Martin Luther und seine 95 Thesen

Reformationstag 2021: Was steckt hinter dem Feiertag und in welchen Bundesländern ist frei?

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Der Reformationstag hat die Kirche nachhaltig verändert. Was ist die Bedeutung des Feiertags? Welche Bundesländer haben frei? Wir erklären die Hintergründe.

München - Den 31. Oktober verbinden viele Deutsche mit Halloween. Das heißt: Verkleiden - in der Regel möglichst gruselig - und auf einer entsprechenden Motto-Party in den November hineinfeiern. Oder in der Kinderversion: Kostümiert durch die Nachbarschaft ziehen und Süßigkeiten abstauben. Doch neben der Anleihe des US-Brauchtums, der irischen Einwanderern zu verdanken ist, geht beinahe unter, wie geschichtsträchtig das Datum besonders für Deutschland tatsächlich ist.

Der Reformationstag ist jedes Jahr am 31. Oktober

Denn der 31. Oktober ist in erster Linie ein Feiertag der evangelischen Christen. Der Reformationstag. Am 31. Oktober 1517, so geht die Überlieferung, hat Martin Luther in den Abendstunden 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen. Als einer der Anlässe gilt, dass der Mönch und Theologieprofessor gegen den von Papst Leo X. geförderten Ablasshandel aufbegehrte, den das Kirchenoberhaupt etwa zur Finanzierung des Petersdom-Neubaus durchsetzte.

Woher stammt der Reformationstag? Bedeutung und Überlieferung

Bereits in den Jahren zuvor waren Rufe nach einer Kirchen-Reformation laut geworden. Doch der Pontifex überhörte diese. Auch die Exkommunizierung Luthers nach dessen Thesenveröffentlichung konnte die Entwicklung nicht mehr aufhalten. Die rebellierenden Theologen setzten ihre Ziele durch. Die bis dahin lateinische Bibel wurde in deutscher Sprache verbreitet, so dass auch das einfache Volk jedes Wort verstehen konnte und ihnen kein Geistlicher mehr Gottes Wort verkünden musste. Die sogenannte Lutherbibel war geboren.

Letztlich folgten Jahre blutiger Religionskriege. Die römische Kirche verlor mehr und mehr an Einfluss, in Nord und auch Mitteleuropa setzte sich der Protestantismus durch. Den ersten Anstoß dazu soll eben Luther am 31. Oktober 1517 gegeben haben. Dabei ging es dem Sohn eines Hüttenmeisters nicht darum, die Kirche neu zu gestalten. Sein Ziel war es vielmehr, sie in ihrer ursprünglich evangelischen Gestalt wiederherzustellen. Weil ihm viele Entwicklungen in der römisch-katholischen Kirche zuwider waren.

Und so begehrte er letztlich auch dagegen auf, dass Sünden etwa durch Ablasszahlungen vergeben werden sollten. Für die evangelischen Christen ist dies vielmehr bereits allein durch den Glauben möglich. Nach Luthers Ansicht ist die Vergebung der Sünden durch den Tod Jesu am Kreuz bereits geschehen.

Für evangelische Christen ein Feiertag: Am Reformationstag haben Millionen Deutsche frei.

Reformationstag 2021 als Feiertag: Feierlichkeiten zeitweise auch an Luthers Geburts- und Todestag

500 Jahre nach dem historischen Datum - also am 31. Oktober 2017 - wurde Luthers folgenreicher Tat erstmals mit einem gesamtdeutschen Feiertag gedacht. Doch bereits in den Jahrhunderten dazwischen wurden Feste zu seinen Ehren begangen - zeitweise auch am 10. November und am 18. Februar, Luthers Geburts- und Todestag. Oftmals wurde das sogenannte Reformationsfest auch erst am Sonntag nach dem 31. Oktober gefeiert, dem heiligen Tag der Kirche.

In welchen Bundesländern ist der Reformationstag 2021 ein Feiertag?

Auch in den ersten Jahren der DDR galt der Reformationstag selbst beinahe flächendeckend als Feiertag - allerdings nur bis zur Einführung der Fünf-Tage-Woche im Jahr 1967.

Seit der deutschen Wiedervereinigung ist der 31. Oktober in allen neuen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. 2018 - also im Jahr nach dem 500. Jubiläum - folgten Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern ist der Reformationstag also auch 2021 ein gesetzlicher Feiertag. In Baden-Württemberg ist an dem Tag zumindest schulfrei.

In diesen Bundesländern ist der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag:

  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

In diesen Bundesländern ist der Reformationstag kein gesetzlicher Feiertag:

Reformationstag: 31. Oktober ist in diesen Bundesländern KEIN Feiertag

  • Bayern
  • Baden-Württemberg (schulfrei)
  • Berlin
  • Hessen
  • Rheinland-Pfalz
  • Nordrhein-Westfalen
  • Saarland

Reformationstag 2021 außerhalb Deutschlands: Verlängertes Wochenende in Chile, schulfrei in Österreich

In Österreich und der Schweiz ist der 31. Oktober kein gesetzlicher Feiertag. Allerdings bekommen evangelische Schüler in Österreich an diesem Tag frei, Arbeitnehmern gleichen Glaubens muss ein Besuch des Gottesdienstes ermöglicht werden. Die Schweizer feiern den Reformationstag am darauffolgenden Sonntag.

Auch in Chile und Slowenien gilt der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag. Dabei dürfen sich Chilenen immer über ein verlängertes Wochenende freuen. (mg)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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