1. Startseite
  2. Welt

Brief von RKI-Chef Wieler an Spahn aufgetaucht: FFP2-Masken schützen wohl nicht besser als „OP-Masken“

Erstellt:

Von: Patrick Huljina

Kommentare

Das Tragen einer FFP2-Maske ist in vielen Bereichen in Deutschland nach wie vor Pflicht. Bei Laien kann es jedoch zu einer Einschränkung der Schutzwirkung kommen.

Berlin - Die Maske ist in der Corona*-Pandemie zum ständigen Begleiter geworden. Ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften oder in der Arbeit. Zunächst reichten Stoffmasken oder ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz, sogenannte „OP-Masken“, aus. Später kam vielerorts eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken. Dabei schützen diese teilweise nicht besser als herkömmliche „OP-Masken“, meint unter anderem einer der bekanntesten Experten in Deutschland, Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Corona in Deutschland: FFP2-Masken schützen teilweise nicht besser als „OP-Masken“

In einem Brief an das Bundesgesundheitsministerium vom 10. Juni soll Wieler laut Bild, der das Schreiben offenbar vorliegt, Folgendes mitgeteilt haben: „Das Tragen von FFP2-Masken durch Laien (z. B. beim Einkaufen, im ÖPNV) entfaltet nach aktueller fachlicher Einschätzung keine größere Wirkung bei der Eindämmung der COVID-19-Pandemie* als das Tragen von medizinischem Mund-Nasen-Schutz („OP-Maske“).“

Der RKI-Chef nennt in seinem Brief auch den eindeutigen Grund für diese Aussage. FFP2-Masken* würden „häufig nicht passend und nicht korrekt getragen und verlieren somit die im professionellen Bereich angestrebte zusätzliche Schutzwirkung“, so Wieler. Er ergänzte: „Wenn bei der FFP2-Maske über eine Leckage geatmet wird, dann geht diese zusätzliche Schutzwirkung weitgehend verloren.“

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, nimmt zu Beginn der Pressekonferenz zur Corona-Lage vor Ostern den Mund-Nasen-Schutz ab.
RKI-Präsident Lothar Wieler trug im Frühjahr 2021 eine „OP-Maske“. Inzwischen ist er häufig mit FFP2-Maske zu sehen. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Nutzung von FFP2-Masken: RKI verweist auf drei Punkte, die zu beachten sind

Auf Anfrage der Merkur.de-Redaktion teilte das RKI mit, dass es „generell keine internen Berichte“ kommentiere. Eine Sprecherin verwies auf die FAQs zu den Corona-Infektionsschutzmaßnahmen, die auf der Website des Robert-Koch-Instituts* zu finden sind. Demnach müssen bei der Nutzung von FFP2-Masken durch Laien drei Punkte beachtet werden:

Tragen von FFP2-Masken: Korrekter Sitz entscheidend - Fehler bei Anwendung durch Laien möglich

Der korrekte Sitz einer FFP2-Maske ist also entscheidend, um den höheren Schutz vor einer möglichen Corona-Infektion* zu gewährleisten. Ein Blick in die öffentlichen Verkehrsmittel und Supermärkte des Landes zeigt allerdings, dass die Masken häufig nicht passen, oder nicht korrekt getragen werden. „Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasen-Schutzes hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben“, schreibt das RKI auf seiner Website weiter.

Die Bundesregierung erklärt auf ihrer Homepage den Unterschied zwischen einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz und FFP2-Masken. „OP-Masken“ dienen demnach insbesondere „dem Schutz anderer vor dem Kontakt mit infektiösen Tröpfchen eines Infizierten“. FFP2-Masken hingegen „schützen zusätzlich auch den Träger der Maske vor Tröpfchen und Aerosolen“.

Nicht korrekt sitzende FFP2-Maske laut Stiftung Warentest „besser als nichts“ - FDP-Mann fordert Konsequenzen

Die Stiftung Warentest schließt sich der RKI-Meinung an, dass eine nicht korrekt sitzende FFP2-Maske wohl nicht besser schützt als eine sogenannte OP-Maske. „Aber selbst wenn eine Maske die Aerosol­partikel eines infizierten Menschen nur zu 30 Prozent filtert und die Maske eines gesunden Menschen ebenfalls nur 30 Prozent filtert, ergibt sich eine Gesamt­abmil­derung der Aerosole (und damit der potenziellen Virenlast) von etwa 50 Prozent – und das ist besser als nichts“, stellt die Verbraucherorganisation klar.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck tendiert ebenfalls zu Wielers Meinung: Für seine Mitarbeiter im Labor mache das Tragen einer FFP2-Maske schon Sinn, sagte er RTL bereits im Januar, „weil sie direkt einen Zugang zum Virus haben.“ Doch generell rät er davon ab, dass jeder die Masken nutzt. Aus zwei Gründen: Weil viele sie nicht richtig an Mund und Nase befestigen und weil man sie nicht länger als 75 Minuten am Stück tragen sollte. „Weil die Atmung dadurch einfach schwerer ist“, so Streeck.

FDP-Gesundheitsexperte Wieland Schinnenburg fordert Folgen aus den Erkenntnissen. „Die Kanzlerin neigt seit Monaten dazu, sich in etwas hineinzuverbeißen – ohne dass es dafür einen sachlichen Grund gibt“, so sein Vorwurf in der Bild gegenüber Angela Merkel. Schinnenburg fordert schnelle Konsequenzen: „Wenn Maskenpflicht, dann reichen OP-Masken völlig aus.“ (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare