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Schiller-Schädel in der Weimarer Fürstengruft nicht echt

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Weimar - Der Schädel im Sarg von Friedrich Schiller (1759- 1805) in der Weimarer Fürstengruft gehört nicht dem Dichter. 180 Jahre lang galt er als der echte Totenkopf des Denkers. Nun hat ein internationales Forscherteam eines der größten Rätsel in der Stadt der deutschen Klassik gelöst.

«Die DNA-Analyse hat zweifelsfrei geklärt, dass es sich nicht um den Schädel des Dichters handelt», sagte die Sprecherin der Klassik Stiftung, Julia Glesner, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Erbgut des vermeintlichen Schiller-Schädels war mit der DNA der engsten Verwandten des Dichters verglichen worden. Die Klassik Stiftung hat nun das Problem, wie sie damit umgeht, dass im Sarg nicht der Kopf des genialen Denkers liegt, sondern der eines Unbekannten.

Es hatte zuvor auch kritische Stimmen gegeben, die gewarnt hatten, die Totenruhe des in Weimar gestorbenen Dichters zu stören. Die Aura des Geheimnisvollen müsse nicht unbedingt neuen wissenschaftlichen Methoden geopfert werden, hieß es. Zumal es kurz zuvor in Österreich nach vergleichenden DNA-Untersuchungen mit dem fast als Reliquie angebeteten angeblichen Schädel von Wolfgang Amadeus Mozart eine herbe Enttäuschung gegeben hatte: Die Frage der Echtheit war nicht zu klären. Jetzt ist auch Weimar um eine Illusion ärmer.

Im Oktober 2006 hatte die Weimarer Stiftung gemeinsam mit dem Landesfunkhaus Thüringen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) das Projekt Projekt Friedrich-Schiller-Code gestartet. Der Sender hatte unter anderem die aufwendigen DNA-Analysen in Auftrag gegeben, die von zwei renommierten Instituten in Jena und Innsbruck vorgenommen wurden. Das Ergebnis: «Demnach stammt die DNA vom Schädel aus dem Sarkophag der Fürstengruft weder in der weiblichen noch in der männlichen Linie der Schiller-Familie mit den Vergleichspersonen überein.»

Friedrich Schiller war 1805 zunächst im Weimarer Kassengewölbe in einem Massengrab für angesehene Persönlichkeiten bestattet worden, die kein Familiengrab hatten. 21 Jahre nach seinem Tod wurde der Versuch unternommen, unter der Vielzahl von Toten die sterblichen Überreste des Dichters von «Wilhelm Tell» und «Die Räuber» zu bergen. In dem Gewölbe herrschte ein «Chaos von Moder und Fäulnis» bemerkte Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe nach seinen Bemühungen, die Gebeine Schillers anhand der Totenmaske zu identifizieren. Im September 1827 wurden sie in der neu errichteten Fürstengruft neben den Angehörigen der Weimarer Herzogfamilie beigesetzt. 1832 folgte sein Dichterfreund Johann Wolfgang Goethe.

Fast 100 Jahre später im Jahr 1911 wurde im Kassengewölbe ein zweiter Schädel geborgen und Schiller zugeordnet. Seitdem hat die Frage um die Echtheit der Schädel den Streit unter Wissenschaftlern immer wieder neu aufflammen lassen. Der Berliner Anthropologe Herbert Ullrich hatte 1959 den im Sarg liegenden Schädel als echt benannt. Zwei Jahre später kam der Moskauer Anthropologe und Archäologe Mikail Gerassimov noch einer Gesichtsrekonstruktion zu dem gleichen Schluss. Die jetzige DNA-Analyse zeigte weiterhin: Auch der bereits «ausgeschlossene» zweite Schädel gehörte nicht Schiller.

Untersucht wurden jetzt neben den beiden vermeintlichen Schiller-Schädeln unter anderem DNA-Material der in Meiningen beerdigten älteren Schwester sowie Schillers ältesten Sohnes Carl und seines Enkels Friedrich in Stuttgart, Eine Absage hatten die Klassik Stiftung und der MDR in Gerlingen (Baden-Württemberg) erhalten, wo Schillers jüngste Schwester und sein Vater liegen. Pfarrer Wilfried Braun hatte das Nein zur Exhumierung damit begründet, dass die Totenruhe höher zu bewerten sei als wissenschaftliche Zwecke.

Hellmut Seemann hatte 2006 zum Auftakt noch scherzhaft erklärt: «Der unangenehmste Fall wäre es, wenn beide Schädel von Schiller stammen. Es ist aber ein Unterschied, ob man etwas nicht wissen kann oder ob man es nicht klären möchte.» Schließlich ginge es nicht um einen religiösen Gegenstand, sondern um Körper und Schädel eines der bedeutendsten Dichter der deutschen Sprache.

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