Familie bettelt um Gnade

Altem Mann drohen 350 Peitschenhiebe wegen Alkoholbesitzes

Riad - Drakonische körperliche Strafen in Saudi-Arabien schockieren immer wieder. Auch einem britischen Senioren drohen wohl Peitschenhiebe. Seine Familie fürchtet deshalb um sein Leben.

Die Familie eines 74-jährigen Briten, dem in Saudi-Arabien Peitschenhiebe wegen illegalen Alkoholbesitzes drohen sollen, hat die saudischen Behörden öffentlich um Gnade gebeten. „Ich kann nicht glauben, dass sie das an einem alten Mann vollstrecken, denn er würde es nicht überleben“, sagte seine Tochter am Dienstag der BBC. Viele Anwälte wollten den Fall nicht übernehmen, weil der in Saudi-Arabien illegale Alkohol im Spiel sei. Nach verschiedenen Informationen britischer Medien drohen dem siebenfachen Großvater 350 oder 360 Peitschenhiebe. Er soll Flaschen mit hausgemachten Wein im Auto transportiert haben und dabei erwischt worden sein.

Der Familie zufolge war der Mann vergangenes Jahr festgenommen und neben den Peitschenhieben auch zu 12 Monaten Haft verurteilt worden. „Sie haben hier Gesetze, und die muss man befolgen“, sagte der Sohn des Briten der BBC. „Aber er hat seine Zeit jetzt abgesessen und sollte entlassen werden.“ Anders als zunächst angenommen sei nun doch zu befürchten, dass auch die körperliche Strafe vollstreckt werde.

Britischer Premier will sich einschalten

Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigte am Dienstag an, wegen dieses „extrem besorgniserregendes Falls“ nach Saudi-Arabien zu schreiben. Dem Außenministerium in London zufolge haben sich bereits Regierungsvertreter verschiedener Ebenen für den Briten eingesetzt. Dass Großbritannien am Dienstag auch ein Angebot zur Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich mit Saudi-Arabien zurückzog, habe aber nichts mit dem Fall zu tun, sagte ein Regierungssprecher.

Die britische Botschaft stehe dem Inhaftierten zudem vor Ort bei, sagte ein Ministeriumssprecher. Mitarbeiter besuchten ihn regelmäßig, um zu sehen, wie es ihm gehe, und ermöglichten Kontakt mit Anwälten und der Familie. „Wir arbeiten aktiv daran, dass er so schnell wie möglich entlassen wird“, sagte der Sprecher, äußerte sich aber auf Nachfrage nicht zum Strafmaß. Aus Saudi-Arabien waren keine offiziellen Angaben zu dem Fall verfügbar.

Gesundheitszustand des Mannes ist ohnehin kritisch

Der Mann war in der Ölbranche tätig und lebt seit rund 25 Jahren in Saudi-Arabien, wie seine Angehörigen erläutern. Er soll bereits drei Krebserkrankungen überstanden haben und an Asthma leiden. „Es geht ihm nicht sehr gut“, sagte seine Tochter, auch wenn er in guter geistiger Verfassung sei. Der Sohn des Mannes berichtete außerdem, seine Mutter sei demenzkrank und ihr Zustand verschlechtere sich schnell. „Er will dringend zurückkommen und sie sehen“, sagte er.

Die drakonischen Strafen der saudischen Justiz schockieren immer wieder: So etwa 1000 Stockschläge, zehn Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe für den 31-jährigen Raif Badawi, der kritische Blog-Beiträge veröffentlicht hat. Selbst sein Anwalt wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Fall hat weltweit Proteste ausgelöst.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/Archiv

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