Maurizio Seracini glaubt gefunden zu haben, wäre es eine Sensation. Er könnte seinen eigenen Da-Vinci-Code entschlüsselt haben.

Der Kunsthistoriker und sein Forscherteam sind hinter einer Wand im Florentiner Palazzo Vecchio möglicherweise auf Spuren eines seit 500 Jahren verschollenen Freskos von Leonardo Da Vinci (1452–1519) gestoßen.

Eine Analyse von Farbproben habe ergeben, dass es sich um die gleichen schwarzen Pigmente handele, die das Renaissance-Genie auch für seine Mona Lisa und andere Werke benutzte. Die chemische Zusammensetzung aus Eisen und Mangan sei eine Methode, die ausschließlich Da Vinci zugeschrieben werde, sagte Seracini am Montagabend in Florenz. „Es gibt noch viel Arbeit, aber diese Beweise zeigen, dass wir an der richtigen Stelle suchen.“

Der verschollene Schatz: Seit 500 Jahren gilt das Wandbild „Die Schlacht von Anghiari“ als verschollen. Viele Forscher glaubten bislang, es sei zerstört worden. Wurde es nur zugemauert? Da Vinci begann um 1505 in Florenz mit der Anfertigung, konnte das 4 mal 6,5 Meter große Fresko aber nicht beenden, da ihm angeblich die Farben ausgingen

Bei dem etwa 4 mal 6,5 Meter großen Wandgemälde von Beginn des 16. Jahrhunderts handelt es sich um Die Schlacht von Anghiari, die einen Sieg der Florentiner über Mailand zeigt. Zu dieser Zeit wurde Florenz von den Medici, Verbündeten Mailands, beherrscht. 1563 wurde der Maler und Architekt Giorgio Vasari deshalb beauftragt, neue Gemälde für den Palast zu kreieren. Nach Meinung von Experte Seracini ließ Vasari, ein Bewunderer Da Vincis, dessen unvollendetes Fresko jedoch nicht zerstören, sondern nur zumauern und malte sein eigenes Fresko Die Schlacht von Marciano darüber.

Der geheimnisvolle Code: „Cerca Trova“ (Suche und finde) steht auf einer Flagge von Vasaris Fresko. Ein Hinweis auf den dahinter verborgenen Da Vinci?

Seracinis Eifer – Kritiker sprechen von einem Da Vinci-Fanatismus – ist weltbekannt. Sogar Autor Dan Brown erwähnte ihn in seinem Bestseller Sakrileg. Hat Seracini nun seinen eignen Da-Vinci-Code entschlüsselt? Bereits in den 70er-Jahren entdeckte der Forscher in zwölf Metern Höhe auf einer kleinen Flagge auf Vasaris Bild die geheimnisvolle Inschrift „Cerca Trova“ – Suche und finde. Für den Historiker eine eindeutige Botschaft. Fünf Jahre kämpfte Seracini für die Genehmigung zu den Recherchen. Mit hochauflösenden Kameras, die sonst in der Krebsforschung eingesetzt werden, will er nun die Existenz des Meisterwerks beweisen. So arbeiten sich im goldenen „Saal der Fünfhundert“ die Wissenschaftler derzeit Zentimeter um Zentimeter voran. Neben schwarzen wurden auch rote, beige- und orange-farbene Farbpigmente entnommen. Der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, verteidigte die Arbeiten, für die Vasaris Gemälde mit Löchern durchbohrt werden muss: „Das ist sehr aufregend, sehr emotional und sehr wichtig für die Zukunft unserer Stadt.“

ISP

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