Reeder fordert nach Piratenüberfällen Marine-Schutz für Frachter

Bremen - Nach einer Reihe von Piratenüberfällen auf Schiffe an der somalischen Küste hat der Bremer Reeder Niels Stolberg den Schutz der deutschen Marine für Konvois von Frachtern gefordert.

Der Chef der Reederei Beluga Shipping GmbH sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa am Dienstag, er habe deswegen Kontakt mit der Spitze des Bundesverteidigungsministeriums aufgenommen. Er erwarte von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in den kommenden zwei Wochen "grünes Licht" für einen solchen Schutz durch die Marine.

Der Mehrzweck-Schwergutfrachter "BBC Trinidad" der Beluga-Reederei war vergangene Woche wie eine Reihe anderer Schiffe von schwer bewaffneten Piraten gekapert worden. Die 13 Besatzungsmitglieder sind nach Angaben der Reederei wohlauf. "Wenn wir jetzt nicht handeln, eskaliert das. Die Aggressivität, der Organisationsgrad und die Bewaffnung der Piraten haben sich so entwickelt, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssen", sagte Stolberg. Inzwischen würden nicht mehr nur Maschinenpistolen, sondern auch Panzerfäuste bei den Überfällen eingesetzt.

Medienberichten zufolge laufen Verhandlungen mit den Entführern. Über das Vorgehen sagte Stolberg dem "Weser Kurier" vom Dienstag: "Es geht nur über Verhandlungen, die wir mit Hilfe von Experten führen." Die Piraten hätten am Samstag erstmals telefonisch konkrete Forderungen gestellt.

Nach Angaben Stolbergs werden Besatzungen in Seminaren auf solche Situationen trainiert. "Der Kapitän hat sich absolut korrekt verhalten und richtig gehandelt. Er hat sogar noch versucht, den Piraten mit einem Zick-Zack-Manöver zu entkommen." Als dies nicht gelungen sei, habe die Crew keinen Widerstand mehr geleistet. In der Nähe sei sogar eine französische Fregatte gewesen. Ein Eingreifen sei ihr jedoch politisch nicht gestattet gewesen.

Unterdessen forderte auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di den Einsatz der deutschen Marine im Kampf gegen Piraterie. Die Bundesregierung müsse das Mandat der am Horn von Afrika stationierten Soldaten entsprechend erweitern, sagte ver.di-Schifffahrtsexperte Karl-Heinz Biesold der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Die Gewerkschaft, die die Interessen der Transportarbeiter und damit auch der deutschen Seeleute vertritt, habe ihre Position in Briefen an die zuständigen Bundesministerien deutlich gemacht.

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