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„Orgie der Gewalt“: Polizei feuert Schüsse bei Corona-Demo in Rotterdam ab - mehrere Verletzte

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Von: Jonas Raab

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In Rotterdam eskaliert eine Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in den Niederlanden. Eine Spur der Verwüstung und mehrere Verletzte nach Schüssen der Polizei sind die Bilanz der Nacht.

Rotterdam - Schüsse, Wurfgeschosse und brennende Autos: In Rotterdam ist am späten Freitagabend (19. November) eine Demonstration gegen strengere Corona-Maßnahmen eskaliert. Die Polizei gab Schüsse ab, sieben Menschen wurden dabei verletzt, darunter laut dpa auch „Niedergeschossene“. Dutzende wurden festgenommen, weitere Festnahmen sollen laut Polizei folgen. Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb beschreibt die Ausschreitungen als „Orgie der Gewalt“.

Ausgangspunkt der Krawalle war eine nicht angemeldete Kundgebung von hunderten Menschen im Zentrum von Rotterdam. Sie demonstrierten gegen eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen in den Niederlanden. Zurück blieb eine Spur der Verwüstung. Die Demonstranten legten Brände – sie steckten unter anderem Elektroroller und Polizeiautos in Brand – und bewarfen Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr mit Gegenständen.

Rotterdam: Corona-Demonstration eskaliert – Polizei greift hart durch

Mit einem Großaufgebot versuchte die Polizei nach eigenen Angaben, wieder Ordnung zu schaffen. Dabei kamen berittene Polizisten, Knüppel und ein Wasserwerfer zum Einsatz, Polizeieinheiten aus dem ganzen Land wurden in der Hafenstadt zusammengezogen. Ein Hubschrauber war über den von Rauchschwaden durchzogenen Straßen zu hören. „Die Polizei hat die Notwendigkeit gesehen, letztendlich eine Polizeiwaffe zu ziehen, um sich zu verteidigen“, sagte Bürgermeister Aboutaleb.

Verletzte nach Polizeischüssen bei Corona-Krawallen in Rotterdam.
Bei schweren Ausschreitungen in Rotterdam bei einer Kundgebung gegen schärfere Corona-Regeln hat es nach Schüssen der Polizei Verletzte gegeben. © picture alliance/dpa/ANP MEDIA-TV | ---

Die niederländische Polizei bestätigte „mehrere Warnschüsse“. Es habe „Verletzungen im Zusammenhang mit diesen Schüssen“ gegeben, heißt es weiter. Eine Zahl nannte die Polizei hierbei nicht. Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen Senders NOS wurden zwei Menschen durch die Schüsse verletzt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet von einem abgetrennten Finger, den er auf dem Boden habe liegen sehen.

Corona-Krawalle in Rotterdam: Bürgermeister erlässt Notverordnung

Rotterdams Bürgermeister Aboutaleb erließ eine Notverordnung, um Menschen den Aufenthalt am Ort der Krawalle zu verbieten. Der Zugverkehr von und nach Rotterdam sei wegen der Krawalle eingestellt worden, teilten die Niederländischen Eisenbahnen mit. Am frühen Samstagmorgen nahmen die Niederländischen Eisenbahnen den Verkehr wieder auf.

Die Gewalt in Rotterdam könnte auch die für Samstag geplanten Demonstrationen in Amsterdam und im südniederländischen Breda beeinflussen. Örtlichen Medien zufolge wollen in den beiden Städten tausende Menschen gegen die Corona-Restriktionen demonstrieren. Vergangenes Wochenende hatte es bereits Krawalle in Den Haag gegeben.

Proteste gegen Corona-Regeln: Das gilt aktuell in den Niederlanden

In den Niederlanden gilt wegen steigender Corona-Infektionszahlen seit einer Woche wieder ein Teil-Lockdown. Bars, Restaurants und Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte müssen laut den aktuellen Regeln spätestens um 20.00 Uhr schließen, andere Geschäfte bereits um 18.00 Uhr. Die Bürger dürfen sich nur mit maximal vier weiteren Menschen in ihren Wohnungen treffen, Arbeitnehmer sollen möglichst im Homeoffice arbeiten.

Am Freitag wurde das zweite Jahr in Folge ein Verbot für Silvester-Feuerwerk verhängt, um die Rettungskräfte in Pandemie-Zeiten nicht weiter zu belasten. Die niederländische Regierung erwägt außerdem, nur noch Geimpften und Genesenen den Besuch von Bars und Restaurants zu erlauben. Dagegen gibt es aber auch im niederländischen Parlament massiven Widerstand. (jo/dpa/AFP)

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