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Anhand der kostbaren Original-Skizzen lässt sich der Schaffensprozess des Künstlers Raffael nachvollziehen.

Raffael – den Künstler beim Denken beobachten

Raffael zählt zu den größten Künstlern der Geschichte. Er hat die Stanzen im Vatikan ausgemalt und war sogar Bauleiter des Petersdoms. Im Frankfurter Städel Museum werden nun erstmals seine Zeichnungen ausgestellt. Der Hirmer Verlag zeigt die Werke in einem faszinierenden Katalog.

Die Ausstellung

Die erste Gesamtschau zu Raffaels Handzeichnungen in Deutschland zeigt rund fünfzig kostbare Originalblätter, gezeichnet mit Feder, Pinsel, Tinte, Kreide, Silberstift und Kohle. Gut durchdachte Körperstudien und flinke Skizzen verdeutlichen, wie Raffael seine Bilderzählungen entwickelte und wie er seinen Gemälden den Eindruck von Lebendigkeit verlieh. Selbst noch so einfache und unscheinbar wirkende Zeichnungen machen Werkprozesse transparent und ermöglichen dem Betrachter, Raffael beim Denken zuzusehen.

Die Ausstellung und der passende Katalog „Raffael – Zeichnungen“ vom Hirmer Verlag sind in vier Themengruppen gegliedert: Die erste Gruppe veranschaulicht die Darstellung der Muttergottes mit dem Jesuskind, die zweite befasst sich mit den Fresken der vatikanischen Stanzen. Die beiden anderen Themengebiete stellen Raffaels Geschichts- oder Historienbilder vor sowie die Entwürfe der Chigi-Kapelle in der Kirche Santa Maria della Pace in Rom.

Raffaels Madonnen-Studien

Am Anfang der Ausstellung stehen Raffaels frühe Studien zur Figur der Madonna. Dabei spielt Raffael mit dem Licht, experimentiert mit verschiedenen Bildkompositionen und arbeitet so das natürlich vertraute Verhältnis zwischen Mutter und Jesuskind heraus. Besonders deutlich wird das in einer Kohlezeichnung, die Raffael als Vorstudie zu seiner berühmten „Sixtinischen Madonna“ diente. Mit nur wenigen Strichen skizziert er die Idee von Mutter und Kind, die einander umfassen und auf den Wolken nach vorne schreiten. Der Betrachter sieht schon anhand dieser einfachen Zeichnung alles, worauf es im späteren Gemälde ankommt. Dabei verschwindet die Distanz zwischen Künstler und Betrachter: Die Zeichnungen zeigen, wie sich Raffael an seine Werke herantastete.

Emotionen und Bewegungen

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich vor allem Zeichnungen, in denen Raffael die Bildgeschichten für die Stanzen, die Gemächer des Apostolischen Palasts im Vatikan, entwickelte. Seine Aufgabe war es, die Wissenschaft der Theologie darzustellen. In einer Zeichnung gestaltete er eine bewegte Szene, in der Heilige, Kirchenväter und Gelehrte über das Sakrament der Eucharistie – also der Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi – diskutieren. Wie ein Regisseur verbindet er die Figuren miteinander und ordnet sie Gruppen zu. Jede Gruppe steht für eine Gefühlsreaktion wie Zweifel, Neugier oder Bewunderung.

Detailgetreue Entwürfe

Das gleiche dramaturgische Prinzip wendet Raffael in seinen Historienbildern an. Oft fertigte er zunächst Aktstudien an, um die Anatomie der Menschen in der Bewegung genau festhalten zu können. Erst in einem zweiten Schritt hüllt er die Figuren in ihr Gewand. Raffaels Zeichnungen sind so detailgetreu, dass sich an den Entwürfen für die Ausstattung der Chigi-Kapelle noch heute die Planung des Projekts nachvollziehen lässt – und das, obwohl die Kirche nie ganz fertiggestellt wurde.

Die Schau im Frankfurter Städel zeigt noch bis Februar 2013 insgesamt 48 Zeichnungen Raffaels, davon elf Blätter aus eigenem Bestand und 37 Leihgaben aus international renommierten Sammlungen. Die Werke stammen unter anderem aus der Sammlung von Queen Elizabeth II., aus dem Musée du Louvre in Paris oder der Albertina in Wien.

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