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Ingenieur Siegfried Rotthäuser spaßt in seiner Firma in Essen mit einem "Heatball", der eigentlich eine ganz normale Glühlampe ist (Foto vom 20.10.2010), aber nach dem "Glühlampenverbot" nur noch als "Miniheizung" eingeführt und vertrieben werden darf.

Rebell baut Miniheizung aus Glühbirnen

Niederzier - "Heatball“ - So heißt die Rebellion eines Mannes gegen das “dumme Glühlampen-Verbot“ der EU. Der Ingenieur verhilft dem Auslaufmodell als Miniheizung zu einem Comeback.

Siegfried Rotthäuser ist alles andere als europafeindlich. Gäbe es einen europäischen Pass, er würde sofort zugreifen. Aber über dieses “dumme Glühlampen-Verbot“ der EU hat er sich geärgert. Er erfand den “Heatball“. Der ist, das muss auch Rotthäuser zugeben, eine ganz normale Glühbirne - allerdings zur Wärmeerzeugung.

Mit dem “Heatball“ protestiert der 49-Jährige gegen den Bürokratismus der EU. Aktionskunst nennt er sein Projekt. “Wie kann man nur ernsthaft glauben, dass wir durch den Einsatz von Energiesparlampen das Weltklima retten, und gleichzeitig zulassen, dass die Regenwälder über Jahrzehnte vergeblich auf Schutz hoffen“, wettert er.

4000 "Heatballs" sind bereits im Umlauf

Alles eine Frage der Perspektive. Wie beim “Heatball“, ehemals Glühbirne. Die erzeugt aus Strom zu 95 Prozent Wärme und nebenbei ein bisschen Licht - wobei letzteres bislang im Vordergrund stand. Rotthäuser kann natürlich niemanden zu seiner neuen Wahrnehmung zwingen: “Wenn Leute den Zweck entfremden, weil sie meinen, das sieht aus wie eine Glühlampe und es ist ein schöneres Licht - es gibt auch Menschen, die ziehen Socken über die Schuhe, damit sie im Winter nicht ausrutschen.“

In einer “ersten Edition“ brachten er und sein Schwager 4000 “Heatballs“ unter die Leute. Sie haben die Birnen in China produzieren lassen: “Wie der Name schon sagt: zum Heizen. Es steht auf der Verpackung drauf“, betont Rotthäuser. Alles ganz legal, mit jeder Menge Bescheinigungen - der Anwalt hatte viel zu tun. In Windeseile waren die “Heatballs“ vergriffen. Stückpreis: 1,69 Euro, 30 Cent gehen an ein Regenwaldprojekt. Für Rotthäuser ein teures Vergnügen, wie er sagt. Trotzdem: Im November soll es die zweite “Edition“ geben.

Zum Kunstprojekt gehört auch eine Internet-Seite. Der Rebell sieht in ihr eine Art Hotspot des Widerstands gegen das Glühlampen-Verbot. Hausmeister von Schulen schreiben ihm in Mails, dass mehr Kinder Kopfschmerzen haben, seitdem Sparlampen genutzt werden. Menschen in Energiesparhäusern berichten, dass ihnen die Wärmeleistung der Glühlampen fehle und sie anders nachheizen müssten.

Manche würden die Heizung weiter aufdrehen, weil der hohe Blauanteil im Licht der Sparlampe suggeriere, es sei kälter, befürchtet Rotthäuser und verweist auf entsprechende Studien. Und weil es so schön billig sei, ließen die Menschen die neuen Lampen auch länger brennen. “Das sind alles Punkte, die bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit nicht berücksichtigt worden sind.“ Seine Brötchen verdient der Mann mit dem Bau von Prüfanlagen, die Belastungen simulieren. In seinem Beruf müsse er in komplexen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen denken. Das erwarte er auch von Politikern: “Wie wirkt sich mein Handeln auf das Leben der Menschen aus.“

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