Aufgaben, Leitung, Finanzierung – So funktioniert das Robert Koch-Institut
Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland jedem ein Begriff. Das verbirgt sich hinter dem Forschungsinstitut.
Berlin – Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut und liegt im Geschäftsbereichs des Bundesministeriums für Gesundheit. Die staatliche Forschungseinrichtung wurde im Jahr 1891 in Berlin zur Bekämpfung der wütenden Infektionskrankheiten gegründet. Namensgeber Robert Koch leitete das Institut von dessen Gründung an bis ins Jahr 1904. Bis heute ist die zentrale Aufgabe des RKI die Sicherstellung der öffentlichen Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland. Dies spiegelte sich in der leitenden Rolle des Instituts bei der Bekämpfung des Coronavirus wider.
| Behördenname | Robert Koch-Institut |
|---|---|
| Gründung | 1. Juli 1891 |
| Hauptsitz | Berlin |
| Behördenleitung | Lars Schaade (Präsident), Johanna Hanefeld und Anke Engelbert (Vizepräsidentinnen) |
| Mitarbeiter | 1150 |
| Haushaltsvolumen | 108 Millionen Euro |
| Stand: Dezember 2023 |
Das sind die Aufgaben des Robert Koch-Instituts
Als zentrale Behörde für Krankheitsüberwachung und -prävention hat das Robert Koch-Institut verschiedene Aufgaben. Die Rechtsgrundlage dafür ist §2 des „Gesetzes über Nachfolgeeinrichtungen des Bundesgesundheitsamtes“ (BGA-Nachfolgegesetz – BGA-NachfG). Demnach ist das RKI verantwortlich für:
- Die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten
- Epidemiologische Untersuchungen einschließlich der Erkennung und Bewertung von Risiken
- Gesundheitsberichterstattung
- Risikoerfassung und -bewertung bei gentechnisch veränderten Organismen und Produkten und der Humangenetik
Im Rahmen der sogenannten „Antennenfunktion“ bietet die Behörde eine Art Frühwarnsystem in Bezug auf gesundheitliche Gefährdungen, wie beispielsweise die Corona-Pandemie. Neben der Politik und der Fachöffentlichkeit informiert es auch die breite Öffentlichkeit, beispielsweise auf den eigenen Webseiten.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des RKI sollen die Grundlage für Entscheidungen im Bereich der Gesundheitspolitik darstellen. Beispielsweise basierten politische Entscheidungen über Corona-Beschränkungen unter anderen auf den Fallzahlen und dementsprechenden Empfehlungen, die das Robert Koch-Institut kommunizierte. Das RKI nimmt also zum einen wissenschaftliche, zum anderen aber auch beratende Aufgaben wahr.
Die Rolle des RKI während der Corona-Krise
Während der Corona-Pandemie stand das Robert Koch-Institut häufig im Mittelpunkt der Berichterstattung. Entsprechend seiner Rolle als Bundesbehörde war das RKI für die kontinuierliche Erfassung der Ausbreitung von Covid-19 insbesondere in Deutschland verantwortlich. Das Institut führte alle verfügbaren Informationen zur Risikobewertung der Gesamtlage zusammen und sprach auf dieser Grundlage Empfehlungen zum weiteren Vorgehen im Infektionsschutz aus. Die Behörde unter Führung des Präsidenten Lothar Wieler wurde somit während der Pandemie zu einem der wichtigsten Ratgeber der Politik.
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Neue Maßnahmen wurden in der Regel gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium auf den regelmäßigen Corona-Pressekonferenzen vorgestellt. Das Robert-Koch-Institut war für seine Entscheidungen, die teilweise zu starken Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens geführt hatten, heftig kritisiert worden. Dazu gehörten Maßnahmen wie die Maskenpflicht, Kontakt- und Ausgangssperren sowie der Lockdown. Auch die Empfehlungen zur Corona-Impfung lösten starke Reaktionen innerhalb der Bevölkerung aus.
In seinem Studienbericht „StopptCOVID“ warf das Institut einen Blick auf insgesamt 20 auferlegte Corona-Maßnahmen und prüfte deren Effekt auf den Verlauf der Pandemie, anhand der Fallzahlen. Dabei kam das Forschungsinstitut zu dem Schluss, dass die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit die geplante Wirkung erzielt hatten. Die Maßnahmen hätten bis zur Entwicklung wirksamer Impfstoffe eine starke Überlastung des Gesundheitssystems verhindert, heißt es in dem Bericht.
RKI-Leitung und Struktur: Präsident, Vizepräsident, Fach-Leitung
Lothar H. Wieler leitete als Präsident das Robert Koch-Institut von März 2015 bis zum 4. Oktober 2023. Er galt als Gesicht des Instituts während der Corona-Pandemie. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie hatte zuvor an der Freien Universität Berlin die Position des geschäftsführenden Direktors des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen inne.
| Zeitraum | Präsident |
|---|---|
| seit 4.10.2023 | Lars Schaade |
| 2015 bis 2023 | Lothar Wieler |
| 2010 bis 2015 | Reinhard Burger |
| 2008 bis 2010 | Jörg Hacker |
| 1996 bis 2008 | Reinhard Kurth |
| 1990 bis 1996 | Hans Kröger, Joachim Welz Hand Hoffmeister |
| 1985 bis 1990 | Wilhelm Weise |
| 1970 bis 1984 | Hansjürgen Raetting, Karl-Ernst Gillert, Hans Kröger, Wilhelm Weise |
| 1952 bis 1969 | Georg Hennenberg |
| 1949 bis 1952 | Bruno Harms |
| 1935 bis 1949 | Otto Lentz |
| 1934 bis 1935 | Eugen Gildemeister |
| 1933 bis 1934 | Richard Otto |
| 1915 bis 1933 | Fred Neufeld |
| 1913 bis 1915 | Friedricht Loeffler |
| 1904 bis 1913 | Georg Gaffky |
| 1891 bis 1904 | Robert Koch |
| Quelle: rki.de |
Unter dem neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) räumte Wieler im Oktober 2023 seinen Posten. Amtierender Präsident des Robert Koch-Instituts ist der langjährige Instituts-Vize Lars Schaade. Schaade ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und hatte zuvor den Bereich „Übertragbare Krankheiten, AIDS, Seuchenhygiene“ im Bundesministerium für Gesundheit geleitet. Seit dem 1. April 2023 sind Johanna Hanefeld, Leiterin des Zentrums für internationalen Gesundheitsschutz des RKI, und Anke Engelbert, Leiterin der Zentralen Verwaltung des RKI, die kommissarischen Vizepräsidentinnen des Instituts (Stand: Dezember 2023).
Mehr als 1150 Mitarbeiter am Robert Koch-Institut
Ebenfalls zur Leitung des RKI gehören der Leitungsstab mit den Referaten Grundsatzangelegenheiten und Recht, Gentechnik und Zulassung Stammzellgesetz. Auch gibt es drei Stabsstellen zu den Themen Forschungskoordination, Öffentlichkeitsarbeit und Förderung der Globalen Biosicherheit sowie die Geschäftsstellen der Zentralen Ethikkommission für Stammzellenforschung, der Gendiagnostik-Kommission und des Arbeitskreises Blut.
Ferner gibt es im RKI mehrere Fachabteilungen sowie das Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene, die Zentrale Verwaltung sowie mehrere Projekt- und Nachwuchsgruppen. Dort gibt es jeweils Fachleitungen. Im Jahr 2022 beschäftigte das Robert Koch-Institut etwa 1150 Mitarbeiter, darunter rund 450 Wissenschaftler, Doktoranden und Trainees. Etwa 450 Mitarbeiter sind befristet beschäftigt, weitere 320 arbeiten in Teilzeit.
Die Finanzierung des Robert Koch-Instituts
Da das Robert Koch-Institut zum Bundesministerium für Gesundheit gehört, wird es durch den Bundeshaushalt finanziert, konkret erhält es Gelder aus dem sogenannten Einzelplan des Ministeriums. Der Haushalt ist öffentlich einsehbar auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen.
Zudem erhält das RKI für Forschungsarbeiten Fördermittel von nationalen und internationalen Geldgebern. Die Annahme von Spenden wird jeweils geprüft und festgehalten: Im Sponsoringbericht der Bundesregierung sind Name, Anschrift, Art, Wert und Verwendungszweck einsehbar. Um Korruption zu verhindern, gibt es zudem eine Ansprechperson am Robert Koch-Institut, an die sich sowohl Beschäftigte des RKI als auch die breite Öffentlichkeit mit Hinweisen oder Bedenken wenden können. (Tanja Koch/Andreas Apetz)