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So soll es aussehen, wenn es fertig ist: Der Hochmoselübergang bei Ürzig in Rheinland-Pfalz.

Bauprojekt in Rheinland-Pfalz

Moselbrücke wächst: Zweifel bleiben

Ürzig - Sie gilt als größte Brücke, die zurzeit in Deutschland entsteht: Seit gut drei Jahren wird an dem Bauwerk im idyllischen Moseltal gearbeitet. Die Hälfte der Pfeiler steht. Kritiker zweifeln die Standsicherheit an.

Die monumentalen Betonpfeiler im Moseltal sind kilometerweit zu sehen. Mächtig ragen sie hintereinander gereiht zwischen den Weinbergen in die Höhe. Sie sind Vorboten der größten Brücke, die derzeit in Deutschland gebaut wird: der umstrittenen Hochmoselbrücke zwischen den Orten Ürzig und Rachtig in Rheinland-Pfalz. Das 1,7 Kilometer lange und bis zu 160 Meter hohe Bauwerk soll von 2018 an den Fluss überspannen - und mit dem Neu- und Ausbau der B50 eine direkte Straßenverbindung zwischen den Benelux-Staaten und dem Rhein-Main-Gebiet schaffen.

„Vier von insgesamt zehn Pfeilern sind fertig, der fünfte ist es fast“, sagt die Leiterin des rheinland-pfälzischen Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, Edeltrud Bayer, bei einem Baustellenbesuch. Zwei weitere Pfeiler sind im Bau. Sie liegen alle auf der Hunsrück-Seite der Mosel, wo 2011 mit dem Brückenbau begonnen wurde. Seit Sommer 2014 entsteht auch von jener Seite her der Überbau: Riesige Stahlträger werden nach und nach im sogenannten Taktschiebeverfahren über die Pfeiler geschoben. Ende März ist es wieder so weit: Da soll der nächste Stahl-Verbund angebracht werden, kündigt Bayer an.

Die gigantische Brücke, Teil einer insgesamt 25 Kilometer langen Neubaustrecke, ist seit ihrer Planung umstritten. Kritiker bemängeln, dass das Mega-Bauwerk das idyllische Landschaftsbild des Moseltals zerstöre. Sie sind aber auch der Ansicht, dass der Bau ein großes Risiko berge - und zwar auf der gegenüberliegenden Eifel-Seite, auf der vor wenigen Tagen mit den ersten Bohrarbeiten begonnen wurde. Hier entstehen unter anderem drei Pfeiler.

„Da wird auf unsicherem Grund gebaut“, sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Pro Mosel“, Georg Laska, in Bernkastel-Kues. Der steile Hang bestehe aus einer instabilen Masse und bewege sich einen Millimeter pro Jahr. Jüngst hatte der Aachener Ingenieurgeologe Rafig Azzam Sicherheitsbedenken bei der Pfeiler-Gründung in dem „Kriechhang“ geäußert. Die nach den DIN-Vorschriften erforderlichen Nachweise für die Standsicherheit seien nicht erbracht worden.

Die angewandte Beobachtungsmethode könne ein Sicherheitskonzept nicht ersetzen, sagt der Professor für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Im Dezember hatte er sich mit Vertretern des LBM getroffen. „Wir haben Positionen ausgetauscht“, sagt der Geologe des LBM, Uwe Schroeder. Ende Januar, Anfang Februar werde es ein weiteres Gespräch geben.

Der LBM, der für die Ausführung des Baus verantwortlich ist, sieht keine Probleme. Auch nach zahlreichen Untersuchungen und Gutachten gebe es keine Hinweise, dass die Brücke nicht standsicher sein werde. Bohrungen auf der Eifel-Seite hätten die angenommenen geologischen Verhältnisse bestätigt, sagt der technische Geschäftsführer des LBM, Bernd Hölzgen.

Die Initiative „Pro Mosel“ hatte im Dezember wegen Zweifeln an der Standsicherheit Strafanzeige gestellt. Dann legte die Initiative nach: Sie untermauerte ihre Anzeige mit Informationsmaterial und Fotos über die Arbeiten am „Rutschhang“. Die Bedenken der Experten würden nicht ernst genommen, sagt Laska.

Bilder: Mega-Baustelle im Moseltal

Bilder: Bauarbeiten an der Hochmoselbrücke

Er geht auch davon aus, dass die Kosten weiter steigen. Die neue Strecke, die das Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel über die Brücke mit dem Hunsrück verbinden wird, soll inzwischen rund 456 Millionen Euro kosten. Anfangs waren Planer von etwa 330 Millionen Euro ausgegangen. „Ich denke, wir werden am Ende an die Milliarde Euro herankommen“, befürchtet Laska.

„Wir haben hier keine alltägliche Situation des Bodens“, sagt die Trierer LBM-Leiterin Bayer über die Eifel-Seite. Der „anspruchsvolle Hang“ sei aber im Griff - und nicht die größte Herausforderung des Projekts. Diese wird ihrer Ansicht nach eine andere sein: „Wenn der rund 200 Meter lange Stahlträger-Verbund später über die Mosel geschoben wird.“

Birgit Reichert, dpa

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