Rücktritte bei der BBC als Folge von Hutton-Bericht

- London - Nach der scharfen Kritik an ihrer Berichterstattung in der «Kelly-Affäre» ist die oberste Führungsspitze der britischen Rundfunk-und Fernsehgesellschaft BBC zurückgetreten. Gleichzeitig entschuldigte sie sich bei der Regierung von Premierminister Tony Blair. Der Generaldirektor und Chefredakteur der BBC, Greg Dyke, trat am Donnerstag von seinem Posten zurück.

Schon am Mittwochabend hatte der Vorsitzende des höchsten Aufsichtsgremiums der BBC, Gavyn Davies, sein Amt niedergelegt. «Die BBC entschuldigt sich für ihre Fehler bei den Personen, deren Ruf davon betroffen wurde», hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Senders.

Premierminister Blair, der noch kurz zuvor erneut auf eine förmliche Entschuldigung gedrungen hatte, sagte: «Das ist alles, was ich immer nur wollte.» Er habe «vollen Respekt für die Unabhängigkeit der BBC» und hoffe, dass nun ein Schlussstrich unter die ganze Affäre gezogen werden könne. Sowohl Davies als auch Dyke sind erklärte Anhänger der Labour-Regierung von Blair.

Nach einer Krisensitzung des Gouverneurrats der BBC sagte Dyke (56), er habe sich nach vier Jahren bei der BBC «schweren Herzens» zu seinem Rücktritt entschlossen. Auch er hoffe, dass «diese ganze Episode» jetzt beendet werden könne. Dyke hatte sich schon kurz nach der Veröffentlichung des Berichts zur Untersuchung des Selbstmords des Waffenexperten David Kelly am Vortag dafür entschuldigt, dass in einem BBC-Rundfunkbericht über die Massenvernichtungswaffen des Irak «teilweise falsche Angaben» gemacht worden seien.

Hintergrund ist der Streit über einen Bericht des BBC-Reporters Andrew Gilligan, in dem der Regierung vorgeworfen worden war, in ihrem Irak-Waffendossier die Bedrohung durch die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein vor dem Irak-Krieg «aufgebauscht» zu haben. Kelly sollte dafür die Quelle gewesen sein. Er nahm sich im Verlauf des Streits im vergangenen Juli das Leben. Lord Hutton hatte die Anschuldigungen der BBC gegen die Regierung in als «unbegründet» verworfen.

Lord Hutton kündigte unterdessen eine separate Untersuchung darüber an, wie das britische Massenblatt «The Sun» am Vorabend der Veröffentlichung seines streng geheimen Berichts an Auszüge gelangt war. Nach einem Bericht des «Guardian» (Donnerstagsausgabe) wurde dem politischen Redakteur der «Sun», Trevor Kavanagh, das Dokument von einer Privatdruckerei in London zugespielt. Hutton hatte sich über das «Leck» höchst verärgert gezeigt.

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