„Bis viele geimpft sind“

Von wegen Lockerungen: Das würde Laschets knallharter Brücken-Lockdown für Deutschland bedeuten

  • Patrick Mayer
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CDU-Chef Armin Laschet fordert in der Coronavirus-Pandemie jetzt einen Brücken-Lockdown für Deutschland. Welche Maßnahmen dieser vorsieht - und was das für erhoffte Lockerungen bedeuten würde.

München/Aachen/Berlin - Brücken-Lockdown. Es ist die neueste Wortschöpfung in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland.

Zuordnen lässt sich der Begriff Armin Laschet (CDU). Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen brachte das neuartige Lockdown-Szenario am Ostermontag (5. April) beim Besuch eines Impfzentrums in Aachen ins Gespräch. CDU-Chef Laschet verwies auf die hohen Covid-19-Infektionszahen in der dritten Corona-Welle in der Bundesrepublik.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Armin Laschet plädiert für einen Brücken-Lockdown

„Deshalb, glaube ich, brauchen wir einen Brücken-Lockdown. Wir müssen die Brücke hin zu dem Zeitpunkt, an dem viele Menschen geimpft sind, noch einmal bauen“, sagte der mögliche Kanzlerkandidat der Union, der sich Anfang März noch für kontrollierte Öffnungsschritte stark gemacht hatte.

Nach einem kürzlichen Rüffel durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) folgte nun offenbar der plötzliche Strategiewechsel in der Staatskanzlei in Düsseldorf. Knallhart-Lockdown statt Lockerungen? Welche Maßnahmen Laschets „Brücken-Lockdown“ für Deutschland bedeuten würden, listete die ARD-Tagesschau am Ostermontag auf:

Corona: Knallhart-Regeln statt Lockerungen? Welche Corona-Maßnahmen der „Brücken-Lockdown“ vorsieht

  • Per Definition ist der Brücken-Lockdown ein Lockdown, bis mehr Menschen in Deutschland geimpft sind.
  • Private Kontakte sollen noch weiter reduziert werden. Liegt die 7-Tage-Inzidenz nicht unter 35, dürfen sich aktuell zwei Haushalte mit maximal fünf Personen treffen. Das geht Laschet offenbar nicht weit genug.
  • Ausgangsbeschränkungen werden ausdrücklich als eine Option genannt.
  • Kitas und Schulen: Hier solle man sich in Deutschland auf das Notwendige konzentrieren, so der Vorschlag wortwörtlich. Konkrete Vorgaben werden nicht genannt.
  • Lockerungen in Gastronomie und Einzelhandel spielen in der Kurz-Skizze des Brücken-Lockdowns keine Rolle. Dasselbe gilt zum Beispiel für Fitnessstudios, Freizeiteinrichtungen, Vereine und das Thema Urlaub.
  • Arbeitsplatz: Arbeitgeber sollen ihren Mitarbeitern das Home Office erleichtern.
  • Corona-Regeln: Laschet fordert schnellere Entscheidungen der Politik. So solle die für 12. April geplante Ministerpräsidentenkonferenz deutlich vorgezogen werden.

Schon auf den ersten Blick enthält der Brücken-Lockdown bis auf die schnelleren Entscheidungen der Politik nichts Innovatives. Bemerkenswert ist dagegen der zeitliche Rahmen, den Laschet grob eingrenzt: „Bis viele Menschen geimpft sind.“

Brücken-Lockdown in Deutschland? Für Herdenimmunität müssen mindestens 50 Millionen Menschen geimpft werden

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO und Robert-Koch-Institut (RKI) braucht Deutschland zur Eindämmung des Coronavirus eine Herdenimmunität (und damit Impfquote) von 60 bis 70 Prozent seiner Bevölkerung. Es geht somit um etwa 50 Millionen Geimpfte alleine in der Bundesrepublik - mindestens. Die Impfkampagnen im Ausland noch gar nicht berücksichtigt.

Würde das einen wochenlangen Brücken-Lockdown bedeuten? Laut Impfdashboard von Bundesgesundheitsministerium und RKI hatten Stand Karfreitag, 2. April, zumindest erst 12,1 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen eine Erstimpfung gegen Covid-19 erhalten. Die Impfkampagne verläuft schleppend. Bleibt also noch viel zu tun - mit oder ohne Brücken-Lockdown. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Andreas Gora

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