Toulouse: Wer tötete den Lehrer und seine Söhne?

Paris - Eine Anschlagsserie versetzt Frankreich in Angst und Schrecken. Ein ehemaliger Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad glaubt, die Verantwortlichen zu kennen.

Frankreich ist entsetzt über eine offensichtlich rassistisch-motivierte Mordserie: Ein Unbekannter hat am Montag drei Schüler und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen. Die Schüsse kamen aus der selben Waffe, mit der in der vergangenen Woche drei Soldaten getötet und einer schwer verletzt worden waren - ebenfalls in Toulouse und in der etwa 50 Kilometer entfernten Gemeinde Montauban.

Drei der Soldaten hatten Wurzeln in Nordafrika, einer war ein Schwarzer. Jedes Mal beschrieben Zeugen den Täter als einen schwarz gekleideten Mann, der auf einem Motorroller geflüchtet war.

Präsident Nicolas Sarkozy reiste umgehend nach Toulouse. Sarkozy, der sich in seiner Zeit als Innenminister für einen starken Staat im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus eingesetzt hatte, steht mitten im Wahlkampf. Auch sein sozialistischer Herausforderer François Hollande sagte alle Parteitermine ab und reiste nach Toulouse.

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Frankreich unter Schock: Schießerei vor jüdischer Schule

Frankreich geschockt: Schießerei vor jüdischer Schule

Sarkozy sprach von einer nationalen Tragödie. Der Wahlkampf wurde unterbrochen. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Terrorismus. Im ganzen Land wurde die Sicherheit vor jüdischen Einrichtungen verstärkt.

Vor Beginn des Unterrichts feuerte der Täter vor der Ozar-Hatorah-Schule auf einen 30-jähriger Religionslehrer und dessen beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren, wie Staatsanwalt Michel Valet mitteilte. Das dritte Opfer war nach den Angaben zehn Jahre alt.

Mit derselben großkalibrigen Waffe waren schon am 11. und 15. März zwei Anschläge auf Soldaten in Toulouse und in Montauban verübt worden. Der Täter habe auch denselben, als gestohlen gemeldeten PS-starken Motorroller für seine Flucht genutzt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittler. Völlig unklar sind dagegen die Hintergründe der Taten.

Bei dem Anschlag am Montag gab es mindestens einen Schwerverletzten - nach Informationen des TV-Senders BFM einen 17-Jährigen, der in Lebensgefahr schwebt.

Sarkozy ordnete für diesen Dienstag eine Schweigeminute um 11.00 Uhr zum Gedenken in allen Schulen an: „Es sind unser aller Kinder.“ Am Abend wollte er in Paris an einem Gedenkgottesdienst in einer Synagoge teilnehmen. Der Verband der jüdischen Studenten in Frankreich (UEJF) rief für den Abend zu einem Gedenkmarsch in der Hauptstadt auf.

Die Tat gilt als einer der mörderischsten Anschläge auf eine jüdische Einrichtung seit drei Jahrzehnten, als ein Überfallkommando im jüdischen Viertel in Paris in der Rue des Rosiers in einem Restaurant sechs Menschen tötete.

Innere Sicherheit wird zum Top-Thema im Wahlkampf

Die Anschläge bringen das Thema Innere Sicherheit im laufenden Präsidentenwahlkampf nach oben auf die Tagesordnung. Sarkozy hatte zuletzt rechtspopulistische Töne angeschlagen und vor zu vielen Ausländern im Land gewarnt. Für den Fall seiner Wiederwahl zieht er sogar ein Schließen der innereuropäischen Grenzen in Erwägung, um den Zustrom von Einwanderern zu begrenzen.

Bei den Anschlägen zuvor waren drei Soldaten nordafrikanischer Herkunft gestorben. Ein viertes Opfer - ein Franzose schwarzer Hautfarbe von der Karibikinsel Guadeloupe - schwebte noch in Lebensgefahr. Sarkozy sicherte zu, dass alles getan werde, um den Mörder schnell zu fassen. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Bei der Tat am Montagmorgen kurz vor Unterrichtsbeginn schoss der Unbekannte nach unbestätigten Berichten aus zwei Waffen um sich. Er eröffnete in dem Wohnviertel unvermittelt das Feuer auf eine Gruppe von Eltern und Schülern. Einige Kinder verfolgte er bis aufs Schulgelände.

Die kleine Alexia berichtete TV-Reportern über die traumatischen Ereignisse: „Ich bin am Morgen (an der Schule) angekommen, dann habe ich Schüsse gehört. Wir haben alle Angst gehabt.“ Der Täter habe aus nächster Nähe auf alles geschossen, was sich bewegt habe, betonte die Staatsanwaltschaft. Das Motiv des Täters ist noch völlig unklar. Polizeisprecher warnten vor voreiligen Spekulationen.

Innenminister Claude Guéant verurteilte die Tat nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP als antisemitisch. Er habe Anweisung gegeben, dass die zuständigen Behörden die jüdischen Einrichtungen, aber auch andere Glaubensgemeinschaften kontaktierten, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu erörtern. Er will die Ermittlungen zunächst vor Ort koordinieren.

In der Region geht nun die Angst vor weiteren Anschlägen um. Der Bürgermeister von Toulouse, Pierre Cohen, verwies im TV-Nachrichtensender BFM auf die Kaltblütigkeit des Täters. „Wir sind extrem beunruhigt“, sagte er.

Vertreter jüdischer Gemeinden und der jüdische Weltkongress äußerten sich schockiert. Dessen Präsident Ronald Lauder sprach von einem „verabscheuungswürdigen Terroranschlag“ und sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. Das israelische Außenministerium sprach von Entsetzen über die Nachrichten. Israels Botschafter in Frankreich wollte noch am Montag nach Toulouse reisen. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Außenminister Guido Westerwelle verurteilten den Anschlag.

dpa

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