Aufprallort unbekannt

„Unkontrollierter Wiedereintritt“: Chinesische Rakete fällt Richtung Erde

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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China hat mit dem Bau einer eigenen Raumstation begonnen. Eine Trägerrakete brachte dafür das Kernmodul ins All - und stürzt nun „unkontrolliert“ in Richtung Erde.

Peking - Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf seiner Homepage mitteilt, treten derzeit pro Jahr etwa 60 bis 80 Tonnen Weltraummüll in die Erdatmosphäre ein. In der Regel verglüht demnach ein Großteil bereits beim Eintritt, allerdings können größere Teile den Wiedereintritt auch überstehen und beim Auftreffen auf der Erdoberfläche zu Schäden führen. Dieses Szenario droht nun möglicherweise bei Trümmerteilen einer chinesischen Trägerrakete. China weist eine Gefahr jetzt zurück, wie Merkur.de* berichtet.

Chinesische Trägerrakete: „Unkontrollierter Wiedereintritt“ in die Erdatmosphäre

Die Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ hatte am vergangenen Donnerstag (29. April) das 22 Tonnen schwere Kernmodul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Damit begann die junge Raumfahrtnation China den Bau ihrer eigenen Raumstation. Nun drohen Trümmerteile der verwendeten Trägerrakete in den nächsten Tagen auf die Erde zu fallen. Raumfahrtexperten warnten bereits vor einem „unkontrollierten Wiedereintritt“ eines 20 Tonnen schweren Teils in die Erdatmosphäre.

Das Design der Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ sei verantwortlich für den unkontrollierten Wiedereintritt. Der Hauptteil lasse sich nicht steuern und habe auch keine Flugbahn gehabt, um an einem vorbestimmten Punkt ins Meer zu fallen. „Wir wissen nicht wo“, erklärte der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge im US- Bundesstaat Massachusetts am Dienstag der dpa.

Experte warnt: „Wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs“

„Im schlimmsten Fall wird es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich aber über Hunderte Kilometer verteilt“, erklärte McDowell. Es sei ungewiss, wie viele Bruchstücke der Trümmerteile nach dem Wiedereintritt übrig blieben. „Aber genug, um Schaden anzurichten“, war der Astrophysiker sicher.

Bereits sechs Tage nach dem ersten Flug des besonders tragfähigen Raketentyps „Langer Marsch 5B“ im Mai 2020 waren Trümmer in der Elfenbeinküste niedergegangen und hatten mehrere Häuser in Dörfern beschädigt. Es war das größte Teil, das seit dem US-Raumlabor Skylab 1979 auf die Erde gestürzt war. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA beschrieb den Vorgang damals als „sehr gefährlich“.

Die chinesische Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ bei ihrem Start in der südchinesischen Provinz Hainan.

Chinesische Trägerrakete „Langer Marsch B5“: Design ist „fahrlässig“

„Nach dem Skylab-Wiedereintritt entschied sich jeder andere, dass vermieden werden sollte, das so etwas passiert“, sagte McDowell. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit bliebe, sondern in eine Flugbahn gebracht würde, um gezielt ins Meer zu stürzen. „Mit der ‚Langer Marsch 5B‘ hat China keinen dieser Ansätze verfolgt“, kritisierte der Experte. Sie sei so gebaut, dass sie nach etwa einer Woche durch die Anziehungskraft an einem „willkürlichen Ort“ wieder in die Erdatmosphäre eintrete. Das Design entspreche nicht den heutigen Standards und sei „fahrlässig“, erklärte McDowell weiter.

Zum Bau der neuen Raumstation plant China weitere Starts des Raketentyps „Langer Marsch B5“. Zwei weitere Module sollen damit ins All gebracht und angebaut werden. Die Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) soll „um 2022“ fertiggestellt werden. Wenn die technisch veraltete internationale Raumstation ISS in den kommenden Jahren wie geplant ihren Dienst einstellt, wäre China die einzige Nation, die einen ständigen Außenposten im Weltraum betreibt. Der chinesischer Staats- und Parteichef Xi Jinping nannte die Raumstation ein „wichtiges Leitprojekt für den Aufbau eines starken Landes in Wissenschaft, Technik und Raumfahrt“. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Ju Zhenhua

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