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Eine Villa im Stadtteil Scherpur. "Der Markt bewegt sich gegen Null", sagt ein Makler.

52 Zimmer!

So eine Villa will sich keiner leisten

Kabul - Vielarmige Kronleuchter, mächtige Adler-Skulpturen, protzige Kolonnaden - willkommen im Beverly Hills von Kabul, wo Neureiche neben einstigen Warlords residieren.

In der afghanischen Hauptstadt, die von 35 Jahren Krieg gezeichnet ist, wirken die bonbonfarbenen Zuckerbäcker-Villen im Stadtteil Scherpur erschreckend deplaziert. Gebaut wurden viele wohl mit Gewinnen aus dem Opium-Boom, Bestechungs- oder sogar internationalen Hilfsgeldern.

"Überlegen Sie 'mal: Wie kann sich ein Regierungsbeamter mit einem Monatsgehalt von 2000 Dollar eine 2,5 Millionen-Dollar-Luxus-Villa leisten, wenn das Grundstück allein schon eine Million Dollar wert ist?", sagt der Makler Baschir Omar. "Man muss sich fragen: Wo kommt ihr Wohlstand her?" Manche der Häuser erzielen Monatsmieten bis zu 60.000 Dollar (Rund 53.000 Euro).

Viele vermuten, dass das Geld aus Afghanistans blühender Opium-Produktion stammt. Die Vereinten Nationen schätzen den Umsatz auf umgerechnet 2,67 Milliarden Euro pro Jahr. Entstanden sind die "Mohnpaläste" während des Baubooms nach der US-geführten Invasion 2001. Noch vor zwei Jahren waren sie doppelt so viel wert angesichts der großen Nachfrage ausländischer Vertragsnehmer, Hilfsorganisationen und Sicherheitsfirmen nach Luxus-Wohnraum.

Doch seit dem Ende des 13-jährigen Nato-Kampfeinsatzes verlassen viele Ausländer das Land - und die Angst vor einer Rückkehr der Taliban schickte die Mieten auf Talfahrt. "Zu vermieten"-Schilder sind in Scherpur inzwischen allgegenwärtig.

"Der Markt bewegt sich gegen Null", sagt der Makler Abdul Latif während einer Führung durch eine 52-Zimmer-Villa mit Rosengarten. Der Marmor- und Granitpalast ist seit fast sechs Monaten auf dem Markt. Der Besitzer würde sogar noch einen bombensicheren Schutzraum einbauen lassen, sagt Latif. Doch die Nachfrage nach solchen Immobilien hat einen Tiefpunkt erreicht: "Leute mit viel Geld verlassen Kabul."

Die leerstehenden Schlösschen in Scherpur symbolisieren den Zustand der afghanischen Wirtschaft, die seit 2001 mit Hunderten von Milliarden Dollar Finanzhilfen gestützt wurde. Seit die Nato-Truppen abzogen und die Zukunft unsicher erscheint, schrumpft sie. Die Neureichen brachten ihr Vermögen nach Dubai, in die Türkei, Pakistan und Indien in Sicherheit.

Mit dem Wegfall von Finanzhilfen und Investitionen erlebt die kriegsgeplagte Nation das, was Beobachter den Übergang von "einer Dollar- zu einer afghanischen Wirtschaft" nennen. Nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten macht vielen Afghanen vor allem die nun grassierende Arbeitslosigkeit Sorgen. Zyniker vergleichen das Land mit einem Komapatienten, der jahrelang an den Infusionen ausländischer Finanzhilfen hing und nun plötzlich ohne künstliche Ernährung gehen soll.

Doch die Protzvillen von Scherpur, für viele Symbole des Größenwahns, zeigen ein weiteres, verbreitetes Problem: die Korruption im Land. Viele Kabuler nennen das Gebiet "Scher-schur", die Beute des Löwen. Vor 2001 wohnten noch Flüchtlinge auf dem hügeligen Land. Doch ehemalige Warlords und Funktionäre ließen sie Menschenrechtlern zufolge 2003 mit Planierraupen vertreiben.

Ein kleiner Teil der Kabuler Elite, die "Millionäre des 11. September", raffte nach 2001 enorme Vermögen zusammen dank der milliardenschweren Finanzhilfen, meist als Vertragspartner von Militärstützpunkten und Hilfsorganisationen. Internationale Geber empörten sich über die Summen, die in privaten Taschen verschwanden, während Armut und Gewalt grassieren, vor allem in Taliban-kontrollierten, ländlichen Gebieten.

Die Schlösschen von Scherpur symbolisierten "nicht nur Straffreiheit, Korruption und Machtmissbrauch, sondern auch die starke Schichtenbildung der afghanischen Gesellschaft im vergangenen Jahrzehnt", erklärt Vanda Felbab-Brown, US-Expertin für illegale Wirtschaft in Konfliktgebieten. "Die Mohnpaläste stehen für die ungleiche Verteilung der Gewinne und Kosten des Krieges."

AFP

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