Kind hatte seinen Ausweis nicht dabei

Unfassbar: Schaffnerin wirft schwerbehinderten Jungen aus dem Zug

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Auf der Strecke Frankfurt (Oder) - Magdeburg ist am Sonntagnachmittag ein schwerbehindertes Kind ohne Fahrschein des Zuges verwiesen worden. Die Bahn bedauert das Vorgehen der Schaffnerin. 

Am Sonntagnachmittag soll auf der Strecke des RE1 von Frankfurt (Oder) nach Magdeburg eine Zugbegleiterin ein minderjähriges Kind des Zuges verwiesen haben. Das berichtet der Tagesspiegel. Demnach habe der Teenager den Zug verlassen müssen, da seine Fahrpapiere unvollständig gewesen sein sollen. Das berichtete zumindest die Mutter des Kindes der Zeitung. 

Das 13-Jährige Kind hat dem Bericht zufolge das Wochenende bei seiner Tante in Frankfurt verbracht, wollte am Sonntag zurück nach Berlin, wo seine Mutter es am Bahnhof Alexanderplatz abholen sollte. Der Junge sei zu 80 Prozent schwerbehindert, habe den entsprechenden Ausweis aber nicht mit sich geführt. Einen Personalausweis und ein Foto des Schwerbehindertenausweises hatte er aber bei sich, das habe in den letzten Jahren „ohne Probleme“ funktioniert. 

Teenager reagiert besonnen

Rund 15 Minuten, nachdem der Zug den Frankfurter Bahnhof verlassen hatte, wurde der Teenager kontrolliert. Das Kind zeigte der Schaffnerin das Bild des Schwerbehindertenausweises, dieses wurde aber von ihr nicht akzeptiert. Der Junge habe dann angeboten, 20 Euro in bar zu zahlen. Aber auch das habe die Zugbegleiterin abgelehnt und auf ein erhöhtes Beförderungsentgelt bestanden. Den geforderten Betrag von 60 Euro konnte das Kind aber nicht aufbringen, schlug stattdessen vor, dass die Mutter am Zielbahnhof den Rest zahlen werde. Doch auch das lehnte die Mitarbeiterin der Bahn ab. 

Als der Zug um 14.21 Uhr dann den Bahnhof Fürstenwalde an der Spree erreichte, forderte die Schaffnerin den Jungen dazu auf, den Zug zu verlassen. Der Junge verfiel aber nicht in Panik, rief seine Mutter an. Diese war eigenen Angaben zufolge „schockiert“. Der 13-Jährige kaufte sich im Anschluss ein passendes Ticket und fuhr ohne weitere Probleme nach Berlin. 

Bahn: „Können uns nur entschuldigen“

Die Deutsche Bahn hat sich nun zu dem Vorfall geäußert. Dem Tagesspiegel bestätigte ein Pressesprecher der Bahn den Vorfall: Es liege ein „klares Fehlverhalten unserer Mitarbeiterin vor. Wir können uns hier nur entschuldigen“, so Burkhart Ahlert. Die Bahn verurteile das Verhalten der Schaffnerin, so der Pressesprecher, in keinem Fall hätte der Junge von der Fahrt ausgeschlossen werden dürfen. Die Deutsche Bahn hat vor zwei Jahren einen Leitfaden für ihre Mitarbeiter herausgegeben, wonach „Minderjährige nicht von der Fahrt ausgeschlossen werden dürfen“. 

Sollten Minderjährige ohne gültigen Fahrausweis kontrolliert werden, müssen die Personalien aufgenommen werden und der Bahn-Mitarbeiter einen Beleg für die Zahlung der Fahrpreisnacherhebung ausstellen. Dann darf das Kind weiterfahren. Ein Beförderungsentgelt darf demnach nicht verlangt werden. An diesen Leitfaden habe sich die Zugbegleiterin nicht gehalten. Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass der Fahrgast minderjährig sei, so der Bahn-Sprecher. 

Die Deutsche Bahn wolle nun daraus ihre Lehren ziehen, die Kundenbetreuer im Nahverkehr der Region Nordost sollen eine „Sonderbelehrung“ erhalten. Und auch eine persönliche Entschuldigung soll folgen, zudem bekäme die Familie einen Reisegutschein. 

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Rubriklistenbild: © dpa

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