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„Kann es nicht mehr ertragen!“ RKI-Chef rechnet wütend ab und prognostiziert fürchterliches Weihnachtsfest

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Von: Jennifer Lanzinger

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Das RKI meldet am Donnerstag mehr als 65.000 Neuinfektionen, Lothar Wieler spricht von einer akuten Notlage. Es drohe ein sehr „schlimmes Weihnachtsfest“, viele Todesfälle würden Deutschland bevorstehen.

Berlin - Es sind deutliche Worte, die der Präsident des Robert Koch-Instituts am Mittwochabend gewählt hat. Bei einer Online-Diskussionsveranstaltung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zeigte sich der RKI-Chef nicht nur über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland mehr als besorgt, Lothar Wieler spricht auch von einem schlimmen Weihnachtsfest, das der Bundesrepublik möglicherweise bevorstehe.

„Schlimmes Weihnachtsfest“: RKI-Chef mit heftiger Politik-Kritik: „Kann es schlichtweg nicht mehr ertragen!“

So fordere Wieler nun, das Impf-Tempo durch Impfungen in Apotheken zu erhöhen. „Wir sind in einer Notlage, und in einer Notlage muss man bestimmte Dinge großzügig gestalten“, so der RKI-Chef. „Ich sag das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet zu impfen. Wir sind in einer Notlage“, betonte Wieler. „Wir brauchen jede und jedem zum Impfen.“ So gebe es aktuell viele Millionen Menschen, die geimpft werden müssten. Dazu würden noch die Auffrischungsimpfungen kommen. „Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff.“

Doch damit nicht genug, laufe Deutschland insgesamt auf eine „ernste Notlage“ zu. So sollten vor allem die 2G-Regeln konsequent umgesetzt werden. „Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen.“ Für die nächsten Wochen sieht Wieler ein düsteres Szenario auf Deutschland zukommen: „Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.“

Bildmontage: Lothar Wieler warnt vor einer akuten Notlage in Deutschland.
Lothar Wieler warnt vor einer akuten Notlage in Deutschland. © Barbara Gindl/dpa/Screenshot

Steht Deutschland vor der Corona-Katastrophe? Wieler kritisiert schnelle Öffnung vieler Bereiche

In der Online-Diskussionsveranstaltung teilte Wieler auch gegen die Politik und die Maßnahmen der vergangenen Zeit aus: „Das ist eine klare Sprache, aber ich kann nach 21 Monaten es auch schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es nicht vielleicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen!“ So habe das RKI frühzeitig gewarnt, entsprechende Maßnahmen einzuführen. Der RKI-Chef kritisiert unter anderem die schnelle Öffnung vieler Bereiche, vor allem Clubs und Bars seien absolute Infektionstreiber. Wieler plädiert ebenfalls dafür, Großveranstaltungen abzusagen und Kontaktbeschränkungen als Maßnahmen in Betracht zu ziehen.

Und tatsächlich: die Corona-Zahlen steigen seit Wochen stark an. Auch am Donnerstag, 18. November, meldete das RKI einen absoluten Corona-Rekord-Wert. Mehr als 65.000 Menschen hatten sich nach offiziellen Angaben mit dem Coronavirus infiziert, die Zahlen seien laut Wieler jedoch deutlich höher als bekannt. „Die Untererfassung der wahren Zahlen verstärkt sich.“ Hinter den mehr als 50.000 Infektionen, die derzeit pro Tag registriert würden, „verbergen sich mindestens noch einmal doppelt oder dreimal so viele“, so der RKI-Chef.

RKI-Chef spricht von extremen Todeszahlen - „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“

In den vergangenen Wochen seien 0,8 Prozent der Erkrankten gestorben. Das bedeute, dass von den mehr als 50 000 Menschen pro Tag, bei denen derzeit eine Neuinfektion festgestellt werde, in den nächsten Wochen 400 sterben würden. Am Tod dieser Menschen sei nichts mehr zu ändern, niemand können ihnen noch helfen, selbst mit bester medizinischer Versorgung nicht. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, zeigte sich Wieler am Mittwochabend besorgt.

Dass sich die Lage in den Kliniken Deutschlands zuspitze zeigt sich bereits seit Wochen. Wie Wieler betont, müsse mittlerweile auch für Schlaganfall-Patienten und andere Schwerkranke mancherorts bis zu zwei Stunden nach einem freien Intensivbett gesucht werden. „Die Versorgung ist bereits in allen Bundesländern nicht mehr der Regel entsprechend“, sagte der RKI-Chef. Und geht es nach Wieler, soll die dramatische Lage sogar noch zunehmen. „Sie sehen, die Prognosen sind super düster. Sie sind richtig düster“, sagte Wieler. „Es herrscht eine Notlage in unserem Land. Wer das nicht sieht, der macht einen sehr großen Fehler.“

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