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Polizisten in Moskau (Archivbild). Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen ist in Russland ein Journalist überfallen und zusammengeschlagen worden.

Russland: Wieder Überfall auf Journalist

Moskau - Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen ist in Russland ein Journalist überfallen und zusammengeschlagen worden.

Zwei Unbekannte verprügelten am frühen Montagmorgen Anatoli Adamtschuk, der als Reporter für die Regionalzeitung “Schukowski Westi“ in der Metropolregion Moskau tätig ist, wie die Polizei mitteilte. Der Mann wurde mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Zwei Tage zuvor, am Samstag, gab es einen brutalen Überfall auf den Journalisten der auflagenstarken Tageszeitung “Kommersant“, Oleg Kaschin, der mit Kopfverletzungen, einem zerschmetterten Kiefer, einem gebrochenen Bein und einem fehlenden Glied seines kleinen Fingers ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Reporter musste in ein künstliches Koma versetzt werden.

Immer wieder gibt es in Russland Überfälle auf Journalisten und Aktivisten. Meistens werden die Angreifer nicht festgenommen. Jedoch hat der erste Angriff vom Samstag für Aufsehen gesorgt und Präsident Dmitri Medwedew auf den Plan gerufen, der verlangte, die Täter müssten gefunden und bestraft werden. Medwedew sagte am Montag, es sei offensichtlich, dass Kaschin wegen seiner Arbeit angegriffen wurde. “So werden keine Brieftaschen geklaut.“ Zu den Hintergründen der Taten gibt es keine eindeutigen Hinweise. Jedoch berichteten beide Reporter über Kampagnen zum Schutz von Wäldern vor den Toren Moskaus, deren Bäume Straßenbauprojekt weichen sollen. Der Straßenbausektor in Russland gilt als besonders korrupt, mit großen Verdienstmöglichkeiten für die beteiligten Beamten und Geschäftsleute.

Über 50 Schläge

Auf dem Videoportal Youtube tauchten am Montag Aufnahmen einer Sicherheitskamera auf, die angeblich den Angriff auf Kaschin zeigen. Auf den grobkörnigen Bildern ist ein Mann mit einem Blumenstrauß zu sehen, der Kaschin ins Gesicht schlägt. Daraufhin tritt ein zweiter Mann hinzu und gemeinsam schlagen sie mindestens 50 Mal auf den Journalisten ein. Nachdem die Angreifer geflohen sind, ist zu sehen, wie das Opfer vergeblich versucht aufzustehen. Kaschin berichtete unter anderem über Umweltschützer und Aktivisten, die sich gegen die Abholzung eines Waldes in Chimki nahe Moskau einsetzten. Teile des Waldes sollen einer neuen Schnellstraße weichen. Präsident Medwedew setzte den Bau im August aus, eine endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen steht aber noch aus. Doch der Erfolg in Chimki hat ähnlichen Protestbewegungen Auftrieb gegeben.

Adamtschuks Zeitung veröffentlichte kritische Artikel über ein ähnliches Straßenprojekt in Schukowski, das ebenfalls durch ein Waldgebiet führen soll. In der vergangenen Woche berichtete Adamtschuk über eine Gruppe von Schulkindern, die von der Polizei festgenommen wurden, nachdem sie grüne Bänder um Bäume gebunden haben. Kaschin führte im August ein Interview mit einem Blogger, der sich selbst als Anführer einer Protestgruppe gegen das Chimki-Projekt bezeichnete. Die kremltreue Jugendorganisation “Junge Garde“ veröffentlichte anschließend auf ihrer Webseite einen Artikel unter der Überschrift “Verräterische Journalisten müssen bestraft werden“. Darin vertrat sie die Auffassung, Journalisten müssten Kriminelle ihrer Strafe zuführen, statt sie zu interviewen. Nach dem Angriff auf Kaschin distanzierte sich die Organisation an gleicher Stelle von jeglicher Gewalt und nannte den Überfall einen “barbarischen Angriff“.

dapd

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