Saddam-Vize soll bald gehängt werden

- Bagdad/Kairo - Der ursprünglich zu lebenslanger Haft verurteilte irakische Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan soll in spätestens fünf Wochen gehängt werden. Das gab ein Vertreter des Sondertribunals für die Verbrechen des alten Regimes in Bagdad bekannt.

In Bagdad und Kirkuk starben bei Terroranschlägen mindestens 32 Menschen. Der schwerste Anschlag ereignete sich in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City.

Oberstaatsanwalt Dschafer al-Mussawi sagte der arabischen Zeitung «Al-Hayat» (Mittwochausgabe): «Im Dudschail-Prozess wird es nur noch eine Sitzung geben und zwar am 25. Januar, um das Todesurteil gegen Taha Jassin Ramadan zu verkünden.» Danach müsse die Todesstrafe innerhalb von 30 Tagen vollstreckt werden. Das Sondertribunal hatte in einem Berufungsverfahren entschieden, die Haftstrafe für Ramadan sei «zu mild» gewesen.

In dem Prozess wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten in der Kleinstadt Dudschail waren am 5. November Ex-Präsident Saddam Hussein, dessen Halbbruder Barsan al-Tikriti und der frühere Richter Awad al-Bandar zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Alle drei wurden inzwischen hingerichtet. Ramadan erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Drei weitere Angeklagte wurden zu je 15 Jahren Haft verurteilt.

Nach dem Statut des Sondertribunals für die Verbrechen des alten Regimes werden automatisch alle Todesurteile und alle lebenslangen Haftstrafen von einer Berufungskammer überprüft. Die Umstände der Hinrichtung von Saddam und seinen zwei Gefolgsleuten waren international scharf kritisiert worden. US-Präsident George W. Bush sagte in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview des Fernsehsenders PBS, die Vollstreckung der Todesurteile habe auf Grund der Umstände gewirkt als seien es «Rachemorde».

Arabische Mitglieder von Saddams Verteidigungsteam erklärten am Mittwoch in Jordanien, Saddams Halbbruder und der Ex-Richter Al-Bandar seien am vergangenen Montag nicht hingerichtet, sondern «gefoltert und getötet» worden. Sie forderten eine internationale Untersuchung. Die irakische Regierung hatte erklärt, bei der Hinrichtung am Galgen habe sich Barsans Kopf vom Körper gelöst.

Zwei Bomben explodierten am Mittwoch auf einem Markt in der Sadr-City. Nach Polizeiangaben starben 17 Menschen. In der nordirakischen Stadt Kirkuk explodierte ein Sprengsatz vor einer Polizeiwache. Gefechte zwischen irakischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen wurden aus der berüchtigten Haifa-Straße im Zentrum von Bagdad gemeldet.

Am Dienstag waren bei einer Anschlagserie in Bagdad mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter 60 Studenten der Mustansirija-Universität. Die Uni blieb am Mittwoch geschlossen. Andere Hochschulen waren nach Angaben von Augenzeugen geöffnet, allerdings blieben viele Studenten aus Furcht vor weiteren Anschlägen den Vorlesungen fern.

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