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Der ultrakonservative Prediger Pierre Vogel und die Salafisten rekrutieren viele neue Anhänger in Deutschland.

"Streetworker" in Pluderhose

Vorsicht! So rekrutieren Salafisten neue Anhänger

Nürnberg - In Deutschland gewinnen Salafisten immer mehr Anhänger. Sie erklären mit einfachen Mitteln den sinnsuchenden Jugendlichen die Welt und bieten ihnen eine Perspektive.

Manche Prediger sprechen sie einfach auf der Straße an, andere suchen den Kontakt zu jungen Leuten in der Moschee oder nutzen dazu Facebook - es gibt viele Wege, wie Prediger der radikal-islamistischen Salafisten-Szene ihre Anhänger in Deutschland rekrutieren. Und oft haben sie dabei Erfolg, wie Claudia Dantschke berichtet. Die Leiterin der Berliner Beratungsstelle „Hayat“ (Leben) berät seit 2012 Angehörige von jenen, die in die radikale islamistische Szene abgedriftet sind. Seit 2012 hat sie 73 Fälle mit ihrem Team betreut - 18 Fälle davon sind bereits abgeschlossen.

Oft kommt die Hilfe der Arabistin gerade noch rechtzeitig, in manchen Fällen muss aber auch Dantschke passen - vor allem, wenn die Entfremdung von Freunden oder Familie schon weit fortgeschritten ist. Denn die „Stabilisierung“ der jungen Leute ist oft ein langer Prozess, der nur gemeinsam mit der Familie oder engen Vertrauten der Betroffenen gelingen kann.

Eine Bilanz ihrer Arbeit wollte Dantschke an diesem Dienstag bei einer Tagung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Nürnberg ziehen. Dem von der Bundesbehörde aufgebauten Beratungsnetzwerk gehört auch „Hayat“ an.

Anhänger schließen sich Dschihadisten an

Der vielleicht wichtigste Nebeneffekt ihrer langjährigen Arbeit und ihrer guten Kontakte in die Islam-Szene: Dantschke weiß inzwischen ziemlich gut, mit welchen Methoden die Prediger junge Leute für ihre Weltdeutung gewinnen. Einigen dieser jungen Leute genügt es, sich von der „ungläubigen und verdorbenen“ Gesellschaft abzugrenzen, andere werden nach und nach zu fanatischen Anhängern. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Berlin oder Hessen gewinnt diese Szene immer mehr Anhänger. Immer mehr reisen über Drittstaaten nach Syrien, um sich dort den Dschihadisten anzuschließen.

Manche salafistische Prediger arbeiteten wie Streetworker, berichtet Dantschke. Vor allem in großen Städten gingen sie gezielt auf junge Männer zu. Die Prediger verwickelten sie in Gespräche, in denen es anfangs oft überhaupt nicht um Religion gehe. „Die salafistischen Prediger sind oft die perfekten Sozialarbeiter, die geduldig zuhören und sich mit den Nöten der Jugendlichen intensiv auseinandersetzen“, berichtet die Berliner Beraterin. Nur dass sie in der Regel statt Jeans Pluderhosen, Häkelkappen und lange Bärte tragen.

Ähnlich sehen das auch Verfassungsschützer. „Die salafistische Ideologie wird zunehmend professionell verbreitet. Salafisten sind weiterhin im Internet sehr präsent“, heißt es in einem aktuellen Newsletter des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Wenig religiöse Menschen sind fasziniert

Dantschke weiß: Gerade junge Leute mit geringerer religiöser Vorbildung sind oft fasziniert von den einfachen Mustern, mit denen die Prediger die Welt deuten. Menschen, mit denen die jungen Leute Probleme haben, werden zu „Feinden des wahren Islams“ gestempelt. Konflikte in Schule oder Lehre gerieten zu „Prüfungen Allahs“ - verbunden mit vollmundigen Jenseits-Verheißungen, wenn man standhaft auf dem „richtigen Weg“ bleibe, berichtet sie.

Zugleich erfahren die Umworbenen mit ihrer Zugehörigkeit zur salafistischen Glaubensgemeinschaft eine nie gekanntes Gefühl der Akzeptanz, der Aufwertung und Wertschätzung, wie Dantschke schildert. „Ihnen wird eröffnet, dass sie jetzt zu einer weltweiten Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern gehörten.“ Und innerhalb dieser Gemeinschaft gehören sie nun zu den Besten und Wahrhaftigsten.

Nach Dantschkes Erfahrungen sind die von der Salafisten-Szene Rekrutierten meist zwischen 15 und 28 Jahre alt. „Vor allem die schwierige Phase, in der junge Leute am Übergang vom Jugendlichen- zum Erwachsenen-Alter sind, macht sie ansprechbar“, berichtet Dantschke. Viele hätten auch ständig Probleme mit den Eltern, Schule oder Freunden. Manche fühlten sich ausgegrenzt, manche sogar in der Schule gemobbt und sehnten sich nach Akzeptanz und Anerkennung. In einigen Fällen habe auch der Verlust des Vaters nach einer Scheidung der Eltern die islamistische Radikalisierung begünstigt.

dpa

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