Schlag gegen Kinderpornos gelang mit Hilfe von 14 Banken

- Magdeburg - Der neue spektakuläre Schlag deutscher Fahnder gegen die Kinderporno-Szene im Internet ist mit Hilfe einer bislang einmaligen Zusammenarbeit der Ermittler mit 14 Banken gelungen.

So seien die Ermittler unter Federführung des Landeskriminalamtes Magdeburg und der Staatsanwaltschaft Halle bundesweit 322 Verdächtigen auf die Spur gekommen, die Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen haben sollen.

Die Banken hätten auf Bitten der Ermittler Daten von Kreditkartenkunden zur Verfügung gestellt, die im Sommer 2006 eine bestimmte Summe auf ein verdächtiges Konto gezahlt hätten, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt, Martin Krems, der dpa. So seien die Ermittler unter Federführung des Landeskriminalamtes Magdeburg und der Staatsanwaltschaft Halle bundesweit 322 Verdächtigen auf die Spur gekommen, die Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen haben sollen.

Verdächtige bezahlten mit Mastercard oder Visa

Die fraglichen Banken, die auf Bitten der Fahnder bei der Ermittlung der Straftäter mitwirkten, haben laut Magdeburger Ministerium in Deutschland knapp 20 Millionen Mastercard- und Visa- Kunden. Wie viele Kunden und Zahlungsvorgänge von den Banken tatsächlich überprüft wurden, war zunächst nicht bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten den Angaben zufolge nicht selbst Zugriff auf die Kundendaten, sondern lediglich auf die Informationen, die ihnen die Banken zur Verfügung stellten. Insgesamt sind in Deutschland etwa 22 Millionen Kreditkarten im Umlauf.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden im Rahmen der Operation «Mikado» Wohnungen der Verdächtigen im nahezu allen Bundesländern durchsucht. Dabei hätten die Fahnder zahlreiches Beweismaterial sichergestellt, nicht zuletzt Bilddateien von sexuell missbrauchten Kindern. Für die Fotos bezahlt hätten die Pädophilen bei dem Internetportal mit Kreditkarten der Firmen Mastercard und Visa.

Hinweis kam vom Fernsehsender Sat. 1

Den Hinweis auf die Machenschaften der Verdächtigen erhielten die Fahnder vom Fernsehsender Sat.1: Mitarbeiter der Magazinsendung «Akte» stießen bei Recherchen auf das Portal und schalteten daraufhin die Ermittlungsbehörden ein. Die Hintermänner der fraglichen Kinderpornoangebote konnten bislang noch nicht ermittelt werden. Für die Verteilung, den Erwerb und den Besitz von kinderpornografischen Inhalten sieht das Strafgesetzbuch Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren vor.

Es drohen Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren

Ein spektakulärer Erfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie war den Fahndern in Sachsen-Anhalt bereits im Jahr 2003 gelungen. Bei einer Razzia, der Aktion «Marcy», ging ihnen nahe Magdeburg der Drahtzieher eines internationalen Pornoringes ins Netz. Die bei ihm entdeckten Daten führten die Ermittler auf die Spur von 26 500 Tatverdächtigen in 166 Ländern und zur Zerschlagung eines der größten internationalen Zusammenschlüsse von Kinderpornografie. Der Mann war 2005 vom Landgericht Magdeburg zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen worden.

www.mi.sachsen-anhalt.de

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