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El Sadr gibt Ali-Moschee auf

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- Nadschaf - Der radikale schiitische Prediger Muktada el Sadr und hunderte seiner Milizionäre haben die von ihnen vor zwei Wochen besetzte Imam-Ali-Moschee in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf verlassen. Das Innenministerium in Bagdad und Augenzeugen berichteten, niemand habe Widerstand geleistet, als irakische Polizisten und Soldaten in den heiligen Bezirk eindrangen. "Es war kein einziger Schuss zu hören", sagte ein Augenzeuge.

Außerhalb des heiligen Bezirks kam es jedoch anschließend zu neuen Gefechten. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die irakischen Sicherheitskräfte hätten noch keine Kontrolle über die Moschee. El Sadr zeigte sich unnachgiebig. Er werde seine Milizen auf keinen Fall entwaffnen.

Die Kämpfer der "Mahdi-Armee" hätten die Moschee noch vor der Ankunft der irakischen Sicherheitskräfte verlassen, hieß es. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe 425 Kämpfer festgenommen. Weitere Milizionäre hätten fliehen können. El Sadr hatte seine Anhänger angewiesen, die Schlüssel zur Imam-Ali-Moschee den schiitischen Religionsgelehrten der Stadt zu übergeben. Die US-Armee, die zuvor Stellungen der Milizionäre in der Altstadt bombardiert hatte, war an der Operation nicht beteiligt. In der Moschee hatten sich zuletzt noch rund 700 Kämpfer aufgehalten.

El Sadr erklärte, er habe sich entschlossen, die Moschee-Schlüssel zu übergeben, um zu verhindern, "dass dieser heilige Ort durch die Besatzungstruppen entweiht wird und damit keine ungläubigen amerikanischen Soldaten ihn betreten".

Der radikale Prediger erklärte weiter, er werde der Forderung der Übergangsregierung in Bagdad, seine Miliz aufzulösen, auf keinen Fall Folge leisten. Er rief seinen Anhängern zu: "Vertreibt diese Ungläubigen mit aller Kraft, die euch zur Verfügung steht!" An die Adresse des Ministerpräsidenten der Übergangsregierung, Ijad Allawi, der ihn aufgefordert hatte, den bewaffneten Widerstand aufzugeben und stattdessen bei den Wahlen zu kandidieren, sagte er: "Ich habe mich am politischen Prozess in einem besetzten Irak nicht beteiligt und werde dies auch künftig nicht tun." Innenminister Falah el Nakib sagte auf die Frage, wo sich El Sadr nun aufhalte: "Darüber haben wir keine Informationen."

Bei der nächtlichen Bombardierung von Stellungen seiner Miliz in Nadschaf waren rund 70 Iraker ums Leben gekommen, darunter nach Angaben von Ärzten 18 Zivilisten. In der Altstadt seien sechs Häuser und zwei Pilgerhotels zerstört worden.

Bei US-Luftangriffen im westirakischen Falludscha starben nach Klinikangaben vier Menschen. Augenzeugen berichteten, die Amerikaner hätten Ziele in drei Stadtvierteln bombardiert. Die US-Armee in Falludscha teilte mit, in der Provinz El Anbar seien zwei amerikanische Soldaten getötet worden. Auch in Bagdads Armen-Vorstadt Sadr-City, die zum Teil von El Sadrs "Mahdi-Armee" kontrolliert wird, gab es bei Kämpfen zwischen Milizionären und US-Soldaten Tote.


 

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