Justiz-Fehler hat Konsequenzen

Rotlicht-Skandal: Panne vor Prozessbeginn

Düsseldorf - Jahrelang sollen Bordellbesucher in Düsseldorf betäubt und ausgenommen worden sein. Nun wird der Skandal vor Gericht ausgebreitet - mit einem holprigen Start.

Vor dem Prozess um den Düsseldorfer Rotlichtskandal soll der Justiz eine Panne unterlaufen sein. Das Düsseldorfer Landgericht habe schlicht vergessen, einem der Beschuldigten die Anklageschrift zuzustellen, berichteten mehrere Verteidiger am Montag übereinstimmend. Der Fehler sei zwar bemerkt und korrigiert worden, dem Anwalt des Betroffenen sei dadurch aber nur sehr wenig Zeit für seine Stellungnahme geblieben. Die Anklageschrift umfasst immerhin über 600 Seiten.

Weil seine Bitte um eine Fristverlängerung vom Gericht ignoriert worden sein soll, stellte der betroffene Verteidiger am Montag einen Befangenheitsantrag. Als das Gericht diesen Antrag zurückstellen wollte, hagelte es weitere Anträge aus den Reihen der Verteidiger und der Prozess musste mehrfach unterbrochen werden. Ein Gerichtssprecher bestätigte lediglich, dass es bei dem Befangenheitsgesuch um die Stellungnahme-Fristen gehe.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat die Rotlicht-Größe Thomas M. und acht weitere Beschuldigte - Gesellschafter, Wirtschafter, Servicekräfte und Prostituierte - angeklagt. Die sollen mit K.o.-Tropfen und anderen Mitteln reihenweise Freier betäubt und dann ihre Kreditkarten geplündert haben. Insgesamt gut 300.000 Euro sollen so erbeutet worden sein.

Für den Mammut-Prozess mit rund 90 Zeugen sind 93 Verhandlungstage angesetzt. „Rotlicht-König“ Bert Wollersheim bleibt die Strapaze erspart: Die Ermittlungen hatten ihn entlastet.

Die Anklage wirft den Angeklagten in wechselnder Beteiligung Betrug, schwere Körperverletzung, Vergiftung, räuberische Erpressung und Raub vor. Das Landgericht geht davon aus, dass erst im April 2014 mit einem Urteil zu rechnen ist.

In vier Etablissements soll den Freiern die Prozedur widerfahren sein. „Bei meinem Mandanten besteht der Verdacht, dass ihm schon mit dem Begrüßungsgetränk Substanzen verabreicht wurden, durch die er sein Bewusstsein verlor“, sagte Nebenklage-Vertreter Sebastian Schales, der einen Klienten aus Frankfurt vertritt, bei dem rund 5000 Euro abgebucht worden sein sollen.

Die Stadt Düsseldorf schloss die Rotlicht-Betriebe im Juli 2012 für mehrere Monate, sie konnten erst mit neuer Geschäftsführung wieder öffnen. Zeitweise saßen neun Beschuldigte in Untersuchungshaft. Die Kredit- oder Scheckkarten der Freier sollen in einigen Fällen bis ans Limit belastet und mehrere zehntausend Euro abgebucht worden sein.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unwetter ziehen über mehrere Bundeländer
Ob Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg: Unwetter zogen über mehrere Regionen - und sorgten für Veranstaltungs-Unterbrechungen und Verkehrsstörungen.
Unwetter ziehen über mehrere Bundeländer
Frau verliert Handy mit intimen Fotos - und wird jetzt von Unbekannten erpresst
Ein Paar aus Essen hat das Smartphone unbeobachtet liegen lassen. Darauf befanden sich intime Bilder. Jetzt werden Fotis Kakagiannis (42) und seine Frau Shima (38) damit …
Frau verliert Handy mit intimen Fotos - und wird jetzt von Unbekannten erpresst
Spektakuläre Rettungsaktion: Feuerwehrfrau erklimmt fahrenden Laster
Eine filmreife Aktion legten zwei Feuerwehrmitarbeiter auf der Autobahn hin: Sie stoppten einen fahrenden Lastwagen - der Fahrer war bewusstlos.
Spektakuläre Rettungsaktion: Feuerwehrfrau erklimmt fahrenden Laster
Ein Toter bei Messerstecherei in Wuppertal - Täter auf der Flucht
Nach einer Messerstecherei sucht die Polizei in Wuppertal nach dem Täter. Ein 31-Jähriger starb bei der Auseinandersetzung. Die Hintergründe sind noch völlig unklar. 
Ein Toter bei Messerstecherei in Wuppertal - Täter auf der Flucht

Kommentare