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Ex-Staatsminister Hans Zehetmair ist noch bis Jahresende der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung.

Die Folgen wären massiv

Deutsche Schrift soll völlig neuen Buchstaben bekommen

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Berlin - Jeden Buchstaben im Alphabet kann man groß oder klein schreiben - nur für das „ß“ gilt das nicht. Das will der Rechtschreibrat jetzt ändern - und einen völlig neuen Buchstaben einführen. Die Folgen wären massiv.

Wer „Weiß“ oder „Meißner“ heißt, kennt das wahrscheinlich: Auf den neuesten Personalausweisen ist der Nachname falsch geschrieben. In Großbuchstaben ist dort WEISS bzw. MEISSNER zu lesen. Das Eszett, auch scharfes s genannt, gibt es nämlich nur als Kleinbuchstaben, und eine Vermischung von Versalien (Majuskeln) und Gemeinen (Minuskeln), also von großen und kleinen Buchstaben im selben Wort, sieht irgendwie komisch und unschön aus. Doch das könnte sich bald ändern.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung schlägt in seinem dritten Bericht die Einführung eines großen ß vor - in Form eines völlig neuen Zeichens, das aussehen soll wie ein etwas bauchigeres kleines ß (siehe Beispiel links). Die Begründung: Konsequente Großschreibung liest sich einfach besser.

Revolution im Schriftbild

Sollte das Groß-ß kommen - und wenn die Kultusministerkonferenz zustimmt, wird es kommen -, hätte das weitreichende Konsequenzen für das Schriftbild in der deutschen Sprache. Die Neuregelung betrifft nämlich nicht nur die etwa 1,6 Millionen Deutschen, die ein ß im Namen tragen und diesen etwa beim Ausfüllen von amtlichen Dokumenten in Großbuchstaben angeben müssen. Auch in vielen Firmenlogos, Buchtiteln, Überschriften in Zeitschriften und Büchern oder in der Werbung stößt man auf die ß-Frage, die der Rat selbst als „seit über hundert Jahren immer wieder angeprangerte Lücke im deutschen Alphabet“ bezeichnet. 

Corporate Design ist hier das Stichwort, also das gesamte, einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Gießener Zeitung, die auch auf ihrer Homepage trotz der Großschreibung ihres Namens nicht auf das ß verzichtet und es kurzerhand als Großbuchstaben verwendet, um ein einheitliches Schriftbild zu bewahren.

Hat sich der Rechtschreibrat ver-Eszett-elt?

Die Pläne des Rechtschreibrates zum großen ß sind, wie die Rechtschreibreform selbst - auch 20 Jahre nach ihrer Einführung -, umstritten. Kritiker werden nicht müde, auf die massive Verschlechterung der Rechtschreibkenntnisse von Schülern hinzuweisen, die in einer aktuellen Studie nachgewiesen wurden. Sie müssten jetzt (wie wir alle) einen neuen Buchstaben lernen. Dabei tun sich unabhängig vom Alter viele Deutsche gerade bei der Frage, wann ß und wann Doppel-s richtig ist, schwer. 

Und nicht nur die Menschen bräuchten dann ein (Wissens-)Update, auch ihre Computer, denn die müssten erst noch lernen, wie sie den neuen Buchstaben überhaupt darstellen. Die jetzigen Tastaturen wären ebenfalls auf einen Schlag zwar nicht nutzlos, aber doch veraltet.

Zur Vereinfachung würde das Groß-ß also keinesfalls beitragen, argumentieren die Gegner, und werfen dem Rat vor, seiner Aufgabe, „als zentrale Instanz in Fragen der Rechtschreibung“ den „Schreibgebrauch der deutschen Rechtschreibung zu beobachten“, nicht nachzukommen. So rät Dankwart Guratzsch in seinem Kommentar zu dem Thema in der Welt dem Rechtschreibrat „weiterer Ratschläge zu entraten und es seinem Oberrat Zehetmair nachzutun, der am Ende einer ratlosen Beratungstätigkeit zum Jahresende seinen Hut nimmt“.

Schweizer müsste man sein

Da hilft es auch nicht, dass der Rat das große ß nur als Alternative zum Doppel-s vorschlägt. Dieses könne nämlich durchaus weiter beibehalten werden, heißt es in dem Bericht. 

Man fragt sich also durchaus zurecht, ob man die Einführung des Groß-ß dann nicht gleich bleiben lassen sollte. Die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein haben es da gut: Sie verwenden grundsätzlich kein ß, sondern ausschließlich das Doppel-s.

hn

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