Moskau: Einheimische und Touristen machen vor dem Kreml am Roten Platz einen Abendspaziergang
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Der Kreml am Roten Platz in Moskau

Der größte Staat der Welt

Russland: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Russland bedeckt alleine 11 Prozent der gesamten Landfläche der Erde. Es dehnt sich von den dicht besiedelten, landschaftlich intensiv genutzten Regionen Europas über die Steppen Zentralasiens bis zum menschenleeren, schneebedeckten Sibirien und der Halbinsel Kamtschatka aus.

  • Russland ist mit über 17.000 Quadratkilometern das größte Land der Welt.
  • Der moderne Staat Russland ging 1992 aus der zerfallenen Sowjetunion hervor.
  • Sein offizieller Name lautet auf Russisch Russländische Föderation.

Moskau – Das moderne Russland blickt auf eine turbulente jüngere Vergangenheit und mehrere enorme gesellschaftliche Umbrüche zurück. Seit dem Ende der Sowjetunion erlebte der Staat eine rasante Modernisierung und sucht heute seine Position in der globalen Welt.

Russland: Die frühe Geschichte

Bedingt durch die Größe des Landes lebten schon in der Frühzeit zahlreiche verschiedene Völker im heutigen Russland. Am Schwarzen Meer gründeten die Griechen in der Antike Kolonien, während der Kaukasus von nomadischen Reitervölkern wie den Skythen und Sarmaten beherrscht wurde. Zu diesen gehörten vermutlich die kriegerischen Damen, die bei den Griechen als Amazonen in die Geschichte eingingen.

Als erster Vorläufer des heutigen Russlands gilt die Kiewer Rus, das erste ostslawische Reich, dessen Fläche in etwa das heutige Belarus, die Ukraine und das westliche Russland bis zum Ural umfasste. Ihre größte Blüte und Ausdehnung erlebte die Kiewer Rus im 10. Jahrhundert. Allerdings konnte sich der Vielvölkerstaat nicht lange halten. Er war immer wieder Angriffen von außen und internen Konflikten ausgesetzt.

Russland und die Mongolen

Unter Dschingis Khan hatten die Mongolen erste erfolgreiche Feldzüge gen Westen unternommen. Sein Enkel Batu Khan führte die Expansionspolitik fort und eroberte große Teile der Kiewer Rus. Seine Kriegszüge ab 1237 gingen als Mongolensturm in die russische Geschichte ein. Er begründete die Goldene Horde, ein Khanat, das sich von der Krim im Westen bis an die chinesische Grenze im Osten erstreckte.

Lediglich der Norden um Nowgorod konnte sich als Republik eine weitgehende Selbstständigkeit erhalten. Allerdings weckte die schwache Position Begehrlichkeiten des Deutschen Ordens und der Schweden. Beide wurden in der Schlacht an der Newa 1240 von Alexander Newski und seinen Truppen zurückgeschlagen. Newski gilt heute als Nationalheld von Russland und wurde von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Russland: Das Reich der Zaren

Der Goldenen Horde gegenüber blieb Newski tributpflichtig. Dafür erhielt sein jüngster Sohn Daniil Alexandrowitsch das kleine Teilfürstentum Moskau als Lehen, das damals noch unbedeutend war. Geschickt vergrößerte er seinen Machtbereich immer weiter und baute Moskau zur Residenzstadt aus. Dabei profitierte er vom allmählichen Zerfall des Mongolenreiches und dem Ende der Goldenen Horde. Im 14. Jahrhundert kam es zum Machtkampf zwischen dem orthodoxen Moskauer Reich und dem westlich angrenzenden katholischen Königreich Litauen. Der siegreiche Iwan III. erklärte sich 1503 zum Großfürsten von ganz Russland. Er begann mit dem Bau des Moskauer Kremls in seiner heutigen Form und machte den Doppeladler zu seinem Symbol. Er führte auch den Titel Zar ein, der sich aus dem lateinischen „Caesar“ und dem griechischen „Kaisar“ ableitete.

Russland bis zum Ende des Zarenreiches

In den folgenden Jahrhunderten dehnten die Zaren die Macht weit über die früheren Stammgebiete der Kiewer Rus bis an den Pazifik und ans Schwarze Meer aus. 1613 kam mit Michael Fjodorowitsch der erste Romanow auf den Thron. Unter seinem Enkel Peter der Große entwickelte sich Russland zur europäischen Großmacht. Er gründete die nach ihm benannte Stadt St. Petersburg als neue Hauptstadt.

1762 gelangte Katharina die Große nach einer Intrige gegen ihren Mann Zar Peter III. an die Macht. Auch sie führte zahlreiche Modernisierungen durch und fügte dem russischen Reich durch Kriege gegen die Osmanen neue Territorien hinzu. Im Jahr 1812 marschierte Napoleon in Russland ein und kam erst vor Moskau zum Stehen. Zar Alexander I. drängte die französischen Truppen bis Deutschland zurück und wurde als Retter Europas gefeiert.

Allerdings geriet Russland im Zeitalter der Industrialisierung ins Hintertreffen und galt als rückständig. Erst 1861 wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben. Radikalen Kräften genügten die Reformen nicht. Vor allem in den Großstädten gärte es. 1881 wurde Zar Alexander II. in St. Petersburg von einem jungen Revolutionär ermordet. Die folgende repressive Politik mündete in der ersten Russischen Revolution von 1905.

Russland als Teil der Sowjetunion

Hatte die erste Revolution 1905 noch nichts bewirkt, kam es im März 1917 unter Wladimir Iljitsch Lenin und den kommunistischen Bolschewiki zum Sturz der Monarchie. Wenige Monate später übernahmen die Kommunisten mit der Oktoberrevolution endgültig die Macht im Staat. Der letzte Zar Nikolaus II. wurde am 17. Juli 1918 mit seiner Familie in Jekaterinburg ermordet. Russland ging Ende 1922 in die Sowjetunion auf. Als Sowjet („Rat“) wurden zunächst die demokratischen Arbeiter- und Soldatenräte bezeichnet, die jedoch schon bald von Bolschewiki entmachtet wurden.

Die Nachfolge des verstorbenen Lenin trat 1924 Josef Stalin an, der die Sowjetunion mit Terror und Säuberungsaktionen überzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA, unter dem auch das in eine pro-amerikanische westliche Hälfte und eine pro-sowjetische östliche Hälfte geteilte Europa litt. Der 1985 an die Macht gekommene Michail Gorbatschow öffnete die Sowjetunion erstmals vorsichtig und reformierte den Staat. In den sowjetischen Teilstaaten kam es zu offenen Rebellionen, die schließlich in der Auflösung der Sowjetunion resultierten.

Russland und seine Politik heute

Seit 1993 ist Russland ein demokratischer föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der direkt von der Bevölkerung gewählt wird. Seit 1999 bekleidet Wladimir Putin dieses Amt. Er hatte es nach dem Rücktritt von Boris Jelzin zunächst kommissarisch übernommen und gewann die folgende Präsidentschaftswahl am 26. März 2000 mit 52,9 Prozent der Stimmen.

An der Spitze der Regierung steht der Ministerpräsident von Russland. Der jeweilige Kandidat wird vom Staatspräsidenten vorgeschlagen und vom russischen Parlament, der Duma, gewählt. Aktueller Ministerpräsident ist seit 16. Januar 2020 Michail Mischustin, der zuvor die russische Steuerbehörde geleitet hatte.

Die von Staatsoberhaupt Putin betriebene Politik ist nicht unumstritten. So ist die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Religiöse Minderheiten sind ebenso von Diskriminierung betroffen wie Homosexuelle. Korruption ist ein weiteres Problem.

Russland: Bevölkerung und Sprache

Die Bevölkerungszahl von Russland ist seit Jahren rückläufig. Zu den Ursachen gehören eine deutlich gesunkene Geburtenrate, Auswanderung und eine überdurchschnittlich hohe Sterberate unter der männlichen Bevölkerung. Zum Teil werden diese durch Einwanderung aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken ausgeglichen.

Die wichtigsten Volksgruppen im Überblick (Stand 2010):

RangVolksgruppeAnzahlProzentualer Anteil an der Bevölkerung
1Russen111.016.89680,9
2Tataren5.310.6493,9
3Ukrainer1.927.8881,4
4Baschkiren1.584.5541,15
5Tschuwaschen1.435.0941,05

Einzige offizielle Amtssprache im Staat ist Russisch. In den autonomen Regionen von Russland wird die jeweilige eigene Sprache als zweite Amtssprache genutzt. So wird zum Beispiel in der Republik Tatarstan die Turksprache Tatarisch gesprochen.

Russland: Geografie und Städte

Aufgrund der immensen Ausdehnung besitzt Russland eine sehr vielfältige Geografie und erstreckt sich über elf Zeitzonen. Bis zum Ural dehnt sich die dicht besiedelte osteuropäische Ebene aus, in der etwa 70 Prozent der russischen Bevölkerung leben. Der Norden wird vom Sibirischen Tiefland geprägt, das im Osten in Gebirge übergeht. Der 5.642 Meter hohe Elbrus im Kaukasus ist der höchste Berg von Russland. Seit den 80er-Jahren bemüht sich der Staat um mehr Naturschutz. Geschützt wird unter anderem der Baikalsee, der älteste, tiefste und wasserreichste Süßwassersee der Welt.

Die größten russischen Städte im Überblick (Stand 2017):

RangNameBevölkerungszahl
1Moskau12.228.685
2St. Petersburg5.281.579
3Nowosibirsk1.602.915
4Jekaterinburg1.455.514
5Nischni Nowgorod1.261.666

Mit über 15 Millionen Einwohnern ist der Großraum Moskau die größte Agglomeration Europas. Die Stadt besitzt mit dem 540 Meter hohen Ostankino-Turm außerdem das höchste Bauwerk Europas. Berühmte Sehenswürdigkeiten sind der Kreml und der benachbarte Rote Platz mit der Basilius-Kathedrale.

Die Hauptstadt ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Russlands, steht jedoch touristisch im Schatten der alten Zarenstadt St. Petersburg. Diese ist berühmt für ihre Schlösser wie den Peterhof, den Katharinenpalast mit dem (nachgebildeten) Bernsteinzimmer und den Winterpalast an der Newa. Dieser beherbergt die Eremitage, eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt.

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