1. Startseite
  2. Welt

"Schießen, um zu töten"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- London - Die britische Polizei hat zwei der vier Rucksackbomber vom vergangenen Donnerstag identifiziert. Peter Clarke, Chef der Antiterroreinheit von Scotland Yard, nannte ihre Namen: Muktar Said Ibrahim alias Muktar Mohammed Said und Yasin Hassan Omar. Der 27-jährige Ibraihim sei kürzlich in einer Wohnung in London gewesen, die derzeit von Spezialisten durchsucht werde.

Clarke bestätigte außerdem, dass die Polizei in einem Londoner Park noch eine fünfte Bombe gleichen Typs gefunden habe. Alle Bomben hätten sich in durchsichtigen Plastiktonnen befunden. Clarke zeigte eine solche in Indien hergestellte Tonne während einer Pressekonferenz und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Diese Art von Tonnen sei in Großbritannien in etwa hundert Geschäften verkauft worden, sagte er. Außerdem veröffentlichte Scotland Yard neue Bilder der verhinderten Selbstmordattentäter von Überwachungskameras. Die Bomben der Täter hatten alle nicht gezündet.Nach Informationen des BBC-Fernsehens hat die Polizeieinheit, die die Anschläge untersucht, am Montag zwei weitere Männer festgenommen. Drei andere waren bereits in Haft. Bei ihnen handelt es sich jedoch nicht um Bombenleger.Die Polizei habe große Sorge, dass die verhinderten Selbstmordattentäter erneut zuschlagen könnten. Deshalb herrsche höchste Alarmbereitschaft. Inzwischen sollen laut "Times" noch mehr Scharfschützen in Zivil auf den Straßen der britischen Hauptstadt unterwegs sein.London hat sich durch den Terror grundlegend verändert, die Nerven liegen blank: Bewaffnete Polizisten erschießen in der U-Bahn einen Verdächtigen, der sich dann als unschuldig erweist. Vor dem Parlament stehen Beamte mit Maschinengewehren - all dies läuft dem traditionellen Bild der britischen Polizei völlig zuwider. In der Öffentlichkeit überwiegt immer noch die Vorstellung vom gutmütigen Bobby, der für den Notfall nur einen Gummiknüppel mit sich führt. Doch angesichts der jüngsten Terroranschläge scheint dieses Ideal der Vergangenheit anzugehören. Die Polizei in der Themse-Stadt sieht sich zu neuen Taktiken gezwungen.Von den 31 000 Beamten der Londoner Polizei haben lediglich 3000 die Lizenz, eine Waffe zu tragen. Dies zeigt, dass bewaffnete Polizisten in Großbritannien immer noch die Ausnahme sind. Aber für diese Beamten scheinen im Zuge der Terrorermittlungen neue Regeln zu gelten. Sollten sie bislang nur schießen, um einen Verdächtigen aufzuhalten - "shoot to stop" -, heißt die Devise jetzt offenbar "shoot to kill" - schießen, um zu töten.Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, sonst gerne das linke Gewissen der Labour-Partei, hat die Polizei nach der Kontroverse über die tödlichen Schüsse in der U-Bahn-Station von Stockwell verteidigt: "Wenn man es mit einem potenziellen Selbstmordattentäter zu tun hat, dann könnte er immer noch einen Sprengsatz zünden, solange er bei Bewusstsein ist. In diesen Fällen muss deshalb /shoot to kill/ zulässig sein."

Auch interessant

Kommentare