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"Am Rand des politischen Vulkans"

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- Beirut/Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat Forderungen nach einer Wiederaufnahme der diplomatischen Gespräche mit Syrien zurückgewiesen. Bevor Syrien die Unterstützung für Terrorgruppen nicht einstelle, lehne er Verhandlungen ab. Olmert bezog sich dabei auf die Hisbollah-Miliz, die nach allgemeiner Einschätzung von Syrien unterstützt wird. Unterdessen melden sich im Libanon Miliz-Kritiker zu Wort.

Nach der Waffenruhe rückt die Hisbollah in den Mittelpunkt des Zwists; die Miliz hatte mit der Entführung von zwei israelischen Soldaten die 34 Tage dauernden Angriffe ausgelöst. Die arabisch-nationalistische Zeitung "As-Safir" warnt vor einer Explosion der Konflikte im Libanon. "Das Land steht am Rand eines politischen Vulkans", heißt es auf der Titelseite.

Der antisyrische Drusenführer Walid Dschumblatt, der zu den wortgewaltigsten Kritikern der Hisbollah gehört, stellt nach dem Krieg die Rolle der schiitischen Miliz in Frage: "Ist der Widerstand libanesisch oder ist er ein Werkzeug der syrisch-iranischen Achse auf libanesischem Territorium?"

Zu den vorsichtigen Kritikern der Hisbollah gehört der sunnitische Mehrheitsführer im libanesischen Parlament, Saad Hariri. Er griff die Hisbollah zwar nicht direkt an, erklärte aber, das Volk müsse sich hinter die Regierung und die Streitkräfte stellen. Der christliche Politiker Samir Geagea sagte, mit der Weigerung, ihre Waffen abzugeben, ziehe die Hisbollah Syrien und den Iran in die inneren Angelegenheiten des Libanons.

Im Lager der Hisbollah wird befürchtet, dass Israel und die USA nun auf politischem Weg erreichen wollen, was sie militärisch nicht durchsetzen konnten. Im Konflikt um die Entwaffnung der Hisbollah wollen sich die Vereinten Nationen um eine diplomatische Lösung bemühen. UN-Gesandter Terje Roed-Larsen sagte, Ziel sei eine Situation, "in der alle derartigen Milizen aufgelöst und entwaffnet sind". Es komme darauf an, den seit einer Woche wirksamen Waffenstillstand auf Dauer zu sichern und zum Ausgangspunkt für eine dauerhafte Friedensregelung in der Region zu machen.

Unterdessen bat Israels Ministerpräsident Olmert die italienische Regierung telefonisch, die Führung der UN-Friedenstruppe im Libanon (Unifil) zu übernehmen. Zugleich forderte er, dass sich an der Mission nur Länder beteiligen, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten, wie sein Büro mitteilte. In Rom hieß es, die Koalition sei zur Führung der Unifil bereit, sollten die Vereinten Nationen darum bitten.

Zuvor hatte Olmert im Hinblick auf die Unterstützung der Hisbollah bekräftigt: "Wenn Syrien aufhört, Terrororganisationen Raketen zu geben, werden wir mit ihnen verhandeln." Vize-Ministerpräsident Schimon Peres erklärte, die israelische Bevölkerung sei nach dem Libanon-Krieg nicht bereit, territoriale Zugeständnisse an Syrien zu machen. Er halte es für unwahrscheinlich, dass Syriens Präsident Baschar Assad an Verhandlungen mit Israel denke.

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