Scharon zum dritten Mal notoperiert

Jerusalem - Mit einer dritten Notoperation haben israelische Ärzte am Freitag um das Leben von Ministerpräsident Ariel Scharon gekämpft.

Nach der fast fünfstündigen Behandlung sei die Situation Scharons "deutlich verbessert", sagte der Leiter des Krankenhauses, Schlomo Mor Josef, in Jerusalem auf Basis einer Computertomographie. Es gebe keinerlei Blutungen mehr, der Zustand des 77-Jährigen sei "ernst, aber stabil". Scharons Überlebenschancen seien gestiegen, zitierte das israelische Fernsehen einen Krankenhausvertreter. Der israelische Rundfunk berichtete, das Gehirn des Ministerpräsidenten habe mit dem Schlaganfall am Mittwoch einen nicht mehr heilbaren Schaden erlitten.

Scharon lag weiter im künstlichen Koma. Sein Gesundheitszustand war nach zwei Operationen mehr als 24 Stunden lang als "ernst, aber stabil" bezeichnet worden. Auch Vertraute rechneten aber nicht mehr mit der Rückkehr Scharons in sein Amt. Führende Vertreter von Scharons neuer Partei Kadima versammelten sich am Freitag, um über den künftigen Kurs zu beraten.

Am Mittwochabend hatte Scharon auf seiner Farm in der Negev-Wüste plötzlich über Unwohlsein und Druck in der Brust geklagt und war ins Krankenhaus gebracht worden. Scharon hatte bereits Mitte Dezember einen leichten Schlaganfall erlitten. Danach war er mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt worden.

Der Politiker Schimon Peres sagte nach einem Treffen mit dem amtierenden Regierungschef Ehud Olmert: "Ich habe das Gefühl, weder ich noch Ehud haben die Hoffnung, die Vision und die Möglichkeiten aufgegeben." Unterdessen wurde über Versuche aus dem rechtsgerichteten Likud-Block berichtet, zur Partei Kadima übergetretene Politiker zurückzugewinnen.

Kadima ist in der Gunst der Wähler unverändert stark. Israelische Medien veröffentlichten Meinungsumfragen, wonach Kadima auch mit anderen Politikern an der Spitze etwa 40 der 120 Sitze in der Knesset bekommen könnte. Die Welle der Sympathie für Scharon in Israel könne das Ergebnis aber beeinflusst haben, hieß es. In Israel sind für Ende März vorgezogenen Parlamentswahlen geplant.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte wegen des Zustands Scharons ihre geplante Asienreise ab. Sie habe entschieden, dass es unter den gegebenen Umständen besser sei, in Washington zu bleiben, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack.

Der Chef der palästinensischen Fatah-Partei im Gazastreifen, Abdallah Frangi, äußerte sich besorgt über die Entwicklung des Friedensprozesses im Nahen Osten. Scharon habe die radikalen politischen Kräfte in Israel kontrolliert und das Vertrauen der Bevölkerung erlangt, sagte Frangi in einem Interview des Deutschlandfunks.

Politiker in aller Welt übermittelten weiter Genesungswünsche an Scharon. Die Bundesregierung in Berlin sieht angesichts der Entwicklung in Israel keinen Anlass zur Änderung ihrer Nahostpolitik. Das sagte Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag.

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