+
Rückfälle sind bei einer Sucht die Regel. Anders als früher führt der neuerliche Griff zur Droge heute zu einer intensiveren Betreuung. Foto: Boris Roessler/Archiv

Rückfälle sind bei einer Sucht normal

Hamm/Münster (dpa) - Bei einer Sucht-Behandlung müssen Menschen nach einem Rückfall nicht mehr aus der Therapie geworfen werden. "Heute ist ein Rückfall ein Grund, sich intensiver um den Klienten zu kümmern", sagte Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle Suchtfragen (DHS).

Ein Rückfall gehöre zu einer Sucht und passiere den meisten mehrfach. Die Befürchtung, damit sei alles verloren, dürften die Betroffenen nicht haben. "Man muss sich sagen: Ich gehe es wieder neu an", betonte Gaßmann. Klienten und Patienten würden heute schon während der ersten Beratung oder Therapie auf das richtige Verhalten hingewiesen.

"Die Behandlungslandschaft hat begriffen, Patienten beim Rückfall nicht zu verstoßen", sagt Gaßmann. "Vor 20 Jahren war ein Rückfall ein Grund, die Beratung oder die Therapie abzubrechen." Doch sei das heute kein Problem: "Wenn man Raucher fragt: "Hast Du es beim ersten Mal geschafft", lautet die Antwort in der Regel: "Beim zweiten oder dritten Mal." Das haben wir beim Alkohol auch", sagte Gaßmann.

Viele sagten sich bei einem Rückfall: Jetzt habe ich etwas getrunken, dann kann ich auch weitermachen. Das sollte nicht passieren. Besser sei es, bereits nach der ersten Flasche den Berater anzurufen.

"Aus medizinischer Sicht wäre es überhaupt kein Problem, wenn jemand nach fünf Jahren die erste Zigarette raucht oder die erste Flasche Schnaps trinkt und es dabei belässt. Das gelingt aber wenigen." In der Regel werde weiter geraucht oder getrunken. "Der eine Schluck ist schon Auslöser weiterzumachen - psychologisch aus den unterschiedlichsten Gründen. Biochemisch wird durch den Suchtstoff an das sogenannte Suchtgedächtnis appelliert."

Der Betroffene erlebe den Rückfall als persönliches Versagen und sage sich, dann kann ich auch weitermachen. "Viele enden dann so, dass das frühere Suchtverhalten wieder verstärkt aufgenommen wird." Das passiere häufig beim Übergang in die Rente. "Ein Rückfall ist aber kein Grund zu verzweifeln", meint Gaßmann. "Am besten ist es, sich schon an dem Tag, an dem es passiert, zu melden."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hai-Alarm auf Mallorca: Tier gefangen und eingeschläfert
Ungewöhnlicher Hai-Alarm vor der Südwestküste Mallorcas. Am Samstag und Sonntag lösten mehrere Sichtungen unter Badegästen Panik aus. Ein Tier wurde gefangen - und …
Hai-Alarm auf Mallorca: Tier gefangen und eingeschläfert
Braun, behaart und laut: Dieses Insekt hält Heilbronn in Atem
Kleine, fliegende Insekten sorgen gerade in der Region um Heilbronn für Ärger. In der Dämmerung kommen sie aus ihren Löchern und belästigen die Bürger dort.
Braun, behaart und laut: Dieses Insekt hält Heilbronn in Atem
Zahl brandgefährdeter britischer Hochhäuser steigt auf 60
In London müssen Tausende Menschen wegen Brandschutz-Mängeln ihre Wohnungen verlassen. Darum gibt es viel Ärger. Experten finden immer mehr riskante Hochhäuser im Land.
Zahl brandgefährdeter britischer Hochhäuser steigt auf 60
Zahl brandgefährdeter Hochhäuser in Großbritannien steigt
Die Liste der brandgefährdeten Hochhäuser in London weitet sich aus. Sprachen die Behörden zuvor noch von 34 Gebäuden, ist die Zahl mittlerweile auf 60 gestiegen.
Zahl brandgefährdeter Hochhäuser in Großbritannien steigt

Kommentare