"René schwärmte vom Irak"

- Berlin/Leipzig - Trotz intensiver Bemühungen haben die deutsche und die irakische Regierung noch keinen Kontakt zu den Entführern zweier Deutscher im Irak. "Wir sind bemüht, im Augenblick an alle erreichbaren Informationen zu kommen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, machte der Firma der im Irak entführten Deutschen Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke Vorwürfe: Das Auswärtige Amt habe immer wieder sehr ernste Reisewarnungen gegeben. "Es liegt eine hohe Verantwortung bei denen, die diese zwei Techniker da hingeschickt haben und sie ohne Schutz dort haben arbeiten lassen", sagte der SPD-Politiker.

Beim Anlagenbauer Cryotec, der in Bennewitz, etwa 30 Kilometer östlich von Leipzig, beheimatet ist, hüllt man sich indes in Schweigen. Geschäftsführer Peter Bienert erklärte lediglich: "Um der Sache zu dienen, werde ich keine Informationen geben. Mein Interesse ist, die Kollegen gesund und kurzfristig zurückzubekommen", so der Cryotec-Chef.

Es sollte diesmal nur ein kurzer Trip in den Irak sein. Wie Sindy Brost, die 29-jährige Freundin von Rene´ Bräunlich berichtet, gehörten Auslandseinsätze zur Routine von Rene´, der schon im Sudan, in Saudi-Arabien und in Polen im Einsatz war. Auch im Irak war er bereits tätig, zuletzt im Dezember 2005. Für zwei Wochen. Rene´, so erzählt seine Freundin, mit der er seit neun Jahren zusammen lebt und einen dreijährigen Sohn hat, habe stets vom Irak geschwärmt: "Er wurde mit offenen Armen empfangen, die Leute dort wissen, was die Deutschen können".

Noch am Sonntag habe sie mit ihm telefoniert. Sie solle sich keine Sorgen machen, es sei alles in Ordnung, habe er gesagt. Sein Chef im Irak wisse schon, was er macht. . .

Nun sitzt Sindy Brost mit dunklen Rändern unter den Augen zu Hause und hofft inständig, "dass die Entführer den Vater meines Sohnes am Leben lassen, dass er einfach wieder nach Hause kommt".

Ihre Nachbarn in Böhlitz-Ehrenberg im Leipziger Westen fühlen mit der jungen Frau. Nachbarin Franziska Groß tut Sindy sehr leid: "Sie gibt sich sehr gefasst, aber die Sache hat sie sehr mitgenommen." Rene´ und seine 29 Jahre alte Lebensgefährtin seien ein ausgesprochen nettes Paar, berichtet eine andere ältere Hausbewohnerin. Rene´ sei in seinem Beruf aufgegangen und habe sich auf seinen Aufenthalt im Irak gefreut. Auch die Fußballmannschaft vom Stadtverein Grün-Weiß-Miltitz ist geschockt: "Er wollte für das Spiel am Samstag doch schon wieder zurück sein", erzählt Trainer Michel Herrn "Spiegel Online".

Auch interessant

Kommentare